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    Mittwoch, 31. Dezember 2025, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 31. Dezember 2025

    Rommy Arndt im Gespräch mit Frank Wahlig, Monika Glöcklhofer und Georg Etscheit – Kontrafunk-Kommentar: Oliver Stock

    Seit Jahrhunderten böllert der Mensch zu Silvester. Doch Klima- und Tierschützern ist diese Tradition ein Dorn im Auge. Soll das Feuerwerk zum Jahreswechsel jetzt auch noch weg? Der Journalist Georg Etscheid hält dagegen. Silvester 2015 in Köln: Hunderte Frauen wurden von arabischen und nordafrikanischen Männern bedrängt, begrapscht und in einigen Fällen auch vergewaltigt. Welche Konsequenzen gab es für die Täter? Darüber berichtet Monika Glöcklhofer vom Verein Frauenheldinnen. Der frühere Bundestagsabgeordnete Axel Fischer muss sich wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht verantworten und wird den Jahreswechsel im Gefängnis verbringen. Wie unfair dieser Prozess teilweise verläuft, erzählt unser politischer Korrespondent Frank Wahlig. Und im Kommentar des Tages widmet sich Oliver Stock dem deutschen Arbeitsmarkt am Tiefpunkt. 

    Interview 1

    Georg Etscheid: Rettet das Silvesterfeuerwerk

    Interview 2

    Monika Glöcklhofer: Zehn Jahre Kölner Silvesternacht

    Interview 3

    Frank Wahlig: Der Fall Axel Fischer

    Kommentar

    Oliver Stock: Der deutsche Arbeitsmarkt am Tiefpunkt

    Es klingt wie ein nüchterner Befund aus dem Maschinenraum der Republik, doch was Andrea Nahles beschreibt, ist mehr als eine konjunkturelle Delle. Wenn selbst die Chefin der Bundesagentur für Arbeit und ehemalige SPD-Vorsitzende sagt, der Arbeitsmarkt liege „wie ein Brett“ am Boden, dann ist das kein Jammern mehr, sondern ein Alarmsignal. Deutschland, so die bittere Diagnose dahinter, hat seine Arbeitsethik nicht verloren – aber verdünnt wie einen Espresso mit zu viel Wasser. Und die Arbeitgeber, die das zu spüren bekommen, ziehen die Konsequenz: In der sowieso angespannten Lage wollen sie diese Leute nicht mehr. Nach den aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit lag die Arbeitslosenquote im Herbst bei 6,3 Prozent – und die Anzahl der offenen Stellen ist auf rund eine Million im dritten Quartal gesunken, ein Rückgang um etwa 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies zeigt, dass die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nicht nur schwach ist, sondern im Rekordtempo fällt. Der Fachkräftemangel, über den Jahrzehnte lang alle geklagt haben, ist plötzlich verdampft wie Nebel in der Morgensonne. Noch vor drei Jahren galt der eigene Job als Lebensversicherung. Wer eine Ausbildung hatte, wer konnte, wer wollte, der hatte Arbeit und war praktisch unkündbar. Mehr als zwei Millionen offene Stellen meldeten die Unternehmen 2022. Heute ist davon nur noch die Erinnerung übrig. Die Industrie ächzt, der Mittelstand rechnet sich klein, Konzerne sparen Personal. Aber das ist nicht alles. Denn während draußen die Maschinen langsamer laufen, wird drinnen weiter debattiert: über Sinn, Selbstverwirklichung, Viertagewoche, Diversität und mentale Auszeiten. Als ließe sich Wohlstand wie ein Abo verlängern.

    Der Blick auf die nackten Zahlen wirkt wie eine kalte Dusche: 2024 – das sind die neuesten vollständigen Daten, die vorliegen – wurden in Deutschland rund 61,4 Milliarden Arbeitsstunden geleistet. Das ist weniger als im Jahr zuvor, obwohl die Zahl der Erwerbstätigen sogar leicht gestiegen war. Pro Kopf kamen im Schnitt 1036 Arbeitsstunden zusammen; im OECD-Vergleich ist das einer der niedrigsten Werte überhaupt. Nur Frankreich und Belgien liegen noch darunter, während Länder wie Tschechien oder Neuseeland auf deutlich höhere Jahresarbeitszeiten kommen. Und es sind nicht nur die Stunden, die Deutschland ausbremsen, sondern vor allem die Produktivität in dieser Zeit. Blickt man über Europa hinaus, erst recht über den Atlantik, entsteht ein ernüchterndes Bild. In den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, liegt die Arbeitsproduktivität deutlich über der deutschen: Laut den jüngsten Schätzungen gehören die Vereinigten Staaten zu den Top-Ländern, in denen pro Stunde rund 110 US-Dollar erwirtschaftet werden, in Deutschland sind es 97 US-Dollar pro Stunde. Deutschland arbeitet also nicht mehr nur weniger, sondern auch – und das ist neu – weniger effizient als andere. Weniger Stunden, mehr Output? Dieses alte Versprechen der deutschen Wissensökonomie: Wir können es nicht mehr einhalten. In Wahrheit stagniert das Produktivitätswachstum hierzulande seit Jahren, die Zuwächse liegen unter dem OECD-Durchschnitt, während Länder wie die USA klar höhere Wachstumsraten erzielen. Und wenn hohe Löhne auf schrumpfende Wertschöpfung treffen, ist das alles andere als ein funktionierendes Geschäftsmodell.

    Besonders beunruhigend ist der Blick auf die Jungen. Es sind „so wenig junge Menschen in Ausbildung wie seit 25 Jahren nicht“, sagt Andrea Nahles. Auch das ist kein statistischer Ausreißer, sondern ein kultureller Befund: Wer Wohlstand nur noch als gegebenen Zustand kennt, verliert das Gespür für seine Entstehung. Arbeit wird dann zur lästigen Unterbrechung des Lebens, nicht mehr zu dessen Grundlage. Die Rechnung folgt zeitverzögert, aber sie kommt zuverlässig. Deutschland wirkt in diesen Zahlen wie ein Land, das sich an seinen eigenen Erfolg gewöhnt hat. Wohlstandsverwahrlost ist ein hartes Wort, aber es beschreibt den Zustand treffend: hohe Ansprüche, sinkende Einsatzbereitschaft, moralische Debatten statt ökonomischer Erdung. Wir können lange über Verteilung reden, über Gerechtigkeit und Teilhabe. Doch ohne ein Mindestmaß an gemeinsamer Leistungsbereitschaft wird all das zur Kulisse. Und nun? Zum Jahreswechsel ist Trübsal auf jeden Fall die falsche Stimmung. Vielleicht liegt in der aktuellen Krise auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich auch eine Chance. Eine Chance, sich daran zu erinnern, dass Wohlstand kein Naturgesetz ist. Dass Produktivität nicht aus PowerPoint-Folien wächst, sondern aus Einsatz, Fleiß und ja: aus Erschöpfung. Und dass in einem Land, in dem weniger lange gearbeitet wird, als fast überall anderswo in Europa, und das zugleich im globalen Vergleich an Produktivität verliert, sich nicht niemand wundern darf, wenn es inzwischen weniger zu verteilen gibt. Die Frage ist nicht, ob wir zu bequem geworden sind. Die Zahlen haben das längst beantwortet. Die Frage ist, wie lange wir uns das noch leisten wollen. Oder um es mit Ludwig Erhard zu sagen: „Wohlstand für alle ist kein Geschenk, sondern das Ergebnis von Arbeit, Leistung und Verantwortung.“