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    Freitag, 6. Februar 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 6. Februar 2026

    Benjamin Gollme im Gespräch mit Manfred Haferburg, Jan Mainka und Nathan Gelbart – Kontrafunk-Kommentar: Oliver Stock

    Hoffnung für die Opposition oder nur leere Worte: Wie stark ist die Unterstützung der USA für die Demonstranten im Iran, und was ist von den heutigen bilateralen Gesprächen zu erwarten? Das besprechen wir mit dem deutsch-israelischen Rechtsanwalt Nathan Gelbart. Im Gespräch mit dem Herausgeber der „Budapester Zeitung“, Jan Mainka, geht es um das Urteil gegen Simeon T. und die Rechtsstaatlichkeit in Ungarn. Manfred Haferburg analysiert die Kernfusionspläne von Friedrich Merz, und Oliver Stock kommentiert die Milliarden-Blamage der Offshore-Windkraft in der Nordsee.

    Interview 1

    Nathan Gelbart: USA und Iran verhandeln im Oman

    Interview 2

    Jan Mainka: Ungarn, Simeon T. und der Rechtsstaat

    Interview 3

    Manfred Haferburg: Kernfusion – eine Klarstellung

    Kommentar

    Oliver Stock: EnBW-Milliarden in den Wind gesetzt

    Manchmal verstecken sich politische Wahrheiten an Orten, an denen sie niemand vermutet. Nicht auf Parteitagen. Nicht in Talkshows. Sondern in nüchternen Pflichtmitteilungen für Investoren. Dort, wo niemand Beifall klatscht, sondern nur nachrechnet. So eine Mitteilung hat der Energieversorger EnBW kürzlich verschickt. Der Konzern aus dem wahlkämpfenden Bundesland Baden-Württemberg ist nicht irgendeiner, sondern einer der größten in Europa. Mit rund 30.000 Mitarbeitern und mehr als fünf Millionen Kunden. Er hält in seiner Mitteilung eine unangenehme Nachricht parat: EnBW hat zwei große Offshore-Windprojekte in Großbritannien aufgegeben: „Mona“ und „Morgan“ heißen die beiden Windkraftfelder im Meer vor der britischen Küste. Der Preis dieses Rückzugs: eine Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro im Jahresabschluss 2025. „Nicht zahlungswirksam“, schreibt EnBW beruhigend dazu. Das klingt, als hätte man nur einen schlechten Traum gehabt. Tatsächlich ist es eher so, als würde ein Möbelpacker eine ganze Milliarde aus der Bilanz tragen und noch höflich winken. Das Geld ist weg. Und mit ihm ein zentrales Versprechen der Energiewende: Nämlich, dass sich Offshore-Windkraft inzwischen selbst trägt.

    Das ist politisch brisant. Denn in Baden-Württemberg ist Wahlkampf. Die Grünen stellen seit Jahren den Ministerpräsidenten. Der scheidende Amtsinhaber heißt Winfried Kretschmann. Sein möglicher Nachfolger: Cem Özdemir, prominenter Fürsprecher der Energiewende. Und mitten in dieses Wahljahr platzt nun eine Milliarde Euro Realität. Besonders unangenehm wird die Sache, weil der grüne Finanzminister Danyal Bayaz im Aufsichtsrat von EnBW sitzt. Aufsicht heißt Kontrolle. Verantwortung. Mitdenken. Wer dort Platz nimmt, kann sich später nicht hinter der Kulisse verstecken, wenn es teuer wird. Die Grünen haben also nicht nur ein wirtschaftliches, sondern ein politisches Problem. Was ist passiert? „Mona“ und „Morgan“ sollten große Offshore-Windparks in der Irischen See werden. Drei Gigawatt Leistung. Wenn der Wind weht, wäre das Strom für mehr als zwei Millionen Haushalte. Genehmigungen lagen vor. Partner waren an Bord. Doch gebaut wurde nichts. Kein Fundament, kein Rotor, kein Kabel. Der Stecker wurde gezogen, bevor der erste Spaten in den Meeresgrund gestochen war.

    Der Grund klingt technisch, ist aber entscheidend. In Großbritannien gibt es sogenannte Contracts for Difference. Das sind staatliche Verträge, die garantieren, dass der erzeugte Strom zu festen Preisen abgenommen wird. Fällt der Marktpreis, springt der Staat ein. EnBW musste sich in einer Auktion um so einen Vertrag bemühen. Bleibt der Zuschlag jedoch aus, fehlt die wirtschaftliche Grundlage für das Projekt. Genau das ist passiert. „Mona“ und „Morgan“ bekamen keinen Zuschlag. Und ohne Subventionen wollte niemand mehr mitspielen. Damit wird sichtbar, was bisher niemand klar sagt: Offshore-Windkraft funktioniert nicht ohne staatliche Absicherung. Nicht vor der englischen Küste. Und auch nicht vor der deutschen. Kein einziger großer Offshore-Windpark wurde bisher ohne massive Förderung gebaut. Das Geschäftsmodell gleicht einem Flugzeug ohne Flügel: sieht cool aus, fliegt aber nicht.

    Für EnBW bedeutet das einen massiven Einschnitt. Für Baden-Württemberg ebenfalls. Denn die Eigentümer des Energiekonzerns sind keine anonymen Fonds, sondern Kommunen, Sparkassen, Landesbanken, Versicherungen – sogar kirchliche Einrichtungen. Wenn die Bilanz schwächer wird, sinken Ausschüttungen und Steuern. Damit fehlt Geld an anderer Stelle. Dann wackelt nicht die Rendite eines Hedgefonds, sondern der Haushalt einer Kommune, in dem das Geld für Schulen, Straßen oder Kindergärten steckt. Das Finanzministerium spricht jetzt, wo der Konzern sich einen schlanken Fuß gemacht hat, von einer verantwortungsvollen Entscheidung zur Begrenzung weiterer Risiken. Die Frage ist nur: Wenn der Ausstieg verantwortungsvoll war – warum galt der Einstieg jahrelang als alternativlos? Hat der grüne Finanzminister die Risiken nicht gesehen? Oder nicht sehen wollen? Mitten im Landtagswahlkampf wird der Fall EnBW damit zum Symbol: Die Energiewende wurde als moralisches Projekt verkauft, Kritik als kleingeistig abgetan. Doch auch gute Absichten heben die Gesetze der Wirtschaft und Physik nicht auf. Die fehlende Milliarde in der EnBW-Bilanz ist kein Ausrutscher. Sie ist eine Erinnerung. Daran, dass man Technik nicht wählen kann wie eine Partei. Und dass Subventionen kein Nebengeräusch sind, sondern offenbar das Fundament. Ohne sie steckt die Windkraft dauerhaft in der Flaute.