Norbert Bolz: „Realitätsverlust und Kommunikationsmacht – Wie die 68er-Meinungssoldaten das Denken durch Moralansprüche ersetzen“

Erstausstrahlung: Sonntag, 14.08.22, 06:05 Uhr

Woher kommt der Konformismus in einer freiheitlichen Gesellschaft? Was sind das für Parallelwelten, die sich in Parlamenten und Redaktionen etabliert haben, und Nachrichten aus der Wirklichkeit als Störgeräusche empfinden? Es gibt Grenzen der Aufklärung, weil die Menschen betrogen werden wollen. Denn der Wahn schafft wenigstens Ordnung. Norbert Bolz analysiert die Götterdämmerung der 68er-Generation als eine durch die sozialen Medien ausgelöste Kulturrevolution.

Kommentare
Freier Mensch
Unter Berücksichtigung der Praxeologie (das Axiom des menschlichen Handelns) wissen wir, dass sowohl Ziele, Mittel, Werte, Zeitpräferenz, Risikoaversion und Nutzen subjektiv und nicht messbar sind. Daraus lässt sich meiner bescheidenen persönlichen Meinung nach ableiten, dass Minderheiteschutz essentiell in einer funktionierenden, friedlichen, arbeitsteiligen Gemeinschaft ist. Sich als Gemeinschaft daher wieder der kleinsten Minderheit zuzuwenden und sie zu schützen zu beginnen, was schlichtweg den Schutz der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der kleinsten Minderheit bedeuten würde, dem Individuum, erscheint mir als dringender geboten und diskussionsbedürftiger denn je. Die absolute Minderheit, das Individuum, wurde lange nicht mehr so sehr missachtet und von großen oder auch kleinen Kollektiven unter Beschuss genommen, wie in den vergangenen 30 Jahren und insbesondere in den letzten 2,5 Jahren.
wolfgang.altpeter
Mir gefallen die Beiträge von Prof. Bolz deswegen, weil er sie so abfasst, dass sie auch für einen Laien sehr gut verständlich sind.
Mathias Rudek
Wie immer, lieber Herr Bolz, eine sehr gute Analyse des aktuellen moralistischen Zeitgeistes.
Jagular
Diese Rede hat mir sehr gut gefallen, weil sie für mich als Mittvierziger Dinge einordnet, die ich aufgrund eines Mangels an gedanklich aktiven Jahren bzw. gedanklich aktiv durchlebten Krisen selbst schwer einordnen kann. Vielen Dank dafür, Herr Professor Bolz!

Gibt es zu der Rede vielleicht ein Manuskript und könnten Sie das teilen?

Denken ist Glückssache
Für derart komplexe Themen die hier behandelt werden ist die Zeichenbeschränkung leider viel zu eng.
Engler
Inspirierender Beitrag voller Finessen! Ein echter Norbert Bolz eben.

Melde Dich zum Kommentieren im Login-Bereich an, um kommentieren zu können.

Weitere Sendungen: Audimax

  • „Verschwörungstheoretiker, Extremismusexperten und Expertenextremismus“
    02.10.2022 06:05

    In unserer Sendereihe „Audimax – Das Kontrafunkkolleg“ bringen wir heute zwei Texte zum Thema “Verschwörungstheorie”. Der erste Text ist eine Rede, welche die Sprachwissenschaftlerin Katja Leyhausen am 12. März 2022 auf einer Demonstration der Offenen Gesellschaft Kurpfalz in Wiesbaden gehalten hat. Danach folgt ein Text des Philosophen und Psychologen Thierry Simonelli. Beide Texte stammen aus dem Online-Magazin des Vereins 1bis19 e.V., der sich im Jahre 2020 als eine Antwort auf die deutsche Corona-Politik und auf Initiative Paul Brandenburgs gegründet hat.

  • Peter J. Brenner: „Karl May. Ein Weltbürger im Reich der Phantasie“
    25.09.2022 07:00

    Karl May (1842 bis 1912) ist der erfolgreichste Autor der deutschen Literaturgeschichte. Ein Blick auf Leben, Werk und Wirkungsgeschichte zeigt, dass er mit seinen Romanen fast 150 Jahre deutscher Kulturgeschichte begleitet und auch mitgeprägt hat. Er hat Mythen geschaffen, in denen sich das deutsche Bürgertum wiedererkennen und mit denen es sich die Welt auf eine verständliche Weise zurechtlegen konnte. Karl May wurde 2022 ein Zufallsopfer der Cancel-Culture-Bewegung, aber die Kontroversen um ihn zeigen, worum es geht: um das Erbe der bürgerlichen Welt.

