Kontrafunk Aktuell vom 21. Mai 2026
Weiterer Schlag für die Energiewende: Laut Medienberichten erwägen die Konzerne Total Energies und BP, aus Offshore-Windkraft-Projekten in Nord- und Ostsee auszusteigen. Über mögliche Gründe spricht der Unternehmer und Energieexperte Dr. Björn Peters. Die sächsische Ärztin Dr. Bianca Witzschel sitzt wegen des Ausstellens von Masken- und Impfunfähigkeitsattesten in der Corona-Zeit im Gefängnis. Der Journalist und Verleger Michael Hauke hat sie in der JVA Chemnitz besucht. In mehreren Orten der Niederlande gibt es teils gewalttätige Proteste gegen neue Asylbewerberheime und Zusammenstöße mit der Polizei. Über die aktuelle Stimmung in den Niederlanden informiert der Rechtsphilosoph Prof. Andreas Kinneging. Und Markus Vahlefeld widmet sich in seinem Kommentar der Verleihung des Europäischen Verdienstordens an Angela Merkel.
Björn Peters: Verlassen Ölkonzerne Offshore-Windkraft-Projekte?
Michael Hauke: Besuch bei Dr. Bianca Witzschel in der JVA
Andreas Kinneging: Anti-Asyl-Proteste in den Niederlanden
Markus Vahlefeld: Europäischer Verdienstorden für Merkel
Der Krieg um Troja währte zehn Jahre, so lassen uns die griechischen Mythen wissen. In den Dimensionen des Mythos bedeuten zehn Jahre: sehr, sehr lange. Priamos war König von Troja, und aufgrund vielfältigen Drucks trojanischer Bürger – heute würden wir sie Zivilgesellschaft nennen – entschied Priamos schließlich, das berühmte Holzpferd in die Stadt zu lassen. Damit dieses Geschenk überhaupt in die Stadt hineingerollt werden konnte, mussten die Stadtmauern aufgebrochen werden. Im Innern des Holzpferdes befanden sich die feindlichen Krieger, der Fall Trojas war besiegelt. Der Mythos um das Trojanische Pferd ist so berühmt – der Begriff hat es als Metapher sogar in die Umgangssprache geschafft –, dass seine bildhafte Anwesenheit uns Heutige dazu verleitet, seine Aktualität nicht mehr wahrnehmen zu können. Aber wir leben in mythischen Zeiten, und der Schriftsteller Nicolás Goméz Dávila notierte einmal: „Wer nicht an Mythen glaubt, glaubt an Lügen.“ Für künftige Mythenschreiber wird Angela Merkel eine ähnliche Rolle spielen wie König Priamos für Troja. Sie, also Angela Merkel, hat die Stadttore aufbrechen lassen und die Feinde unserer Kultur ins Land gelassen. Seitdem fallen wir, und das seit zehn Jahren.
Dabei war die berühmte Grenzöffnung für den Islam 2015 nicht die erste fatale Zerstörungsentscheidung Merkels. Einige Jahre zuvor hatte sie mit dem Atomausstieg die Sicherheit der Energieversorgung Deutschlands in Gefahr gebracht, weswegen die hochumstrittene Nord-Stream-2-Pipeline dringend notwendig wurde. Sie hat den festen Glauben an den Hitzetod zur Staatsräson erhoben, um einige Jahre später mit Corona schließlich für diktatorische Verhältnisse zu sorgen. Das Ausmaß an Merkels Zerstörungswerk kann man wahrlich nur in mythischen Kategorien denken. Aber Priamos kann’s nicht lassen. Am Montag saß Angela Merkel auf einem Podium der Republica und antwortete, nach Veränderungen in Deutschland unter Einbindung der AfD gefragt, wörtlich: „Ich werde alles tun, was in meiner Macht noch steht, dass das nicht passiert.“ Kam das bei den Linksaktivisten der Republica gut an, so klang es für viele andere wie eine unverhohlene Drohung. Mit der Demokratie hatte Frau Merkel schon immer ihre Probleme. Am nächsten Tag, dem Dienstag, dann erhielt Frau Merkel schließlich vom Europaparlament den erstmals verliehenen Europäischen Verdienstorden. Ans Revers geheftet hat ihn ihr die Kommissions-Präsidentin und CDU-Parteigenossin Ursula von der Leyen. Merkel erhielt den Europäischen Verdienstorden gemeinsam mit dem Präsidenten der Ukraine, Wolodimir Selenski.
Man muss sich die Verkommenheit der politischen Klasse in Europa an diesem Bild vergegenwärtigen: Die EU-Kommissions-Präsidentin, die wenige Wochen zuvor Merkels Vermächtnis des Atomausstiegs noch – wörtlich – als strategischen Fehler gegeißelt hatte, verleiht nun an ebendiese Kanzlerin, die diesen strategisch so zerstörerischen Fehler zu verantworten hat, einen Preis, und zwar gemeinsam mit dem Präsidenten, der für die Sprengung von Merkels so geliebter Ostseepipeline mutmaßlich verantwortlich ist. Man darf also getrost konstatieren, dass noch jedes Zerstörungswerk einen europäischen Verdienstorden wert ist. Der Preisverleihung unter Protest fern blieben nur einige Abgeordnete sogenannter rechter Parteien. Damit dies jedoch kein schlechtes Bild auf Merkel werfe, wurden die freien Abgeordnetenplätze flugs mit willfährigen Mitarbeitern des EU-Parlaments besetzt. Selbst zu DDR-Zeiten sei so etwas nicht nötig gewesen, so der EU-Abgeordnete Martin Sonneborn. Und das ist der mythische Unterschied zu Troja. Nachdem König Priamos seinen Fehler eingesehen hatte, fiel er schließlich im Kampf um sein Reich. Frau Merkel jedoch macht keinerlei Anstalten, ihre Fehler zu erkennen, ihre mit Stolz geschwellte und mit Preisen vollgehängte Brust schützt sie davor. Die Feinde unserer Kultur sind zwar durch die aufgebrochenen Stadttore in Massen hineingeströmt, aber unser Niedergang wird von den lange davor bestehenden Eliten wie ein großes Fest gefeiert. Daher darf man sich als letztem mythischem Hoffnungsschimmer den Worten des großartigen Satirikers Bernd Zeller anschließen, der auf die Frage „Was würden Sie Angela Merkel gerne sagen?“ antwortete: „Sie sind festgenommen!“

