Erstausstrahlung: Montag, 07.11.22, 20:05 Uhr

Kontrafunk kontrovers: „Bildung im freien Fall?“

Brauchen wir Alternativen oder können wir weiterhin auf staatliche Schulen setzen? Darüber diskutieren Thomas Becker und Josef Kraus.  Thomas Becker ist Bildungsaktivist und Gründer des Vereins „Aktion Gute Schule“. Er vertritt die Ansicht, dass alternative Schulkonzepte besser für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind. Josef  Kraus ist Psychologe, war 30 Jahre lang Präsident des deutschen Lehrerverbands und hat ein Gymnasium in Bayern geleitet. Er verteidigt den klassischen Frontalunterricht und erkennt von einer Montessori-Schule höchstens den pädagogischen Wert an. Jasmin Kosubek moderiert die Sendung.

Kommentare
Thomas J
Behauptete Fakten müssen nicht immer stimmen. Oft wäre es sinnvoll, von redaktioneller Seite und unmittelbar, vielleicht mithilfe des Internets, Behauptungen kurz zu hinterfragen, auch weil der Gesprächspartner nicht immer in der Lage ist, sofort adäquat reagieren zu können. Herr Kraus sprach im Hinblick auf die Erwähnung Herrn Beckers der Schule Summer Hill von einem Eigentor, indem er behauptete: „Summer Hill ist durch Erfolglosigkeit schon seit Jahren geschlossen. Punkt.“ Gibt man im Internet nun nur kurz ein: „Summer Hill geschlossen“ kommt folgende Erklärung: Fast wäre Summerhill deswegen von der britischen Schulaufsichtsb ehörde geschlossen worden. Man konnte aber vor Gericht nachweisen, dass die Kinder am Ende doch ihren Abschluss schaffen und ihren Karriereweg gehen.“ - So bringen selbstbewusst vorgetragene Statements Pluspunkte, führen den Hörer aber mit falschen Fakten in die Irre. Gibt es da eine Möglichkeit, durch schnelle Reaktion dem vorzubeugen?
Georg69
Sowohl Herr Kraus, als auch Herr Becker haben m. E. sinnfällige Argumente für ihre jeweiligen Positionen geliefert. Letztere sind auch gar nicht so weit auseinander, wie es vielleicht ob der bisweilen etwas aufgeregten "Dazwischenreder ei" erscheinen mag.

Dass das allgemeine Bildungs- und Wissensniveau in den vergangenen Jahrzehnten eklatant zurückgegangen ist, halte ich für unstrittig. Für mich ist u. a. die schwierige Frage von Bedeutung, inwieweit auf der einen Seite die leider immer größer gewordene Wohlstandsverwa hrlosung seitens nicht weniger Eltern beim Namen genannt werden sollte und auf der anderen Seite das in vielerlei Hinsicht zu starke Betonen der Erfüllung von Lehrplänen im Sinne von "Durchnehmen und Abhaken" (Bulimielernen) bei der Entwicklung besserer Lehr- und Lernformen kritisch gesehen werden muss.

Würde mich sehr freuen, in naher Zukunft Menschen wie z. B. Gerald Hüther und Donata Elschenbroich bei einem Streitgespräch lauschen zu können.


Lulu
Mit der Behauptung, es gäbe keine Summerhill Schule mehr, hat sich Herr Kraus, jedenfalls gemäss meiner Recherche im IN, geirrt! Einfach mal so behaupten, das geht aber!
Müller
Herr Kraus hat in vielen Punkten recht und zudem langjährige, fundierte Erfahrung. Auch einige der Ansätze von Herrn Becker sind gut. Aber wir Menschen sind je Person einzigartig und nicht immer passt es. Angebotsvielfal t ist gut. Man kann von den Systemen lernen. Wer nur in einer Ecke verharrt, ist nicht offen. Für Freie Schulen braucht es übrigens auch die Kids, Lehrer und Lehrerinnen (und die Eltern), die dafür geeignet sind sonst geht man ggf. unnötig ohne Abschluss aus der Schule. Ich kenne aus eigenem Umfeld eine freie Schule wo einzelne Kinder nie Sport machen, andere nur Fußball spielen, andere sich bei Übungen ne Pizza liefern lassen und da keine Erwachsene manches eben nicht sehen. Auch kann man das Abfragen vor der Klasse anders machen als mit Druck und ggf. noch Bloßstellung. Aggressiv, etc. fand ich übrigens Herrn Kraus nicht, eher einen Kommentar hier. Die beiden haben kontrovers diskutiert und auch mal scharf, das gehört dann eben dazu.
Floris
Grundsätzlich könnte man sich überlegen, ob das an sich gute Format nicht besser wäre wenn drei Personen kontrovers diskutieren, das wäre noch belebender, vielfältiger in der Meinung und würde einen hin und her Schlagabtausch reduzieren, der wie auch schon bei anderen Folgen eher ermüdend als anregend isein kann und zudem die Diskutierenden auch nicht so sehr zu verengen lässt.
Mahlmann
Vielleicht hätte man statt Herrn Becker entweder Herrn Tomasz M. Fröhlich oder Herrn Stefan Blankertz einladen sollen. Vom Wert der besseren Bildung berichtet Herr Froelich in seinem Buch „Bildungsv ielfalt statt Bildungseinfalt “. Bemerkenswert ist der Vortrag „gleich macht ungleich“ von Herrn Blankertz.
D.Singer
Ich möchte rückmelden, wie schockierend rückwärtsgewandt ich die Ansichten von Hrn. Kraus empfinde. Ansichten eines ewig Gestrigen, der sich neuen pädagogische n sozialwissensch aftlichen und entwicklungspsy chologischen Erkenntnissen u. Entwicklungen gegenüber starrköpfig verschließt und auf veralteten, längst überholten pädagog. Prinzipien herumreitet. Versteht sich von selbst, dass er sich jeglicher Kritik verwehrt und zu Selbstkritik nicht in der Lage ist. Die Vorstellung, dass er mit seinem überheblich -arroganten, selbstverherrli chenden und Macht ausübenden Duktus - mit dem er Gesprächspartner und Moderatorin aggressiv angreift und permanent unterbricht - jahrzehntelang Schüler gequält hat, lässt übel aufstoßen. Typen wie Herr Kraus tragen maßgeblich dazu bei, dass die allermeisten Staatsschüler Schule u. Lernen als notwendiges Übel bezeichnen. Danke an Hrn. Becker für seine fundierten Beiträge während der Diskussion, seine zutiefst menschliche Haltung und seine Geduld mit Hrn.Kraus.
Franz Poschen
Ihrer Kritik an Herrn Kraus kann ich nicht nachvollziehen. Warum äußern Sie sich eigentlich so aggressiv gegenüber Herrn Kraus und werden sogar persönlich. Natürlich kann man verschiedene Ansichten haben. Deshalb verorte ich Sie auch eher ideologisch Links. Kein Problem! Haben Sie sich aber einmal gefragt z. B. beim Thema Homeschooling, wie sich das auf den schon jetzt häufig schlechten Bildungsstand der Schüler von vornehmlich muslimischen Eltern auswirkt. Die Bildung und Deutschkenntnis se würden eindeutig noch weiter fallen. Wie haben jetzt schon ein 3-Klassen-System von Schülern. Die Leistungen der Schüler werden immer schwächer und die Anforderungen an sie sinken immer weiter. Ich kann die Argumente von Herrn Kraus alle gut nachvollziehen.

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