    Peter J. Brenner war Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität zu Köln, 2009 wechselte er an die Technische Universität München. Er ist Verfasser mehrerer Standardwerke seines Fachs und zahlreicher weiterer Bücher zur Kultur- und Bildungsgeschichte. 

  • Norbert Bolz: „Die Tyrannei der Wehleidigen“
    11.09.2022 06:05

    Der Duden unterwirft sich dem Gendergaga und Apple kreiert als neues Emoji den schwangeren Mann. Der woke Wahnsinn tritt mit aggressiver Selbstherrlichkeit hervor und das Fühlen befreit sich vom Denken. Doch die Gefühle sind schon selber Fakes: es ist die Simulation, die Selbstsuggestion von Empfindungen, Verletzungen und Frustrationen. Prof. Norbert Bolz analysiert, mit welchem Treibstoff der Empörungsmotor läuft, den die Moralmachthaber bedienen, um ihre Tyrannei zu errichten. 

  • Alexander Meschnig: „Selbstzerstörung als Erlösungsphantasma“
    04.09.2022 06:05

    Deutschland zeichnet sich insbesondere in den letzten Jahren durch ein stetiges Abgleiten der Politik in eine Art von Traumwelt aus. Der Mangel an realistischer Selbstwahrnehmung und die fehlende Integration von Binnen- und Außenwahrnehmung bestimmen den Charakter einer Gesellschaft, die mehr und mehr der Vernunft und dem Pragmatismus abgeschworen hat. Die deutsche Politik verliert sich dabei immer mehr in den Bildern der eigenen Größe und moralischen Erhabenheit, die mit einer Verdrängung der Realität einhergeht. Die daraus resultierenden Probleme und der unaufhaltbare Einbruch der Wirklichkeit in diese Scheinwelt sind Gegenstand dieser drei Essays.

  • Peter J. Brenner: „Gesichter einer Landschaft – Theodore Fontane und seine Mark Brandenburg“
    28.08.2022 06:05

    Die  „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ sind das heimliche Hauptwerk Theodor Fontanes, an dem er über dreißig Jahre lang gearbeitet hat. Fontane erfährt zwischen Havel und Oder eine Kulturlandschaft mit einer ereignisreichen Geschichte, eine Grenzregion, in der sich Deutsche und Slawen begegnen, Flüsse begradigt, Moore trockengelegt werden, Torfstecher und Ziegelbrenner die Hauptstadt versorgten. Literarische Nachfolger Fontanes konnten hundert Jahre später die gleichen Erfahrungen mit der jetzt in der DDR gelegenen Landschaft machen. Erst der Klimaschutz mit seinen Windkraftanlagen gab dieser Landschaft ein anderes Gesicht.

    Peter J. Brenner war Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität zu Köln, 2009 wechselte er an die Technische Universität München. Er ist Verfasser mehrerer Standardwerke seines Fachs und zahlreicher weiterer Bücher zur Kultur- und Bildungsgeschichte.

  • Norbert Bolz: „Realitätsverlust und Kommunikationsmacht – Wie die 68er-Meinungssoldaten das Denken durch Moralansprüche ersetzen“
    14.08.2022 06:05

    Woher kommt der Konformismus in einer freiheitlichen Gesellschaft? Was sind das für Parallelwelten, die sich in Parlamenten und Redaktionen etabliert haben, und Nachrichten aus der Wirklichkeit als Störgeräusche empfinden? Es gibt Grenzen der Aufklärung, weil die Menschen betrogen werden wollen. Denn der Wahn schafft wenigstens Ordnung. Norbert Bolz analysiert die Götterdämmerung der 68er-Generation als eine durch die sozialen Medien ausgelöste Kulturrevolution.

  • Peter J. Brenner: „Die deutsche Südsee – Ein koloniales Missverständnis“
    31.07.2022 06:05