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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk Aktuell vom 30. Juni 2026

    Marcel Joppa im Gespräch mit Henning Hoffgaard, Thomas Dietz und Hans-Bernd Pilkhahn – Kontrafunk-Kommentar: Thomas Hartung

    Zunehmend erleiden Menschen mit konservativen Meinungen berufliche Konsequenzen, wie auch ein Fall beim deutschen Auslandsgeheimdienst BND zeigt. Einzelheiten berichtet der Journalist Henning Hoffgaard. In Deutschland werden Milliardensummen in die Transformation der Stahlindustrie investiert, mit verheerendem Ergebnis. Was uns erwartet, erklärt der Ingenieur und Stahlexperte Dr. Hans-Bernd Pillkahn. In Brandenburg geht das Corona-kritische „Malchower Format“ zu Ende. Pfarrer Thomas Dietz zieht Bilanz. Thomas Hartung beleuchtet in seinem Kommentar das linke Misstrauen gegenüber Klimaanlagen. 

    Interview 1

    Henning Hoffgaard: Ideologische Unterwanderung der Geheimdienste

    Interview 2

    Hans-Bernd Pillkahn: Industriezweige in Deutschland in Gefahr

    Interview 3

    Thomas Dietz: Weiter an Corona-Maßnahmen erinnern

    Kommentar

    Thomas Hartung: Klimaanlagen statt Moral

    Die Moral schmilzt zuerst. Das ist vielleicht die ehrlichste Überschrift für eine Debatte, die uns dieser Tage mit voller Wucht trifft: die Debatte über Klimaanlagen. Auf den ersten Blick wirkt das fast lächerlich. Ein Kompressor an der Fassade, ein Verdampfer an der Wand, ein Schalter, ein Luftzug, ein paar Grad weniger. Auf den zweiten dagegen erkennt man inzwischen ein ganzes Weltbild. Denn Hitze ist nicht theoretisch. Über Inflation kann man ökonomisch diskutieren, über Migration semantisch ausweichen, über Kriminalität mathematisch jonglieren. Aber eine schwitzende Seniorin im Pflegeheim oder eine Schule, die zur Heißluftfritteuse mutiert, lassen sich nicht wegmoderieren. Da hilft auch kein moralischer Vortrag darüber, dass Klimaanlagen irgendwie nach Klimaverrat riechen: „Linke appellieren bei Hitze ans schlechte Gewissen, mahnen klimaschonendes Verhalten an, warnen, dass extreme Hitzewellen in Zukunft immer zahlreicher werden“, musste jüngst die „Zeit“ feststellen. Genau das ist der Punkt, an dem linke Hitzepolitik unerquicklich wird. Natürlich braucht es langfristig Verschattung, Dämmung, Entsiegelung, bessere Gebäude, bessere Städte. Niemand bestreitet das. Aber der Grundfehler liegt darin, die sofort wirksame Hilfe misstrauisch zu beäugen, sobald sie zu direkt, zu banal, zu alltagstauglich wird. Denn der Schalter an der Wand zerstört das pädagogische Monopol und schafft praktische Souveränität.

    Ein Teil der Linken aber hat aus dem Verzicht eine Tugendreligion gemacht. Für die richtige Haltung darf man frieren, warten, zahlen und – jetzt eben – schwitzen. Die Bürger sollen doch bitte verstehen, dass extreme Hitzewellen in Zukunft häufiger werden und vor allem den Ernst der klimatechnischen Lage verinnerlichen: der Stromverbrauch, die Wärmeemission! Besonders unerquicklich wird das dort, wo Hitze nicht bloß lästig, sondern gefährlich wird: in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Schulen. Das Offenbacher Sana-Klinikum etwa wurde schon vor Jahren als Sauna-Klinikum beschrieben. Aber wer im Krankenhaus liegt, kann eben nicht einfach in den Keller, ins Freibad oder zum „Cooling Point“ in der Stadtmitte flitzen. Er ist der Luft im Raum ausgeliefert. Noch härter wird die Schieflage, wenn man sich klarmacht: Für Nutztiere formuliert der Staat Temperaturstandards, für Kälber etwa maximal 25 Grad im Liegebereich. Gälte für Kassenpatienten also die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, müssten Krankenhäuser klimatisiert sein. Wasserkaraffen oder Hitzeschutzpläne reichen da nicht.

    Dasselbe gilt für Schulen. Öffentliche Gebäude sind keine Gewächshäuser. Wenn Unterricht bei 32 Grad nur noch betreutes Durchhalten ist und Pflegekräfte in stickigen Stationen Kühlakkus verteilen, statt in klimatisierten Räumen zu arbeiten, dann ist das kein Schicksal, sondern Ergebnis politischer Nichtentscheidungen. Und genau an dieser Stelle wird es politisch brisant. Wenn öffentliche Gebäude überhitzen, während gleichzeitig Milliarden in symbolische Weltrettung und ferne Moralhaushalte fließen, dann entsteht beim Bürger ein sehr einfacher Eindruck: Für alles ist Geld da, nur nicht für das Naheliegende. Nicht für Krankenhäuser, nicht für Pflegeheime, nicht für Schulen. Genau daraus speist sich der Vertrauensverlust. „Wir dürfen die Klimaanlage nicht den Rechten überlassen“, hieß es prompt in der „Zeit“. Die konservative Pointe lautet deshalb nicht: Alles zubauen und nur noch klimatisieren. Vernünftige Politik verbindet Technik und Baukultur, Kühlung und Verschattung, Geräte und Stadtplanung. Aber sie verdampft die konkrete Hilfe eben nicht in endlosen Moral- oder Systemdebatten. Kühlung ist weder Sündenfall noch Heilsbringer, sondern schlicht das, was Technik in einer zivilisierten Gesellschaft sein soll: ein Mittel, reale Belastungen zu mindern.

    Die Linke aber macht aus dem schlechten Gewissen eine Regierungsform. Der Bürger soll nicht nur sicherer und gesünder leben. Er soll spüren, dass jede Erleichterung moralisch problematisch sein könnte. Heizen, fahren, fliegen, kühlen – alles steht unter Vorbehalt. Das Leben selbst wird zum Prüfstand der Haltung. Doch so lässt sich ein Gemeinwesen nicht auf Dauer führen. Politik entscheidet sich oft in den banalen Erfahrungen des Alltags. Im stickigen Krankenzimmer oder im überhitzten Klassenraum wird aus Ideologie plötzlich Körperlichkeit. Und der Körper ist ein schlechter Adressat für moralische Erziehungsprosa. Deshalb steckt in der Klimaanlage mehr politischer Sprengstoff, als ihr harmloses Äußeres vermuten lässt. Sie ist das kleine Streichholz, an dem sich ein großer Konflikt entzündet: Soll Politik zuerst die Wirklichkeit erleichtern oder zuerst die Moral bewachen? Der konservative Reflex lautet hier ganz schlicht: erleichtern. Und sommers heißt das: kühlen.