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    Mittwoch, 18. Februar 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 18. Februar 2026

    Gernot Danowski im Gespräch mit Peter Welchering, Richard Drexl und Axel Göhring – Kontrafunk-Kommentar: Thomas Hartung

    Während Dunja Hayali im ZDF-„Heute-Journal“ vor Fake-Inhalten warnte, wurden offenbar KI-generierte Sequenzen gezeigt. Im Gespräch über Hintergründe und Folgen für die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist der Journalist Peter Welchering zu Gast. Deutschland und die USA gehen unterschiedliche Wege in der Klimapolitik. Welche Folgen das für die Wirtschaft und die Politik beider Länder hat, erläutert Dr. Axel Robert Göhring, Molekularbiologe und Mitarbeiter des Europäischen Instituts für Klima und Energie. Beim Manöver „Hedgehog 2025“ wurden Nato-Einheiten von einer Handvoll ukrainischer Soldaten vorgeführt. Dazu äußert sich Richard Drexl, Oberst a. D. und langjähriger Vorsitzender des Bayerischen Soldatenbundes. Und Thomas Hartung kommentiert die Klimaangst der Deutschen, zu der jetzt noch die Angst vor US-Grenzbeamten kommt. 

    Interview 1

    Peter Welchering: Die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

    Interview 2

    Dr. Axel Robert Göhring: Die Klimapolitik in Deutschland und in den USA

    Interview 3

    Richard Drexl: Das Manöver „Hedgehog 2025“

    Kommentar

    Thomas Hartung: Die Ängste der Deutschen

    Stellen Sie sich vor: eine zehnte Klasse in Ulm, die monatelang spart, plant, träumt – von einer Reise in die USA. Und dann – kommt die Absage. Nicht wegen Geld, nicht wegen Terrorwarnung, sondern: aus Angst vor der US-Einwanderungsbehörde ICE. Der Schulleiter formuliert es so: Man fürchte, Schüler, „die nicht dem Bild eines Amerikaners entsprechen“, könnten von „maskierten Männern mit Waffen“ verhaftet und in Autos gezerrt werden. Nicht ganz so martialisch, aber ähnlich liest sich die Absage der Orchesterreise der Musikschule Bietigheim-Bissingen, für die gar Stornogebühren aus dem Steuersäckl anfallen. Das ist der Punkt, an dem aus schulischer Verantwortung pädagogische Hysterie wird. Ja, es gibt in den USA gerade eine harte Auseinandersetzung um Migration. Aber daraus abzuleiten, deutsche Schülergruppen mit gültigen Pässen liefen faktisch Gefahr, wie ein Schlepperkonvoi behandelt zu werden, ist eine Überdehnung, die ins Groteske kippt. Das Auswärtige Amt warnt nicht generell vor USA-Reisen. Jedes Jahr finden Zigtausende Schüleraustausche und Studienfahrten problemlos statt.

    Die Fälle aus dem Südwesten zeigen etwas Grundsätzlicheres: Völkerverständigung ist bei uns zur Einbahnstraße geworden. Nach innen predigen Schulen gern „Weltoffenheit“, „Toleranz“, „Wir sind bunt“. Sobald aber reale Begegnungen zur „transatlantischen Freundschaft“ anstehen, mit Grenzbeamten, anderen Rechtsordnungen, auch mit Zumutungen, zieht man die Notbremse – und kleidet das in den Mantel der Fürsorge. Dahinter steckt eine doppelte Pädagogik. Im Inland heißt es: Grenzen sind schlecht, Nationalstaat ist verdächtig, Zugehörigkeit offen. „Vielfalt“ ersetzt Bürgerstatus, Recht und Ordnung sind verhandelbar. An der US-Grenze dagegen besteht ein Land auf genau dem, was es als souveräner Staat tun muss: zwischen Bürgern, Touristen, Visuminhabern und Illegalen unterscheiden, und – sein Einwanderungsrecht zuweilen hart durchsetzen. Für viele deutsche Pädagogen, die seit Jahren erzählen, Grenzen seien bloß soziale Konstrukte, ist diese amerikanische Normalität ein Schock. Statt sie zu erklären, wird sie dämonisiert: Aus Grenzbeamten werden „maskierte Männer mit Waffen“, aus Recht wird Bedrohungsfantasie. Die USA dienen als Projektionsfläche für alles, was man im eigenen Land nicht mehr aussprechen will: Nation, Grenze, Souveränität.

    So erzieht man Jugendliche nicht zur Mündigkeit, sondern zum Angstsubjekt. Wer lernt, dass schon der Anblick eines amerikanischen Uniformierten ein Grund ist, ganze Reiseprojekte abzusagen, wird später auch bei Polizei, Gerichten und Abschiebungen im eigenen Land vor allem Gefahr sehen – nicht Rechtsstaat. Gerade in der aktuellen Weltlage ist das fatal. Russland führt Krieg in Europa, China baut seine Macht in Asien aus, islamistische Regime festigen ihre Gegenwelten. In dieser Lage bleibt die westliche Allianz – bei allen Fehlern – der Raum von Rechtsstaat und bürgerlicher Freiheit. Der persönliche Kontakt mit den USA war jahrzehntelang ein Kernstück westlicher Völkerverständigung: Schüleraustausch, College-Programme, Städtepartnerschaften. Die Botschaft lautete: Um den Westen zu verstehen, muss man beide Seiten des Atlantiks kennen. Wer ausgerechnet jetzt symbolische Brücken in die USA kappt, sendet ein doppeltes Signal: nach innen, dass man die eigene Jugend vor dem Westen schützen müsse; nach außen, dass man die Westbindung selbst nur noch als Problem begreift. Und da wird ein Schüleraustausch nicht mehr eine horizonterweiternde Reise in eine befreundete Demokratie, sondern zur unverantwortlichen Risikomission in ein Sicherheitsregime.

    Die Verantwortung der Schule wäre eine andere: die Welt erklären, wie sie ist – mit ihren Brüchen, ihren Ambivalenzen. Schülern zumuten, andere Rechtsordnungen zu erleben, statt ihnen Horrorgeschichten zu erzählen. Zugleich klar benennen, wo Behörden versagen, wo Gewalt eskaliert, aber ohne daraus ein Feindbild gegen ganze Staaten zu basteln. Eine Generation, die Amerika nur noch als Netflix-Kulisse, als Nation bildungsferner Waffennarren und fremdenfeindlicher Hinterwäldler, als moralisches Problem oder gar als Sicherheitsrisiko kennenlernt, verliert den Sinn für die reale Ordnung der Welt. Völkerverständigung bedeutet in diesem Ungeist dann nicht mehr wechselseitige Anerkennung, sondern Distanzierung im Namen höherer Moral. Völkerverständigung aber lebt von Begegnung, nicht von betreutem Fürchten. Wenn deutsche Schulen USA-Reisen aus politisch aufgeladener Angst streichen, dann sagt das weniger über die Gefährlichkeit Amerikas als vielmehr über den Zustand unserer Pädagogik.