Kontrafunk aktuell vom 2. April 2026
Vier Jahre nach den Ereignissen von Butscha beleuchtet der Journalist Dirk Pohlmann die anhaltenden Kontroversen um Deutung und Aufarbeitung. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Fall des sanktionierten Journalisten Hüseyin Dogru, bei dem inzwischen auch Maßnahmen gegen seine Familie für Kritik sorgen. Der Jurist Prof. Darius Schindler erläutert die rechtliche Dimension. Dr. Christian Zeller vom Bündnis Redefreiheit stellt die geplante „Berliner Erklärung“ vor, die eine Neubewertung der Meinungsfreiheit fordert. Abgerundet wird die Sendung durch einen Kommentar von Markus Vahlefeld über absurde Auswüchse bürokratischer Realität.
Dirk Pohlmann: Vier Jahre Butscha
Darius Schindler: Sippenhaft bei Sanktionen
Christian Zeller: Berliner Erklärung
Markus Vahlefeld: Schilda – wie aus Fiktion Wirklichkeit wird
Schilda ist ein fiktiver Ort, in dem die Schildbürger wohnen. Einstmals bekannt für ihren Einfallsreichtum, wurden sie in die weite Welt entführt, um Fürsten und Königen als Ratgeber zu dienen. Schließlich ersannen die Schildbürger, sich dumm zu stellen, um endlich ihre Ruhe zu haben. So bauten sie ein Rathaus ohne Fenster und trugen das Licht in Säcken hinein. Die Erzählungen der Schildbürgerstreiche sind weltberühmt. Sie gehören zum deutschsprachigen Kulturschatz, weil sich in ihnen auf eine sehr deutsche Weise weltfremde Intelligenz mit ganz irdischer Blödheit paart. Der Bau eines Stadttores, obwohl es gar keine Stadtmauer gab, gehört ganz sicher zu den lustigsten Geschichten, deren Ähnlichkeit mit heutigen Ereignissen frappierend ist. Messerverbotszonen gab es zur Zeit Schildas noch nicht. Schilda ist zwar ein fiktiver Ort, Deutschland jedoch ganz real. Die weltfremde Intelligenz der Deutschen drückt sich oftmals in einer Vielzahl von sehr komplizierten Gesetzen aus. Die werden dann irgendwann so unübersichtlich, dass sie nicht zu mehr Sicherheit und Klarheit führen, sondern der irdischen Willkür Tür und Tor öffnen. Wenn Staat und Behörden etwas verhindern wollen, geben sie einfach ein Brandschutzgutachten in Auftrag. Das kann dann jede unliebsame Veranstaltung einer Oppositionspartei verhindern helfen oder sogar den Moscheebau zu Köln um Jahre verzögern.
So traf es vor kurzem in der gar nicht fiktiven Stadt Frankfurt die Theobald-Ziegler-Schule, deren Schulgeländer nach penibler Abmessung durch das Amt für Bau und Immobilien genau sieben Zentimeter unterhalb der DIN-Norm blieb. Sieben Zentimeter, die in dem hundert Jahre alten Schulgebäude jahrzehntelang niemandem aufgefallen waren und ergo niemanden gestört hatten. Passiert ist in all den Jahren ebenfalls nichts. Nun aber muss ein Sicherheitsdienst den Treppenaufgang der Schüler bewachen, was mit irgendetwas um 3000 Euro pro Tag zu Buche schlägt. Vor allem aber ist das Amt für Bau und Immobilien nun dazu übergegangen, jede Schule, in der noch nichts passiert ist, zu vermessen. Schilda lässt grüßen. Waren es in Frankfurt noch sieben Zentimeter, so hat die Stadt Rheda-Wiedenbrück sogar die Acht-Zentimeter-Latte gerissen. Dort war letztes Jahr das Schwimmbecken vermessen worden, und das Becken unterhalb des Dreimeterturms war nicht tief genug, und zwar um acht Zentimeter. Auch das war jahrelang niemandem aufgefallen, bis die Vertreter von Schilda mit Maßband und Gesetzesbuch anrückten. Schließung des Dreimeterturms stand genauso zur Debatte wie das Ausbaggern des Schwimmbeckens. Die Rheda-Wiedenbrücker wollten sich das nicht gefallen lassen, und so sprangen tausend von ihnen hintereinander vom Dreimeterturm, um zu beweisen, dass nichts passierte. Der Bürgermeister von Schilda – nein, von Rheda-Wiedenbrück – gab daraufhin den Dreimeterturm in Eigenverantwortung wieder frei.
Auch der kleine vogtländische Bahnhof Zwotental erlang traurige Berühmtheit, weil die Deutsche Bahn den Bahnsteig 2 des mehr als hundert Jahre alten Bahnhofs gesperrt hatte. Natürlich aus Sicherheitsgründen, der Bahnsteig sei zu schmal. Das war zwar auch niemandem in den vergangenen hundert Jahren aufgefallen, aber seit die Ingenieure aus Schilda nicht mehr Licht in Säcken ins Rathaus tragen müssen, haben sie halt Zeit zum Messen. Der kleine Regionalzug fuhr also ohne Stopp durch Zwotental, hielt dann am nächsten Bahnhof, wo die Zwotentaler dann eine Stunde warten mussten, um die Bahn zurück zu nehmen, die am Bahnsteig 1 noch halten durfte. Bekannt wurde Zwotental als der umständlichste Bahnhof Schildas. All diese Beispiele haben eine lustige und zipfelmützige Seite, auch wenn die Verkomplizierung des Alltagslebens ganz offensichtlich Aufgabe von Schildas Ingenieuren geworden ist. Nun reden alle übers Sparen und „den Gürtel enger schnallen“, und da hört der Spaß leider auch auf. Denn natürlich sind all diese Beispiele auch Sinnbild für die eklatante Verschwendung von Geld und Ressourcen. Und da haben wir über den Fall einer 14-jährigen islamistischen Gefährderin aus Paderborn noch gar nicht gesprochen, die enorme Kosten verursacht, da sie rund um die Uhr von zahlreichen Einsatzkräften bewacht werden muss. Wegen Strafunmündigkeit könne man sie nicht wegsperren, heißt es. Oder der Fall von Huso B., einem bosnischen Asylbewerber, der bereits seit 2003 ausreisepflichtig ist, seitdem aber lieber mehr als hundert Straftaten beging und gar nicht erst abgeschoben wurde. Nun hat er insgesamt acht Kinder gezeugt, und während seine Strafakte kontinuierlich weiterwächst, kassiert er 7000 Euro monatlich als Stütze. Mehr als 400 Jahre ist das Buch über die Schildbürger bereits alt. Es hat sich wenig geändert seitdem, nur dass Schildas Politiker heute viel enormere Summen zum Verprassen haben und niemand mehr die skurrilsten ihrer Einfälle aufschreibt. Hiermit ist der Chronistenpflicht zumindest ansatzweise Rechnung getragen.

