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13. Juli 2026, 15 Uhr
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13. Juli 5:00 Uhr

    Warum wir die „Schweizerzeit“ vom 30. Juni 2025 gelöscht haben

    Am Montag, dem 30. Juni 2025, habe ich als Verantwortlicher des Kontrafunks eine Maßnahme ergriffen, die bei uns selten vorkommt: Ich habe eine Sendung aus dem Programm genommen und sie auf unserer Website depubliziert. Es handelt sich um ein Interview, das unsere Redaktorin Corinna Zigerli mit Herrn Christian Oesch von einem Verein namens WIR geführt hat.

    Diese Entscheidung habe ich erst nach dem Anhören der ersten Ausstrahlung getroffen, da ich leider nicht zum Voraus informiert war, was da im Rahmen dieser zusammen mit der Zeitschrift „Schweizerzeit“ produzierten Sendereihe geplant war. Ich bedaure daher, auch die Kollegen von der „Schweizerzeit“ nicht vorgängig kontaktiert zu haben; bei einem in Echtzeit laufenden 24-Stunden-Radio bestehen eben manchmal andere Zeitzwänge als in den Printmedien.

    Manche Hörer haben diese Plötzlichkeit als stoßend empfunden, weshalb ich hier die Gründe darlegen möchte.

    Der Kontrafunk ist ein No-Nonsense-Radio mit hohen journalistischen Qualitätsmaßstäben. Wir haben uns den Ruf als seriöses Medium der Gegenöffentlichkeit durch unbedingtes Festhalten an wissenschaftlich-rationalen Normen erarbeitet. Nur so waren wir in der Lage, während der Corona-Zeit den evidenzlosen Willkürnarrativen der Staatsmacht fundierten Widerstand entgegenzusetzen.

    Diesen Normen und Maßstäben entsprach das Interview mit Herrn Oesch in keiner Weise. Es ging dabei um zwei Themenkomplexe: das Labor Spiez als Eidgenössisches Institut für ABC-Schutz sowie um „mysteriöse Fäden“ aus biologischem Material, die im Herbst 2022 in verschiedenen Ländern Europas in der Landschaft gefunden wurden und deren Herkunft unklar war und ist.

    Der Verein WIR beauftragte eine chemische und biophysikalische Untersuchung der Fäden, die zeigte, dass diese Fäden synthetische Polymere sind, also aus organischen Molekülen bestehen und zudem innen hohl sind. Die beauftragten Wissenschaftler brachten die Fäden mit zwei älteren Patenten zur Herstellung von mikroskalierten hohlen Nanofasern in Verbindung, ohne jedoch zeigen zu können, dass der Hersteller der Fäden diese Patente verwendet. Diese Ergebnisse sind zwar ernst zu nehmen, doch müssten sie in einem wissenschaftlichen Journal publiziert und von einer unabhängigen Institution bestätigt werden, damit man daraus Schlussfolgerungen ziehen könnte. Sollten sich die Untersuchungsergebnisse bestätigen lassen, wäre es naheliegend, davon auszugehen, dass die Fäden aus einer Produktionsanlage im Rahmen eines Zwischenfalls unkontrolliert freigesetzt und dann vom Wind verweht wurden; eine Art von Umweltverschmutzung, die in den letzten Jahrzehnten nach Seveso (1976) und Bhopal (1984) seltener wurde, weil die Sicherheitsanforderungen verschärft worden sind.

    Doch Herr Oesch äußerte dazu Folgendes: „Das Interessante ist, dass diese Technologie, die wir da im Labor ausfindig gemacht haben und auch in verschiedenen Patenten verfolgbar ist, das haben wir dann zusammenbringen können und ausfindig machen können, dass der Inhalt dann von diesen Fäden mit über 50 verschiedenen Substanzen bestätigt werden konnte und über 30 von diesen Substanzen toxische Substanzen aufweisen. […] Und diese Fäden, also diese Patente, geben uns auch eine Richtung, wie das angewendet werden kann. Das kann also auch für die Agrikultur verwendet werden, kann aber auch für medizinische und biologische Applications verwendet werden. […] Also hier sehen wir jetzt die mögliche Verbindung, was in einem Labor Spiez entwickelt wird, der Fokus, und was wir selber und unabhängig im Labor bei uns bestätigen konnten. Also hier sehen wir jetzt wirklich eine unglaubliche Verbindung und Möglichkeiten, die wir da hier wahrnehmen können. […] Nach den Patenten muss es irgendwie durch die Luft ausgetragen werden. Das können Drohnen sein, das könnte durch Flugzeuge sein. Also das hat mit Elektrolyse zu tun. Das wird mit einem positiven und einem negativen Frequenzkonzept so ausgetragen. Wir haben nicht bestätigen können, wer das macht.“

