Skip to main content
Kontrafunk live hören
Kontrafunk live hören
Kontrafunk Livestream Player
die Nachrichten vom
11. Juli, 19 Uhr
die Nachrichten vom
11. Juli, 15:00 Uhr
die Nachrichten vom
11. Juli, 10:00 Uhr
    Mittwoch, 8. April 2026, 5:05 Uhr
    Mittwoch, 8. April 2026, 5:05 Uhr
    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 8. April 2026

    Im Konflikt zwischen dem Iran, den USA und Israel sorgt ein neuer Vermittlungsvorschlag aus Pakistan für Bewegung – während China auffallend zurückhaltend agiert. US-Präsident Donald Trump setzt eine Frist, die über Eskalation oder Entspannung entscheiden könnte. Einschätzungen von China-Korrespondent Jonas Greindberg. Zugleich geraten Europas Energiemärkte unter Druck: Wirtschaftsjournalist Oliver Stock analysiert, ob ausbleibende Kerosinlieferungen und steigende Preise neue Abhängigkeiten erzeugen. In St. Gallen sorgt der geplante Bau einer Großmoschee für Diskussionen. Hintergründe präsentiert Lukas Reimann, Nationalrat der SVP und Mitinitiant der Minarett-Initiative. Und Burkhard Müller-Ullrich kommentiert die Bedeutung des Mondes für die Menschheit.

    Interview 1

    Jonas Greindberg: Neuer Vermittlungsvorschlag aus Pakistan

    Interview 2

    Oliver Stock: Europas Energiemärkte unter Druck

    Interview 3

    Lukas Reimann: Geplanter Bau einer Großmoschee in St. Gallen

    Kommentar

    Burkhard Müller-Ullrich: Die Bedeutung des Mondes für die Menschheit

    Der vor dreißig Jahren verstorbene Philosoph Hans Blumenberg berichtete in seinem letzten Buch „Die Vollzähligkeit der Sterne“, dass er auf Geheiß der Universitätsverwaltung einen Forschungsmittelantrag mit einem überzeugend klingenden Titel einzureichen hatte. Daraufhin erfand er das Fachgebiet der Astronoetik und schrieb, das Ziel sei: „Erforschung der Rückseite des Mondes durch reines Denken“. Das war natürlich ein Joke, aber der leuchtet einem aus mehreren Gründen sofort ein. Denn was ist Denken überhaupt, wenn nicht die Betrachtung und Erforschung der Rückseiten von allem? Und stellt nicht der Mond, weil er uns seine Rückseite nie zeigt, eine ganz besondere Herausforderung dar? Der Mond ist das Symbol der Reflexion schlechthin. Er reflektiert nicht nur das Sonnenlicht, er fördert jede Art des Nachdenkens. Stark und geheimnisvoll wirken seine Kräfte auf das Meer, die Frauen und die Dichter. Auch Werwölfe sollen seinem Einfluss unterliegen. Der Mond gehört zur Nacht und schon deswegen zur Philosophie, denn wie Hegel sagte, beginnt die Eule der Minerva erst mit der Dämmerung ihren Flug. Übrigens sieht der Mond am Himmel nicht nur aus wie ein Kopf, er hat sogar dieselbe Farbe wie Gehirnmasse. 

    Und während die Sonne uns den Tagestakt schlägt, bewegt sich der Mond wie ein beschwipster Tänzer durchs All. Seine Erdumrundungen fallen immer anders aus, im Durchschnitt dauern sie zwar 29,53 Tage, aber die Schwankungsbreite beträgt einen halben Tag. Der Mond hat offenbar auch eine Macke. Das bringt ihn uns so nahe – viel näher als den anderen Himmelskörper, der ebenfalls mit M anfängt und vier Buchstaben hat. Vom Mars ist zwar in letzter Zeit verstärkt die Rede, doch dadurch ist uns der Mond gefühlsmäßig noch näher gerückt. Die Rede ist allerdings auch davon, dass die Mondlandung vor 57 Jahren gar nicht stattgefunden habe, sondern in einem geheimen Filmstudio auf der Erde gefakt worden sei. Derlei Zweifel bekamen vor zwanzig Jahren neue Nahrung, als die Nasa zugeben musste, dass die Magnetbänder mit den Originalaufnahmen verschwunden sind, versehentlich gelöscht, wie es hieß. Doch was in manchen Kreisen als Beweis für die Verschwörungstheorie galt und gilt, widerlegt sie in Wirklichkeit endgültig. 

    Denn eine so teure Trickfilmproduktion würde niemand aus den Augen lassen; die käme mit Sicherheit nicht einfach abhanden. Wenn es aber etwas gibt auf dieser Welt, das als Garantie und Siegel für Wahrhaftigkeit und Authentizität gelten darf, dann ist es Schlamperei. Schlamperei ist immer noch das verlässlichste Zeichen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Die Menschheitsgeschichte im Großen und mein Schreibtisch im Kleinen werden ständig von dieser Furie des Verschwindens, vom Sturm der Entropie heimgesucht. Verschwundene Akten, vor allem wenn es sich um besonders wesentliche handelt, sind der Normalfall in Archiven, bei Behörden und in sämtlichen Büros der Erde. Man kann den Verlust von Dokumenten deshalb als die stärkstmögliche Bestätigung, dass sie nicht manipuliert wurden, betrachten. Das lehrt die praktische Verwaltungsvernunft, in deren Geltungsbereich offenbar auch der Mond fällt. Bei anderen Himmelskörpern lässt sich darüber noch keine Aussage treffen. Denn die Wissenschaftler interessieren sich bloß für den Wasser- oder Methangehalt von Planeten, Monden und Kometen. Dabei ist die entscheidende Frage doch die: Herrscht auch anderswo im All solch eine Unordnung wie bei uns? Die alten Griechen nannten den Weltraum „Kosmos“, weil sie ihn als wunderbar geordnet empfanden. Wir Heutigen sehen das anders und haben im Kosmos die Chaostheorie gefunden. 

    Übrigens haben Wissenschaftler vor einiger Zeit festgestellt, dass der Mond kleiner wird. Gemeint war nicht, dass er abnimmt und dann wieder zunimmt, was ja wie so vieles nur auf Einbildung und optischer Täuschung beruht – wobei die moderne Physik ja auch lehrt, dass alle Tatsachen erst durch Beobachtung geschaffen werden. Groß ist nur, was uns groß vorkommt – und umgekehrt: Entspricht es nicht unserer Erfahrung, dass mit der Zeit alles kleiner wird, weil wir größer werden? Nein, es ist eine wissenschaftliche Tatsache, dass der Monddurchmesser im Lauf der letzten paar Hundert Millionen Jahre um hundert Meter abgenommen hat. Die Ursache dafür soll Abkühlung sein. Und klar ist, dass, wenn das Schrumpfen weitergeht, von unserem Erdtrabanten irgendwann nicht mehr viel übrigbleibt. Deshalb tun die Beteiligten gut daran, sich mit der Monderkundung zu beeilen. Zur Dialektik der Raumfahrt gehört aber auch, die Möglichkeit des Scheiterns mitzubedenken. Die Spur dieser negativen Dialektik hat sich in Form eines kleinen schrecklichen Textes erhalten, den Richard Nixons damaliger Redenschreiber William Safire für den Fall vorbereitet hatte, dass die Astronauten der Apollo-11 bei ihrer Mission umgekommen wären. Während Armstrong und Aldrin auf der Vorderseite des Mondes herumspazierten, war Safire als Denker gewissermaßen auf der Rückseite zugange.