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    Dienstag, 16. Juni 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk Aktuell vom 16. Juni 2026

    Marcel Joppa im Gespräch mit Fabian Nicolay, Eva Engelken und Ronald G. Asch – Kontrafunk-Kommentar: Uwe Jochum

    Strebt Donald Trump unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit nach noch mehr Macht, oder ist seine Politik ein Segen für den Westen? Eine Analyse von Fabian Nicolay, Geschäftsführer der „Achse des Guten“. Der Europäische Gerichtshof und dessen Richter sind so mächtig wie nie zuvor, das zeigt ein aktuelles Urteil zu Migration und Asyl. Über den Fall informiert der Historiker Prof. Ronald G. Asch. Muss eine als Mann geborene Transperson als Frau bezeichnet werden, und welchen juristischen Einfluss nehmen NGOs auf dieses Thema? Die Einzelheiten erläutert Eva Engelken, Vorsitzende des Vereins Frauenheldinnen. Und Uwe Jochum kommentiert die künstliche Intelligenz, die auch in der Politik einen bemerkenswerten Einzug gehalten hat. 

    Interview 1

    Fabian Nicolay: Donald Trump als gottgleicher Retter des Westens?

    Interview 2

    Ronald G. Asch: Die große Macht des Europäischen Gerichtshofs

    Interview 3

    Eva Engelken: Juristisches Tauziehen um Transpersonen im öffentlichen Raum

    Kommentar

    Uwe Jochum: Die künstliche Intelligenz als Politikum

    Mario Voigt hält Reden, und er schreibt für Zeitungen Gastbeiträge. Beides gehört zu seinem Geschäft als Ministerpräsident von Thüringen. Um das anstehende Rede- und Textvolumen zu bewältigen, bedient sich Voigt wie jeder andere Politiker auch eines Stabes von Mitarbeitern, die die nötigen Recherchen erledigen und die Texte schreiben. Nun kam heraus, dass Voigts Assistenzschreiber in einigen Fällen Teile der Reden nicht selber schrieben, sondern ihrerseits schreiben ließen, und zwar von künstlicher Intelligenz, also von einer Maschine. Darob rauschte es im Blätterwald, die sozialen und asozialen Medien rauschten mit, und natürlich beeilten sich auch die Parteien, ihren Senf dazuzugeben. Teils kritisierte man überhaupt den Gebrauch von KI zum Zweck der politischen Rede, teils wiegelte man ab und wollte im Einsatz von KI nichts weiter als eine technische Hilfe sehen, teils brachte man die Moral in Stellung, weil Voigt oder seine Assistenten es fertiggebracht hatten, ausgerechnet die Erstellung einer Trauerrede und einer Holocaust-Gedenkrede von der KI erledigen zu lassen. Und ein Frankfurter Blatt, hinter dem einst ein kluger Kopf steckte, wollte sich nicht damit abfinden, einen Text von Voigt gedruckt zu haben, hinter dem eine Maschine stand, die Klugheit bloß simulierte. Immerhin kam von dieser Seite die bislang einzig bekannte Sanktion: Die Zeitung sperrte kurzerhand in ihrem Archiv das unter Voigts Namen laufende KI-Elaborat.

    Inzwischen hat sich zu Voigts Pech herausgestellt, dass eine Dienstanweisung des thüringischen Digitalministeriums vorsieht, dass bei ministeriellen Texten und Reden darauf hingewiesen wird, wenn diese mit Hilfe von KI erstellt worden sind. Dass Voigt und seine Assistenten diese Anweisung ignoriert haben, ist natürlich eine ganz schlechte Idee für einen Ministerpräsidenten, der mitten in einem Plagiatsverfahren steckt und seinen Doktortitel aberkannt bekam. Denn nun zeigt sich das Muster: Voigt schreibt nicht selber, sondern schreibt bloß ab oder lässt von anderen schreiben, was er selber zu schreiben hätte, aber nicht schreiben will oder kann – und auch diese anderen schreiben nicht selber, sondern lassen ihrerseits schreiben, was auch sie nicht schreiben wollen oder können. Das Muster, das sich hier zeigt, ist freilich nicht wirklich verstanden, solange man in ihm nur das wiederholte Sichtbarwerden eines Plagiators sieht. Es ist auch nicht wirklich verstanden, wenn man in ihm nur das im Plagiator eingehauste Unvermögen zu eigenem Denken und Schreiben erkennt, das in seiner Not und zu seiner Erleichterung auf KI zurückgreift. Der volle Gehalt des Musters zeigt sich vielmehr erst in einer ganz anderen Perspektive, nämlich im Rückblick auf das, was seit den Corona-Maßnahmen mit unserem Gemeinwesen geschehen ist. Es wurde hart umgebaut von einem wenigstens dem Ideal nach die Debatte und den politischen Streit pflegenden Staatswesen zu einem Anweisungssystem, das auf Widerspruch allergisch reagiert.

    Das neue Ideal besteht jetzt darin, politische Maßnahmen nicht nur alternativlos durchzusetzen, sondern die Durchsetzung als Programm von oben nach unten durchzuziehen. Zu diesem Zweck werden auf allen gesellschaftlichen Ebenen und vor allem in den Medien sprachliche Codes implementiert, die den programmgemäßen Ablauf der Maßnahmen garantieren sollen und abweichenden Code löschen. Kurzum: Das neue politische Ideal ist das der Maschine, und zum gegenwärtigen Stand der Technik heißt das: Es ist das Ideal der digitalen Maschine, die einen Input von Daten mittels eines Programms bearbeitet und das Ergebnis der Bearbeitung als Output ausgibt. In den USA sehen Vordenker und Macher wie Peter Thiel und Alex Karp die Zukunft des Westens längst in einer KI-gesteuerten wehrhaften Demokratie, in der zuletzt digitale Maschinen die Entscheidungen treffen, ohne humanoide Störung. Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, wenn die politische Rede als Rede eines Menschen an ein menschliches Publikum ersetzt wird durch eine computergenerierte Rede. Dass diese computergenerierte Rede sich zum gegenwärtigen Stand der Dinge noch an Menschen richtet, ist als Übergangsphase zu begreifen. Der nächste Schritt wird dann darin liegen, dass die KI-generierten Reden und Texte wiederum von der KI verarbeitet werden und auf dieser Basis dann Algorithmen politische Entscheidungen treffen und ihre alternativlose Durchsetzung überwachen. Damit das klappt, braucht es Politiker vom Typus Mario Voigt. Politiker, die sich selbst als politikfähige Menschen aus dem Spiel nehmen und sich ummodeln lassen zu politischen Avataren, deren Rolle und Text von amerikanischer Software generiert wird. Wenn wir das Spiel mitspielen, wird der Souverän der Zukunft KI heißen.