„Irrlichter und Fixsterne“

Erstausstrahlung: Freitag, 26.08.22, 20:05 Uhr

Wie steht es um die Individualität in den Zeiten von Individualismus und Identitätspolitik? Kann sie mehr sein als ein Fetisch? Wird sie nicht durch gesellschaftliche Konstellationen ausgehöhlt? Werden wir als Individuen unterworfen? Gibt es nicht auch die perfide Strategie, dass wir zum Individuum unterworfen werden, um politisch neutralisiert zu werden (divide et impera)? Warum lohnt es sich, weiterhin für die Individualität einzustehen?

Matthias Burchardt diskutiert diese Fragen mit dem Philosophen und Soziologen Franz Kasper Krönig. 

Kommentare
Prager
Wer ist Prof. Dr. Franz Kasper Krönig? Auf jeden Fall mir bis dato völlig unbekannt. Ein Akademiker also. Philosophie und Soziologie. Der Händel hört. Oder, wie er sagt, vorgibt, selbigen zu hören, um eine möglichst große Distanz zur eigenen Person herzustellen? Die eigentliche Überraschung stellt sich für mich ein, als ich lese, dass Herr Krönig als Franz Kasper Musik macht und bereits mehrere CDs herausgebracht hat.
Zum Thema Schule und Individualität: Ein größeres Gegensatzpaar kann es für mich, der in den 1960er und 1970er Jahre dem deutschen Schulsystem ausgesetzt war, nicht geben. Schade um die vielen verpassten Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung.
Danke für das interessante Gespräch!
Hätte es nicht am Schluss noch einen weiteren Wunschtitel des Gastes geben können? Damit es nicht beim Händel bleibt…

IngeZH
Danke für dieses interessante tiefschürfende Gespräch. Schade, dass es so kurz war. Ich kann mich dem Kommentar meines Vorredners über Schule und Individualität zum Teil anschließen (wahrscheinlich wegen des ähnlichen Erfahrungszeitraums - obwohl sich nach meinem Erleben in den letzten fünfzig Jahren in dieser Hinsicht in der Schule sehr wenig geändert hat). Ich hätte gerne mitdiskutiert und an einigen Stellen heftig widersprochen, weil ich neben den beiden aufgemachten Perspektiven eine dritte Möglichkeit einbringen würde, die vielleicht Schule und Individualität versöhnen könnte.

fa ma
Vielen Dank für dasinspirierende Interview, das wieder bestätigt, dass wir viele sind! Ich lernte einen neuen Menschen kennen, der unsere Vernunfts-Community erweitert. Danke Matthias Borchardt für die Wahl von Prof. König. Wie schön, daß die Musikauswahl so groß ist, daß jeder findet, was ihm zu einem Zeitpunkt guttut. Daß andere nicht die gleiche Begeisterung empfinden beweist unsere gottgegebene Individualität.

Individualität ist das Andersein eines Jeden von uns. Bei jedem Hauch von Konformitätsdruck sollten die Alarmglocken laut läuten.

In unseren Schulen und Unis bildet sich ein merkwürdiger Widerspruch zwischen dem Auftrag, besondere Talente eines jeden Kindes zu entdecken und zu kultivieren und den tatsächlich übergestülpten Zwangsjacken.

Abzulehnen sind Methoden und Verfahren von Human Resource Management großer Firmen im Umfeld von Schulen, Unis und den Verwaltungen unserer Gesellschaft. Corporations haben nämlich Individualität NICHT als höchstes Ziel.

Marschall
Ein kleiner Gedankenfurz bezüglich "Realität":
Wir können die Realität nicht direkt betrachten, wir sehen einen kleinen Ausschnitt von ihr wie durch einen Glasspiegel hindurch, der das Bild zwar weitestgehend korrekt widerspiegelt, aber nicht gänzlich. Die ursprüngliche Aufgabe der Wissenschaften war es, die Unebenheiten zu glätten und den betrachteten Ausschnitt zu vergrößern.

Gesamtgesellschaftli ch haben wir durch Medien und Politik in den letzten 10 Jahren den Spiegel immer weiter verbogen und versucht, der tatsächlichen Realität unsere Wunschwahrnehmung aufgedrückt. Doch ein Glasspiegel ist nur begrenzt biegsam und bricht an einem Punkt. Der Moment, in dem unsere Wahrnehmung und die Realität nicht mehr in Einklang zu bringen sind, da das Bild zersplittert und inkohärent ist. Es gibt dann nur kleine Inseln von kohärenter Realität die nicht mehr zusammenhängen, Willkür ist die Folge.

Die Politik der letzten zwei Jahre hat unsere gesellschaftliche Wahrnehmung der Realität gebrochen.


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