Kontrafunk aktuell vom 13. März 2026
Der Krieg im Iran treibt den Ölpreis nach oben – mehrere Staaten greifen bereits auf strategische Reserven zurück. Die Folgen für Energiemarkt und Weltwirtschaft analysiert der Energiemarktexperte Johannes Benigni. Auch geopolitisch hat der Konflikt weitreichende Folgen. Für China spielt der Iran eine wichtige Rolle im Projekt Neue Seidenstraße. Jonas Greindberg erklärt, welche Interessen China verfolgt und welche Risiken der Krieg birgt. Mädchen eines Berliner Jugendzentrums berichten von sexuellen Übergriffen, doch die Vorwürfe wurden offenbar zunächst nicht an die Polizei weitergegeben. Hintergründe darüber sowie über den neuen Berliner Gedenktag gegen Islamfeindlichkeit kennt die Juristin und Imamin Seyran Ates. Und Cora Stephan kommentiert die plötzliche Einsichtsfähigkeit in Berlin und Brüssel beim Thema Kernenergie.
Johannes Benigni: Ölpreis, strategische Ölreserven und Folgen des Iran-Kriegs für den Energiemarkt
Jonas Greindberg: Chinas Interessen im Iran und die geopolitischen Folgen für die Neue Seidenstraße
Seyran Ates: Missbrauch in einem Berliner Jugendzentrum und Gedenktag gegen Islamfeindlichkeit
Cora Stephan: „Atomkraft, nein danke“ – wie der Gründungsmythos der Grünen zerfällt
Jetzt geht es den Grünen an den Kragen! Jedenfalls ihrem Gründungsmythos: Atomkraft, nein danke. Denn plötzlich haben Friedrich Merz und Ursula von der Leyen entdeckt, dass der Ausstieg aus der Atomkraft ein schwerer strategischer Fehler gewesen sei. Potzblitz! Wir wissen das zwar schon länger, aber Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung, auch wenn es in diesem Fall glatt fünfzehn Jahre gedauert hat, bis der Groschen fiel. Unsere Nachbarn, die uns mit ihrem Atomstrom versorgen, wissen das auch. Und man muss noch nicht einmal rechnen können, um zu begreifen, dass noch so viele Windmühlen unseren Energiebedarf nicht decken, sofern kein Wind weht. Die sogenannte Energiewende basiert auf Ideologie und Propaganda, und der Abriss von völlig funktionsfähigen AKW bedeutet eine immense Verschleuderung deutschen Wohlstands. Die späte Einsicht von Merz und von der Leyen ist nicht nur ein ausgestreckter Zeigefinger in Richtung Angela Merkel, sondern tangiert den Gründungsmythos der Grünen. Denn so begann das alles: mit dem Widerstand der Landbevölkerung gegen ein geplantes Atomkraftwerk bei Wyhl. Das befeuerte Mitte der 1970er-Jahre die Anti-Atomkraft-Bewegung, was wiederum den Grünen einen mächtigen Schub gab.
Allein das Wort „Atom“ löst bei vielen Menschen Panik aus. Diese Angst hat den Grünen Flügel verliehen. Noch heute ist man dort stolz auf den deutschen Sonderweg. Dass sie jetzt toben, ist verständlich. Aber haben sie etwas zu befürchten? Die Wiederbelebung der etwa 37 Atomkraftwerke, die sechzig Jahre lang zuverlässig und sicher Strom lieferten, dürfte schwierig bis unmöglich sein, auch wenn der Abriss unterschiedlich weit fortgeschritten ist. Und im Grunde hat auch Merz nicht die Absicht, strategische Fehler auszubügeln. Die Vorgängerregierungen hätten beschlossen, aus der Kernkraft auszusteigen. Er bedaure das, aber: „Der Beschluss ist irreversibel.“ Was schlicht und ergreifend Quatsch ist. Alle politischen Entscheidungen können rückgängig gemacht werden. Diese Aussage ist eines Bettvorlegers würdig, nicht eines Kanzlers. Und in einer Sendung von Caren Miosga sagte Merz im April 2025 auf die Frage, warum die Option Kernkraft zwar bei der CDU im Parteiprogramm stehe, aber nicht im Koalitionsvertrag: „Die SPD wollte das nicht, das haben wir zu akzeptieren gehabt.“ Ohnmacht als Staatsräson?
Was Friedrich Merz selbst zu bieten hat, ist entweder unpraktikabel oder utopisch. Setzt er ernstlich auf diese kleinen modularen Reaktoren, die sich jeder in den Garten stellen kann? Das Bundesamt meldet sauertöpfisch: Anstelle von circa 400 Reaktoren mit großer Leistung müsste man tausend bis zehntausend dieser Mikroreaktoren einsetzen. Nein, Merz greift gleich zu den Sternen. Wir wollen Vorreiter bei der Kernfusion werden, sagte er beim Nordsee-Gipfel im Januar. Er möchte, „dass Deutschland den ersten Fusionsreaktor der Welt ans Netz nimmt“. Das klingt wirklich zu schön! Fusion heißt, dass zwei leichte Atomkerne zu einem schweren verschmelzen. Dieser Verschmelzungsprozess setzt enorme Energiemengen frei. Eine unerschöpfliche, klimaneutrale und weltweit rund um die Uhr aktive Energiequelle! Der heilige Gral! Großartig. Der Haken ist nur, dass Kernfusion noch nicht einmal Zukunftsmusik ist. Die Fortschritte sind weniger als mäßig. Nein, die Grünen müssen sich keine Sorgen machen. Deutsche Politiker wie Friedrich Merz sagen mal so und mal so. Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.
