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    Dienstag, 24. Dezember 2024, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 24. Dezember 2024

    Stefan Millius im Gespräch mit Irfan Peci, Benjamin Kilchör und Raphael M. Bonelli – Kontrafunk-Kommentar: Cora Stephan

    Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg und der Täter geben immer noch Rätsel auf. Was vom angeblich anti-islamistischen Motiv zu halten ist, sagt Irfan Peci, einst radikaler Muslim und heute Aktivist gegen den politischen Islam. Streit unter dem Weihnachtsbaum: In vielen Familien gehört das zur festlichen Tradition. Der Psychiater und Neurologe Raphael Bonelli erklärt die Gründe und was sich dagegen tun lässt. Heiligabend wird fleißig gefeiert, aber die Geschichte dahinter interessiert immer weniger Leute: Der Theologe Benjamin Kilchör im Gespräch über Weihnachten in säkularen Zeiten. Im Kommentar geht Cora Stephan der Frage nach, ob die Flucht von Maria und Josef wirklich beispielhaft für eine lockere Flüchtlingspolitik sein muss.

    Interview 1

    Irfan Peci: Was trieb den Täter von Magdeburg an?

    Interview 2

    Raphael Bonelli: Wie man Weihnachten ohne Streit feiert

    Interview 3

    Benjamin Kilchör: Heiligabend in einer säkularisierten Welt

    Kommentar

    Cora Stephan: Maria und Josef, die ersten Migranten

    Es ist kein geringerer als Papst Franziskus, der beglaubigt hat, was viele Kirchengemeinden als Auftrag sehen: Wegen König Herodes hätten Josef und Maria mit Kind Jesus nach Ägypten fliehen müssen. Als „verfolgter und mutiger Migrant“ sei Josef ein Vorbild für viele Menschen mit ähnlichem Schicksal. Die Heilige Familie habe – wie unzählige Menschen heute – Haus und Heimat, Land, Freunde und Verwandte verlassen müssen. Damit ist klar, dass es Kirchenasyl geben muss für Migranten, die in Deutschland bleiben wollen. Es könnte ja ein Christuskind darunter sein. Und Despoten wie der Kindermörder Herodes sind ebenfalls unschwer zu finden. Die vom Papst wiedergegebene Geschichte macht es schier unmöglich, irgendjemandem eine Bleibe zu verwehren, und wenn es nur ein Stall wäre und das Kind in der Krippe liegen müsste. Man könnte das durchaus Instrumentalisieren nennen. 

    Von migrationsfreundlichen Stimmen wie jüngst einer Journalistin wird das Instrument ebenfalls gern bedient: Da wird selbst Jesus zum Symbol für Migration. Nun, die Bibel ist dafür eine schwierige Quelle. Lediglich Lukas und Matthäus berichten von den Umständen der Geburt Jesu – und widersprechen einander. Matthäus’ Bericht wurde etwa achtzig Jahre nach dem Tod von Jesus verfasst, der von Lukas nur wenig später. Lukas war Arzt und hatte den Anspruch, einen Tatsachenbericht zu verfassen, wobei er auch die Berichte von Augenzeugen heranzog. Bei ihm gibt es auch keine „Weisen aus dem Morgenland“ und erst recht keine Flucht nach Ägypten. Dass das Paar aus Nazareth nicht nach Bethlehem hat fliehen müssen, ist verbürgt, ein Steuerzensus war angeordnet, was kurioserweise dafür sorgte, dass Menschen quer durchs Land ziehen mussten. Die schwangere Maria legte 130 Kilometer zurück – zu Fuß. Und womöglich ist auch das Bild vom Stall und von den Tieren und dem Stroh in der Krippe ein wenig, nun ja, übertrieben. 

    Doch dieses Bild ist ein Glücksfall: Der Stall und das Kind in der Krippe – das ist ein eindrucksvolles Bild, das Mitleid erregt und die Gläubigen auffordert, den Notleidenden zu helfen. Es könnte ja, genau, ein Christuskind darunter sein. Wobei: Wenn es nach Matthäus geht, waren Eltern und Kind keineswegs arm, hatten die Weisen aus dem Morgenland doch reiche Geschenke mitgebracht. Halten wir also fest: Nach Bethlehem sind Maria und Josef nicht geflohen, aber nach Ägypten, da der üble Herodes vernommen hatte, ein Messias sei geboren worden, und er deshalb vorsorglich Kindesmord anordnete – was sich die Juden sicher nicht hätten gefallen lassen. So liest man es nur bei Matthäus. Quellen, die den Kindesmord bestätigen, hat bislang noch niemand gefunden. Bibelkundige spekulieren, Matthäus habe mit dieser Geschichte versucht, Jesus als neuen Mose darzustellen, als Retter des jüdischen Volks. Im Lukasevangelium wiederum ist von einer Flucht nach Ägypten nicht die Rede. Was stimmt also? Was bleibt von der päpstlichen Vereinnahmung für heutige Zeiten? Und was ist davon zu halten, wenn wiederum andere sagen – wie einige ägyptische Christen –, Jesus gehört zu uns, das Land am Nil ist kein fremdes Exil, sondern ist die Heimat des Messias selbst? Also, folgert ein Gelehrter: „Es ist möglich, von Gott her Frieden zu stiften zwischen Ägypten und Israel.“ Schön gedacht, obwohl auch das Instrumentalisierung ist. 

    Immer wieder heißt es bei Kirchenkritikern, Jesus sei kein Flüchtling gewesen, wie zur Weihnachtszeit immer behauptet werde, sondern ein Dissident, der gegen die Mächtigen seiner Zeit gestanden habe. Womöglich. Und vielleicht wäre er sogar Mitglied in der AfD geworden – schon aus Ärger über die Ungerechtigkeit ihrer Ausgrenzung. Jedenfalls kann man sich vorstellen, dass er gegen die Glaubensverwalter der beiden großen christlichen Kirchen ebenso getobt hätte wie einst gegen die Pharisäer. „Wehe euch, ihr Pharisäer! Denn ihr liebt es, in den Synagogen die vorderen Sitze zu bekommen und auf den Marktplätzen besonders gegrüßt zu werden.“ Alles religiöse Heuchler. Die gibt es heute in den Kirchen zu Tausenden, und man kann darauf setzen, dass er sie mit ebenso deutlichen Worten angehen würde.  Auch jene, die am Heiligabend im Jahre 2023 in der Berliner Galiläa-Kirche mit einem „queer-feministischen Krippenspiel“ lockten, für Menschen, „die vom herkömmlichen Bild der weihnachtlichen Kernfamilie ausgeschlossen sind“. Und danach eine Drag-Show. Das ist Kirche, die keiner mehr braucht.