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    Erstausstrahlung: Sonntag, 25. Juni 2023, 6:05 Uhr
    Sonntag, 25. Juni 2023, 6:05 Uhr
    (Wdh.11:05, 18:05)

    Peter J. Brenner: Genderstern und Glottisschlag - Die deutsche Sprache als politische Kampfzone

    • Der Streit um die Gendersprache reicht in die Tiefenschichten des gesellschaftlichen Zusammenlebens hinein. Die Kolonisierung der Alltagssprache durch genderpolitische Vorgaben provoziert einen Kulturkampf, in dem die Sprachwissenschaft, vor allem die Genderlinguistik, immer neue und manchmal auch sehr fundierte Beiträge liefert. Deren Bedeutung wird aber weit überschätzt. Denn bei diesen Auseinandersetzungen geht es um kulturelle Hegemonie und politische Macht. Die Sprache ist zu einer Kampfzone geworden, in der es um kulturelle Selbstbehauptung geht.

    Kommentare
    Werner Meier
    Ein gendergerechtes Mönch-und-Nonne-Ziegeldach wird physisch und theologisch nicht ganz dicht sein, weil weder Biologen noch Dachdecker wissen, wie die angebliche "Nichtbinarität" aussehen soll und die "Gerechtigkeitsl ücke" dementsprechend leerbleiben muß, weshalb es dort reinregnet. Damit eventuell "schöpfungsleug nende" Ordensleute nicht diskriminiert werden.
    Seibert
    Ich freue mich über die hintergründige Ironie bei gleichzeitiger vordergründiger Ernsthaftigkeit . Für den wunderbaren Schluss mit dem Glottisschlag bietet sich der Vergleich mit Niklas Luhmanns "Legitimitation durch Verfahren" an. Wenn man an Ungewöhnlichem mitwirkt, wird man immer auch zu unbezahlter zeremonieller Arbeit verpflichtet. Das fällt den Ministranten erst im Laufe längerer Zeit auf.
    Spielberg
    Bei den folgenden beiden Kommentaren von mir ist der erste die Fortsetzung des zweiten.
    Spielberg
    Oft kann man erkennen, dass den “genderger echten” Sprechern in der zweiten Hälfte eines Satzes oder eines ganzen Abschnitts der ganze redundante Quatsch selbst auf die Nerven geht. Sie huschen dann einfach darüber hinweg oder gehen zu einer ganz normalen Sprache über.
    Spielberg
    Ihr wichtigster Satz, Herr Brenner, war wohl, dass es ein Unterschied ist, ob man etwas beschreibt oder vorschreibt. Aus der tiefen Geschichte, auch der Sprachgeschicht e, Handlungsanweis ungen für die Gegenwart abzuleiten, ist absurder Blödsinn. Zur Gegenwart ein Leserbrief von mir an die Badischen Neuesten Nachrichten vom März 2021:

    Max Weber: “Macht ist die Chance, seinen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen.” Beim “Gendern” wird die Machtausübung offen zur Schau gestellt, indem man den Zuhörern sprachliche Stinkbomben vorsetzt und Widerreden gegen diese angebliche “Geschlech tergerechtigkei t” auskostet. Freie Menschen suchen in solchen Situationen natürlich sofort das Weite und kommen nie mehr wieder. Die Erpressungssitu ation entsteht ja erst dann, wenn der Zuhörer tatsächlich auf das angewiesen ist, was er über den Sternenhimmel hinaus noch angeboten bekommt. Das ist er aber nicht. Und wenn er entsprechend handelt, ist der Spuk vorbei. - Als Peter Sloterdijk vor kurzem von einer “kapriziösen Verirrung” sprach und die “Mitmacher ei der Einknicker und Einknickerinnen aus allen Lagern vor einem kurzatmigen Usus” eine Erscheinung nannte, die “binnen weniger Jahre verschwinden wird”, dachte ich zunächst, dass er unrecht hat. Aber wenn man z.B. bestimmte Sendungen im SWR2 als Kabarettveranst altungen betrachtet, in denen sich die Kabarettisten selbst durch den Kakao ziehen, sieht man tatsächlich eine Lösung überraschen der Art: Oft kann man erkennen, dass den “genderger ec

