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    Montag, 16. März 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 16. März 2026

    Stefan Millius im Gespräch mit Wolfgang Epple, Ulrich Gräber und Günther Greindl – Kontrafunk-Kommentar: Markus Vahlefeld

    Welche Rolle spielt Russland im Iran-Krieg, und warum erschöpft sie sich in Verlautbarungen statt in militärischem Einsatz? Die Analyse dazu gibt es von Günther Greindl, General im Ruhestand des österreichischen Bundesheers. Was genau ist an der Atomkraft in Deutschland „irreversibel“, wie es der Bundeskanzler behauptet? Wir stellen die These auf den Prüfstand mit dem Maschinenbauingenieur und Kernkraftkenner Ulrich Gräber. Die Windkraft ist kein mächtiges Instrument der Energiewende, dafür verschandeln die zu ihrer Erzeugung notwendigen Anlagen die Landschaft: Das sagt der Biologe und Naturschützer Wolfgang Epple. Und im Kommentar blickt Markus Vahlefeld auf das Vermächtnis des verstorbenen Jürgen Habermas.

    Interview 1

    Günther Greindl: Russlands schwierige Rolle im Iran-Krieg

    Interview 2

    Ulrich Gräber: Nichts an der Atomkraft ist „irreversibel“

    Interview 3

    Wolfgang Epple: Die Windkraft verschandelt Deutschland

    Kommentar

    Markus Vahlefeld: Jürgen Habermas, Vater der sogenannten Zivilgesellschaft

    „Weltmacht Habermas“ titelte die „Zeit“ zu dessen 80. Geburtstag, das war 2009. Die Überschrift mag übertrieben klingen, bringt aber doch auf den Punkt, warum Habermas in linksliberalen Kreisen so angesehen war: Nicht mehr deutsche Panzer rollen durch die Welt, sondern die deutsche Hochmoral, die sie so eng mit Habermas verbanden und gerne zu einer Weltmacht stilisierten. Jürgen Habermas wurde 1929 in eine evangelische Theologenfamilie aus Düsseldorf geboren. Sein Vater trat bereits 1933 der NSDAP bei, und Jürgen Habermas selbst war bis 1945 eifriger Jungvolkführer. Das wendete sich selbstredend nach Kriegsende, und diese Wendung ist typisch für die dann folgende Entwicklung der deutschen Hochmoral, speiste sie sich doch so oft aus biografischen Verfehlungen, die man dann allen Deutschen zur Last legte. Das war auch bei Jürgen Habermas nicht anders. Die postnationale Identität Deutschlands wurde sein Steckenpferd und damit passte er nur zu gut in die westdeutsche Herrschaftselite, die für Nation, Volk und Vaterland irgendwann nur noch Verachtung übrighatte. Drei Vermächtnisse bleiben von Jürgen Habermas, der nie nur Philosoph sein wollte, sondern immer auch Soziologe, Sprachwissenschaftler oder Staatstheoretiker. Seine Vermächtnisse sind demnach auch wenig philosophisch: Da ist zum einen die bereits erwähnte postnationale Identität, die ihn ein Leben lang begleitete und schließlich zur Verklärung der EU als höherstufiges politisches Gemeinwesen verleitete. Der geflügelte Satz, dass, wer von sich behauptet, Europäer zu sein, meist ein Deutscher ist, gilt auch für Jürgen Habermas.

    Zum anderen ist da seine Kommunikationstheorie, die den Sozialismus/Marxismus der Frankfurter Schule in ein akademisches Sprachkollektiv überführte und damit den Korridor individuellen Sprechens, wenn nicht abschaffte, so doch erheblich einzuengen trachtete. So wurde Habermas – und hier kann man mit allem Recht sagen, dass der Weltgeist Humor besitzt – trotz oder wegen einer Krankheit, die ihm flüssiges und klares Sprechen verunmöglichte, zum Begründer einer Sprachwissenschaft, die das Nuscheln des Kollektivs idealisierte und zum ohrenbetäubenden Lärm anschwellen ließ. Und schließlich war Jürgen Habermas auch der theoretische Schöpfer und Ausgestalter dessen, was wir heute die Zivilgesellschaft nennen. In ihr vollendet sich seine Kommunikationstheorie als neue Herrschaftsform, die individuelles Sprechen nur noch als bourgeoisen Akt verstehen kann. Damit wurde Habermas zum theoretischen Tonsetzer dessen, was von vielen heute als Einengung des Meinungskorridors durch eine akademisierte Zivilgesellschaft beklagt wird. So nimmt es nicht wunder, dass Habermas in einer seiner letzten Einlassungen im September 2021, diesmal zu den Corona-Maßnahmen, ernsthaft bedauert, dass die Notstandsgesetze nur für den Kriegsfall Gültigkeit hätten und nicht für Pandemien. Die einmütige Kommunikation dieser Zivilgesellschaft von „Spiegel“ und „Zeit“ bis zu ARD und ZDF war für Habermas das Herrschende, das er als Denker nur noch zur Norm erklären musste. Wirklichkeit gab es bei Habermas immer nur in Form von Machtausübung.

    Habermas selbst war an vielen akademischen Grabenkriegen beteiligt, ohne sich je die Finger allzu schmutzig gemacht zu haben. Sein Argument war redundant: Die Tür zu einem neuen Faschismus müsse verschlossen bleiben. Den Begriff Cancel-Culture gab es zwar noch nicht, aber dessen Gesetze wusste Habermas gewieft anzuwenden und nahm damit vorweg, was die heutige Zivilgesellschaft so eindrücklich beherrscht. Der Philosoph Arnold Gehlen wurde Ende der 1950er-Jahre nicht Professor in Heidelberg, weil Habermas half, gegen ihn zu intervenieren. Der Historikerstreit um Ernst Nolte 1986, der schließlich zum Ende von insgesamt vier Historikerkarrieren führte, geht ebenfalls auf Habermas zurück. Und schließlich versuchte er auch, den Karlsruher Philosophen Peter Sloterdijk sauber über Kimme und Korn mit dem Anwurf des Faschismus zu erlegen. Aber Sloterdijk biss zurück, deckte die Habermaschen Netzwerke in den Universitäten und Medien auf und nannte ihn schließlich „die Fatwa vom Starnberger See“. Dort ist Jürgen Habermas am 14. März 2026 gestorben. „De mortuis nil nisi bene“: „Über die Toten rede man nichts außer Gutem“ gilt auch für Habermas. Ruhe er in Frieden dort, wo er weniger Schaden anrichten kann als hernieden.