„Reden über Deutschland“ – mit Paul Brandenburg

Erstausstrahlung: Dienstag, 28.06.22, 20:05 Uhr

Sternchen? Unterstrich? Binnen-I? Aufzählung? Oder nichts und fort mit dem Humbug? Seit den 2010er Jahren wird das Thema einer geschlechtergerechten Sprache heiß diskutiert: die Befürworter halten Sprache für ein Transportmittel von Vorurteilen und ein Spiegel von (patriarchalen) Machtverhältnissen, den Gegnern ist Gendern moralisch überzogene und übergriffige Sprachverhunzung. Paul Brandenburg hat in dieser besonderen Premiere live mit Ihnen, den Hörer Innen von Kontrafunk, über Ihre Meinungen und Erfahrungen diskutiert. 

Kommentare
Winfried Becker
Guten Tag!
Aus meiner Sicht ist diese gesamte sog. Gender-Sprache der Versuch einer kleinen, selbsternannten „Elite“, sich gegen das gemeine Volk abzugrenzen. Das wird erreicht, indem man sich einen Code schafft, der seine Nutzer trennt in solche, die dazu gehören und solche, die „zurück geblieben“ sind und respektlos gegenüber den Wert zu schätzenden und zwingend zu benennenden Minderheiten auftreten.
Sprache sollte eigentlich Gemeinschaft stiften all derer, die sie verstehen und sprechen. Das genaue Gegenteil passiert jedoch mit der Schaffung dieser künstlichen, mit Codes garnierten Kunstsprache. Aufspaltung der Gesellschaft in identitäte Grüppchen ist das zwangsläufige Ergebnis.

fa
haben wir nicht wirklich andere gravierende themen, die unsere herzen und hirne beschäftigen sollten?
fa
gehört das auch zur verdummungsmaschiner ie? wie konnten wir uns im land der dichter und denker nur soweit heruntermanövrieren lassen? ich bin einfach nur sehr sehr sehr traurig! ... und finde keine worte mehr.
Thomas T.
Die „geschlechterge rechte Sprache“ impliziert eine emotionale Erpressung, indem den Nutzern der gewachsenen Sprache ein ungerechtes Verhalten unterstellt wird, obwohl es sich natürlich um einen Kategorienfehler handelt, denn Sprache ist nur ein Kommunikationswerkze ug und daher weder gerecht noch ungerecht.
Außerdem fußt das Gendern auf Fehlannahmen wie Genus = Sexus oder Form = Inhalt und ignoriert wichtige sprachwissenschaftli che Erkenntnisse wie die Markiertheitstheorie , nach der bestimmte grammatische Formen (wie das Maskulinum oder das Präsens) ohne Kontext unspezifisch sind. Nur deshalb sind Formulierungen sinnvoll wie: Die meisten Grundschullehrer sind Frauen.
Frauen sind im Deutschen durch die eigene Motionsform wie z.B. Lehrerinnen viel leichter sichtbar zu machen als Männer.
Es irritiert, dass gerade im akademisch-medialen Bereich solche sprachwissenschaftli chen Hintergründe ausgeblendet werden, aber hier geht es anscheinend nur um das Zurschaustellen der richtigen Gesinnung.

fa
seit der rechtschreibreform habe ich beschlossen, das alles nicht mitzumachen. für mich war das eine freiwillige sache. ich finden und fand das ß gut und auch das Photo.
als das mit den INNEN kam, beschloss ich wieder: ohne mich, .. allein mein gehör sugeriert mir, als seine nun plötzlich alle weiblich geworden (bin selbst weiblich).

Gleichberechtigung entsteht im Handeln nicht in der Sprache. Das generische Maskulinum war nie der Grund von Ungeleichbehandlung der Geschlechter. Ich sehe das Gendern eher im Zusammenhang mit der plötzlichen Geburt der Fokussierung auf LGTBQ+ ... und ich sehe ich Schwarz. Hier sollen Menschen von ihren letzten Grundfesten herausgehebelt und entwurzelt werden. Wenn junge Menschen nun nicht mal mehr wissen sollen, was sie sind, dann ist das der Inbegriff der Entwurzelung. Hier liegt mE der wahre Grund hinter dieser ganzen Verunsicherung. Hier erhalten Manipulatoren ein leichtes Spiel.

Georg69
Guten Abend,

vielen Dank für diese Sendung und danke ebenso, dass mir die Teilnahme als Anrufer ermöglicht wurde!

Die Thematik der geschlechtergerechte n Sprache steht seit nunmehr rund 10 Jahren im Raum, mal vergrößert sie sich, mal verkleinert bzw. verengt sie sich wieder. Habe diesem bis vor 2,5 Jahren, also "vor Corona", nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt und es als eine randständige Modeerscheinung abgetan.
Dem ist aber m. E. nicht so. Im Zuge der fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft in Gut und Böse, in "Geimpfte" und "Ungeimpfte", in regierungsgläubige brave Bürger und querdenkend-verschwörungsgläubig-"rechtsoffene" Deppen, schiebt sich die Genderdebatte - wobei: was ist hier eigentlich "Debatte"? wie ein weiterer Pilz in die morschen bis maroden Gebälke unseres Zusammenlebens. Mittlerweile leider zu hohlen Begriffen verkommene Werte wie "Solidarität" oder "Gemeinsinn" werden im Dienste totalitärer und letztlich zerstörerischer Agenden missbraucht.

Georg69
Ich hoffe sehr und bin trotz der gegenwärtigen beunruhigenden Entwicklungen guten Mutes, dass immer mehr Menschen zu erkennen lernen, welches perfide Spiel hier abläuft und unsere individuellen wie kollektiven Freiheiten sehr bedroht sind. Dazu ist es m. E. von Bedeutung, Zusammenhänge zwischen z. B. "Corona", "Klimawandel", "Gendersprache", "Ukraine-Krieg" etc., um nur einige Großbaustellen unserer Zeit zu benennen, in klarer und nachvollziehbarer Sprache darzulegen.

Ich denke, dass Kontrafunk hier sehr gute Beiträge leistet und leisten wird. Meine Unterstützung und Verbreitung ist sicher.

Danke und einen schönen Abend,
Georg aus NRW

bkes
Man könnte noch erwähnen, daß auch der Herrscher der zwölf dunkelsten deutschen Jahre in seinen Reden sehr häufig die "Volksgenossinnen und Volksgenossen" adressierte, auch die "Studierenden" wurden schon 1934 zum Besuch einer Universitätsfeier verpflichtet.
Normalerweise wäre ein solcher "gerechter" Sprachgebrauch durch diese Vorbilder damit für alle Zeit kontaminiert..

weintraub
Der Krieg gegen die Menschen, das Menschsein findet auf unterschiedlichen Ebenen statt. Eine Ebene ist der Genderismus, der unsere Art der Kommunikation zerstören soll.
Cantillation
@weintraub - Erschütternd, so ist es!

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