Kontrafunk aktuell vom 10. Februar 2026
In Italien gehen Athleten aus aller Welt bei den Olympischen Winterspielen auf Medaillenjagd, gleichzeitig wüten brutale Proteste auf den Straßen Mailands. Über die Lage berichtet der Mailänder Rechtsanwalt Alberto Tornato. Markus Vahlefeld widmet sich in seinem Kommentar dem modischen Misserfolg des deutschen Olympiateams. In Großbritannien wird es politisch eng für Premierminister Keir Starmer, auch seine Partei stellt sich gegen ihn. Die Einzelheiten kennt unsere Großbritannien-Korrespondentin Sabine Beppler-Spahl. In Thüringen soll gegen den dortigen AfD-Chef Björn Höcke nach einer Parlamentsrede erneut ermittelt werden. Was ihm vorgeworfen wird, erklärt der Staatsrechtler Ulrich Vosgerau.
Alberto Tornato: Olympia in Italien mit massiven Protesten
Sabine Beppler-Spahl: Es wird eng für Keir Starmer
Ulrich Vosgerau: Erneute Ermittlungen gegen Björn Höcke?
Markus Vahlefeld: Spott für Deutschlands Olympiateam
Meine Frau sagt immer, wenn sie mir neue Kleider oder Schuhe vorführt und ich die Stirn runzle: „Das trägt man heute so!“ Diesen Satz muss ich anerkennen und als Laie schweigen. Sie sehen, ich bin kein Modeberater, glaube aber, Stil, vor allem guten Stil, zu erkennen, wenn er sich denn zeigt. Und das führt mich zu den Outfits, die die deutschen Athleten bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo tragen mussten. Ob man es heute so trägt, vermag ich also nicht zu sagen; schaue ich mir vergleichbare Outfits anderer Nationen an, würde ich eher zu der Aussage tendieren: Nein, das trägt man auch heute nicht so! Ein Poncho fast in Schwarz, der nur verschämt und bei genauem Hinsehen die weiteren deutschen Nationalfarben Gold und Rot erkennen lässt. Dazu Anglerhüte, wie man sie sich in schlechten Witzen aus den 1970er-Jahren als typisch spießig deutsch vorstellt. Wäre es nicht so kalt bei Winterspielen, nur die Sandalen mit fleischfarbenen Socken würden fehlen. Die Satirikerin Monika Gruber kommentierte den Auftritt mit den Worten: „Das kommt dabei heraus, wenn ein zugekiffter Panflötenspieler die dinkelaffine Besitzerin eines Ladens für Campingbedarf vögelt: ein Outfit, so elend wie der Zustand der BRD.“ Und so richtig Freude kam auch bei mir nicht auf, weil ich bis heute nicht verstanden habe, was ein südamerikanischer Poncho in Schwarz mit Deutschland zu tun hat, und die Frage muss natürlich erlaubt sein, ob hier nicht bereits kulturelle Aneignung im Spiel ist.
Diese Frage müsste der Erfinder der Outfits, die Firma Adidas aus Herzogenaurach, beantworten. Wie jedes von Staatsaufträgen lebende Unternehmen setzt sich auch Adidas stark für Diversität und Inklusion ein. Das Unternehmen fördert die LGBTQ+-Community und legt großen Wert auf Nachhaltigkeit. All dies sei, wie es heißt, Teil der Unternehmenswerte von Adidas. Würde Adidas Autos produzieren, hätten sie also lange schon begeistert auf E-Mobilität umgestellt. Und genau wie der deutschen Automobilindustrie ergeht es auch Adidas: Hat die Aktie vor einem Jahr auf 250 Euro gestanden, so ist sie, Stand jetzt, auf 150 Euro gefallen. Diese deutschen, politisch tingierten Unternehmenswerte finden halt selten nur auch Ausdruck im Wert eines Unternehmens. Insofern überraschen Hässlichkeit, Uninspiriertheit und Langeweile der deutschen Wintersportler-Outfits nicht. Die Abgeschmacktheit dieser sogenannten Unternehmenswerte führt halt zu einem geschlechtslosen Outfit, und das Verstecken der Nationalfarben ist ja ebenfalls schon lange deutsche Staatsräson geworden.
Dabei sind die Olympischen Spiele doch die Wiederauferstehung antiker Körperlichkeit, im Verbund mit Wettkampf und Kräftemessen. Die jungen Sportler sind muskulös, gestählt und durchtrainiert, und wer je auf der Kitzbühler Streif oder oben auf einer Skisprungschanze stand, den dürfte diese Mischung aus körperlicher Extremanforderung, Leichtsinn und Gottvertrauen schwindelig gemacht haben. Die Athleten genießen alle meine allergrößte Bewunderung. Warum deutsche Sportfunktionäre diese Körper dann in große Säcke stecken und derart jedes Potenzial der Bewunderung unterdrücken müssen, kann ich mir nur mit diesem deutschen Hang erklären, ja nichts mehr mit Stolz und Begeisterung zu machen, sondern alles nur noch gequält und verdruckst. Das Austragen des Wettkampfes gilt inzwischen als gesellschaftlich verpönt, und genau so sehen diese deutschen Outfits dann auch aus: Schwangerenmode, die die schlanken, durchtrainierten Körper verdeckt, dazu ein Anglerhut.
Ganz anders übrigens die immer modebewusste und um ihr influencermäßiges Auftreten bemühte ehemalige deutsche Außenministerin Annalena Baerbock, die es sich natürlich nicht nehmen ließ, auch in Mailand mit dabei zu sein. Weiße Mütze, weißer, gefütterter, zweiteiliger Winteranzug, dazu orange-rosa Schulterpartien. „Das trägt man heute so!“, würde meine Frau dazu sagen. Und vor diesem Hintergrund erschließt sich dann auch das merkwürdige Outfit der deutschen Sportler. Sie sollen einer Annalena Baerbock nicht die Schau stehlen. Trotzdem: Ich wünsche den Athleten nach jahrelanger Arbeit, bewundernswertem Durchhaltewillen und begeisterter Hingabe an ihren Sport alles Glück der Welt in Italien. Mögen die verantwortlichen Sportfunktionäre, die deutschen Politiker und die Adidas-Geschäftsführung auf ewig in diesen hässlichen Säcken herumlaufen müssen.