    Perfilbajo
    Sehr geehrter Herr Brenner,

    herzlichen Dank für diesen hervorragenden Beitrag, der aufgrund seines fachlichen Aufbaus, seiner Stringenz und der gesellschaftlic her Einordnung besticht. Es ist wirklich ein Genuss, zu zuhören. Ihrem (noch relativ mildem) Ausblick zur Zukunft der 'Fremdsprache genderisch' stimme ich zu und bin sicher, dass diese Kunstsprache das gleiche Ziel finden wird, wie damals Esperanto.

    Fritz von Rippoldsau
    1. Das. immer wieder kritisierte ne-utrum für junge Frauen (das Mädchen) muß nicht als Verdinglichung verstanden werden, sondern vielleicht als weiser Schutz vor der sexualisierten Wahrnehmung, der die jungen Mädchen eben entzogen werden sollen.
    2.Wittgenstein ist keine gute Adresse für einen philosophisch. durchdachten Sprachbegriff, er hat wenig und schon gar nicht gründlich über Sprache nachgedacht. Nicht der Gebrauch bestimmt die Bedeutung eines Wortes, sondern die Bedeutung seinen Gebrauch, und die Bedeutung impliziert eben ein bestimmtes sachliches Begriffsverständnis (Platon), weshalb die Rede von einer gendergerechten Sprache einen Missbrauch der Bedeutung und des Begriffs von Gerechtigkeit darstellt. Mehr dazu im philosoph.Proseminar!

    nixnullinger
    Habe mich sehr auf den Vortrag gefreut, aber als nur noch linguistische Fachbegriffe fielen, ohne diese zu erklären und Beispiele zu nennen, habe ich - nach etwa einer Viertelstunde - ausgeschaltet.
    Ortelsburg
    Die Sendung läuft aber unter dem Oberbegriff "Audimax". Da kommt man um Fachbegriffe nicht herum. Mag sein, daß ein paar Beispiele den Vortrag etwas "bunter" gemacht hätten, aber insgesamt war er doch sehr erhellend, vor allem, was den Unterschied zwischen Beschreiben und Vorschreiben ausmacht. Sie haben einiges verpaßt.
    Mimatt
    Hallo,

    im alltäglichen Sprachgebrauch spielt die biologische oder soziale Geschlechts-Komponente gar keine Rolle. Wenn man was will so spricht man jd. mit Herr, Frau, Sie bzw. Du an. Niemand denkt an biologische oder soziale Ausprägungen. Schon weil die Sache um die es geht wichtiger ist , was für beide Seiten einvernehmlich gilt. Eine Abwertung nicht spezifisch angesprochener Personen ist somit relitätsfremd und eine abwertende Unterstellung.
    Der alltägliche Umgang hat das gemeinsame Menschsein unausgesprochen als Grundlage. Weshalb auch Kinder immer als Menschen mitgemeint sind wenn sie Gesprächsinhalt sind.
    Ich bezeichne mich schon lange erstrangig als Mensch nicht als Mann. Eben weil die meisten meiner bewussten Lebenstätigkeiten geschlechtsunab hängig sind sogar manchmal mehr männlich o. weiblich nach hergebrachter Vorstellung. Wie kaufe ich männlich oder backe weiblich, buchhaltere ich männlich oder weiblich, wie repariere ich männlich oder weiblich? Wie betreue ich meinen Hund/Goldfisch mänlich o. weiblich? Zumeist gar nicht irgendwie geschlechtsbewe rtend bezogen. Der würde sich das auch verbitten.

    Mit menschlichem Gruß an Euch.


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