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    Donnerstag, 16. Juli 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk Aktuell vom 16. Juli 2026

    Rommy Arndt im Gespräch mit Björn Peters, Christian Erhardt-Maciejewski und Uwe Steimle – Kontrafunk-Kommentar: Norbert Bolz

    Auf einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt ertönte die DDR-Hymne, und der ganze Saal sang mit. Angestimmt hatte sie der Kabarettist Uwe Steimle. Was ihn dazu bewog, erklärt er im Interview. Welche Auswirkungen das Reformpaket der deutschen Bundesregierung auf den Mittelstand hat, verdeutlicht Dr. Björn Peters, Physiker, Energieökonom und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Arbeitgeberverbandes. Die Zahl der Geburtskliniken in Deutschland hat sich in den letzten drei Jahrzehnten mehr als halbiert. Die Hintergründe und die Folgen für schwangere Frauen und Hebammen beleuchtet Christian Erhardt-Maciejewski, Chefredakteur der Zeitschrift „Kommunal“. In seinem Kommentar beschäftigt sich Prof. Norbert Bolz mit selbstmörderischer Empathie – eine Disziplin, in der Deutschland führend ist. 

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    Junge Freiheit – Wochenzeitung für Debatte

    Interview 1

    Uwe Steimle: DDR-Hymne auf einer AfD-Veranstaltung

    Interview 2

    Björn Peters: Reformpaket und deutscher Mittelstand

    Interview 3

    Christian Erhardt-Maciejewski: Immer weniger Geburtskliniken

    Kommentar

    Norbert Bolz: Selbstmörderische Empathie

    Stirbt der Westen an der tödlichen Krankheit Mitleid? Diese Frage steht heute hinter dem Fremdwort Empathie. Die meisten werden Empathie mit Einfühlungsvermögen oder Mitgefühl übersetzen. Der Begriff ist jetzt aber durch eine polemische Wendung aktuell geworden. Der kanadische Marketingprofessor Gad Saad und, ihm folgend, Elon Musk sprechen von selbstmörderischer Empathie in der westlichen Welt. Gemeint ist, dass wir nicht rational entscheiden können, wenn wir von Mitleid überwältigt sind. Und das hat dann fatale Folgen für unsere Migrationspolitik und unseren Umgang mit Minderheiten. Saad und Musk gehen sogar so weit, dass sie in der öffentlichen Förderung von Empathie eine politische Waffe sehen, die den Westen wehrlos macht. Ermöglicht wird das durch die Fernethik der Medien. Dafür hat der Soziologe Helmut Schelsky schon vor Jahrzehnten die gute Formel „das geborgte Elend“ geprägt. Das Fernsehen zeigt uns tagtäglich das Leid und die Katastrophen aus allen Ecken der Welt. Das bedeutet aber: Die ganze Welt geht uns jetzt etwas an. Und fast nichts können wir tun. Je unmöglicher aber ein wirklich eingreifendes Handeln ist, desto lauter ertönt das Pathos der Betroffenheit. Mitleid war ja schon immer das demokratische Gefühl schlechthin. Es geht um die Betroffenheit durch die Hilfsbedürftigkeit der Opfer. Und genau das ist die heute vorherrschende demokratische Empfindung.

    Dabei geht es allerdings weniger um Politik als um Religion, nämlich um eine Religion des Helfens und Schützens. Gerade die Leute, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie so viel Geld besitzen, wollen die Welt retten. Man denke nur an Herrn Grönemeyer und Luisa Neubauer. Sozialpsychologen wissen, dass Schuldgefühle eine unspezifische Hilfsbereitschaft erzeugen. Das wird von Menschenrechtsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen und „philanthropischen“ Milliardären wie George Soros genutzt. Vor allem die Nichtregierungsorganisationen, die in Wahrheit zumeist von staatlichen Stellen finanziert werden, haben hier eine Schlüsselstellung. Es handelt sich um eine sich selbst ermächtigende sogenannte Zivilgesellschaft, die es ermöglicht, Politik gegen die Bürger zu machen. NGOs inszenieren einen Bußkrampf des Westens und fördern eine fortschreitende Feminisierung der Öffentlichkeit, also die Emotionalisierung und Moralisierung aller politischen Fragen. Man könnte auch sagen: Christliche Gefühle haben den christlichen Glauben überlebt. Das passt dann perfekt zu einer „feministischen Außenpolitik“. Damit ist Empathie zur Unterwerfung pervertiert. Und das ist für den Westen tatsächlich selbstmörderisch.

    Doch gibt es einen ganz anderen, unsentimentalen Begriff von Empathie. Die politische Philosophin Hannah Arendt hat Empathie scharf von Mitleid unterschieden und sie durch die Fähigkeit definiert, die Perspektive eines anderen einzunehmen. Es geht also nicht um fühlen, sondern um begreifen. Nur durch diese Fähigkeit konnte der Prozess der Zivilisation beginnen. Und nur diese recht verstandene Empathie schützt uns vor dem Rückfall in die Barbarei. Recht verstandene Empathie hat also nichts mit Selbstgeißelung zu tun, sondern nur mit Selbstkritik. Die Fähigkeit zur Selbstkritik war eine der großartigsten Errungenschaften der westlichen Kultur. Aber heute ist das Bewusstsein verloren gegangen, dass es Grenzen der Selbstkritik des Westens geben muss. Der Stolz des Westens ist deshalb in einen Sündenstolz umgeschlagen. Seither leben wir in einer Kultur der Angst, der Schuldgefühle und der Selbstbestrafung. Die Perversion der Empathie hat heute schon das Niveau der Schauprozesse erreicht, wo man sich öffentlich zu Verbrechen bekennen soll, die man gar nicht begangen hat – „struktureller Rassismus“ zum Beispiel oder „toxische Männlichkeit“. Seit der Parole „refugees welcome“ hat Deutschland die Führungsrolle in Sachen selbstmörderischer Empathie übernommen. Das war und ist plakativer Altruismus, Selbstbelohnung durch übergroße Großzügigkeit. Die Gutmenschen wollten und wollen den ultimativen Reputationsgewinn: Wir sind die Weltmeister im Guten. Nach uns die Sintflut.