    Bei allem Discount, den wir einem möglicherweise vor dem Mikrofon aufgeregten Gesprächspartner hinsichtlich der Verwendung verständlicher Sprache zu geben bereit sind – dies ist blühender Unsinn, der formale Denkstörungen verrät. Die beiden Patente (WO 01/09414 A1 von 2001 und EP1 755 382 B1 von 2005), die die beauftragten Analysten mit den Substanzen in Verbindung gebracht haben, müssen nämlich keinesfalls die Patente sein, die der putative Hersteller der Fäden nutzt. Die Formulierung „diese Fäden, also diese Patente“ ist also vollkommen inkonsistent. Es besteht keinerlei klarer Zusammenhang zwischen den Fäden, den Patenten und den von Oesch vermuteten „biologischen Applications“. Es besteht keinerlei Zusammenhang mit dem Labor Spiez und erst recht nicht mit Elektrolyse oder einem „Frequenzkonzept“ (ein offensichtlicher Humbugbegriff).

    Auch Herrn Oeschs Aussagen und Thesen zu den Hintergründen der Arbeit des Labor Spiez sind irrational und inkohärent. Eine wörtliche Kostprobe: „Erreger, auch Pilze und so, wir haben heute die technologischen Möglichkeiten, dass wir quasi einen Computer, also ein Nanopartikel, mit KI versehen, in einen Erreger einbauen können”. Ein Nanopartikel kann nicht in einen Erreger eingebracht werden, um dort Rechenoperationen auszuführen, geschweige denn KI-Algorithmen zu berechnen. Oeschs Äußerungen zum Labor Spiez sind von solchen Phantasmen durchsetzt, und ich bedaure, dass unsere redaktionellen Prüfungsroutinen in diesem Fall versagt haben und solche Irrationalitäten nicht vor der Sendung erkannt worden sind. Denn der Kontrafunk verfügt nicht von ungefähr über eine kompetente Medizinredaktion und genügend wissenschaftliches Know-how dafür, solche publizistischen Unfälle zu verhindern.

    Generell ist die internationale Zusammenarbeit im Bereich B-Waffen-Schutz durchaus sinnvoll, wozu auch der Austausch von Krankheitserregern gehört. Ob die WHO dabei noch eine vertrauenswürdige Dachorganisation ist, mag man in Frage stellen. Aber die Problematik des Bevölkerungsschutzes vor biologischen Waffen muss von Fragen der Erforschung, Produktion und Verteilung von problematischen, auf Nukleinsäuretechnologien beruhenden Immunisierungsmitteln abgegrenzt werden. Diese Abgrenzung nimmt Herr Oesch nicht vor, und seine Charakterisierung der Arbeit des Labors ist unsachlich und falsch.

    Der Fall ist charakteristisch für die tiefe epistemische und moralische Krise, welche die Medien insgesamt erfasst hat – nicht nur die Altmedien, die sich von jeder Faktizität längst verabschiedet haben und zu krassen Lügenschleudern geworden sind, sondern auch viele Alternativmedien, die einem komplementären Irrationalismus verfallen und bereit sind, haltlose Narrative zu verbreiten, wenn sie nur im Kostüm irgendeiner Systemkritik daherkommen. Hier macht sich ein Aktivismus der Ahnungslosen breit, der neuen Scharlatanen den Boden bereitet.

    Der Kontrafunk gibt sich dafür nicht her.

    Burkhard Müller-Ullrich