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    Freitag, 27. Februar 2026, 5:05 Uhr
    Freitag, 27. Februar 2026, 5:05 Uhr
    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 27. Februar 2026

    Benjamin Gollme im Gespräch mit Boris Kálnoky, Andreas Kinneging und Hannes Hofbauer – Kontrafunk-Kommentar: Cora Stephan

    In der Europäischen Union landen zunehmend Publizisten und Unternehmer ohne Strafprozess auf Sanktionslisten – mit gravierenden Folgen. Wer darüber entscheidet und was das für Rechtsstaat und Meinungsfreiheit bedeutet, beantwortet der Verleger Hannes Hofbauer. Zwischen der Ukraine, Ungarn und der Slowakei verschärft sich der Streit um Energie und Pipeline-Reparaturen. Journalist Boris Kálnoky kennt die Hintergründe. Die Pläne für ein niederländisches Steuermodell, das auch unrealisierte Buchgewinne jährlich besteuert, sorgen für Kontroversen. Der niederländische Philosoph Andreas Kinneging berichtet Näheres. Und Cora Stephan kommentiert die hitzige Debatte um die Abberufung der Berlinale-Chefin.

    Interview 1

    Hannes Hofbauer: EU-Sanktionen gegen Einzelpersonen

    Interview 2

    Boris Kálnoky: Pipeline-Streit und Spannungen in Osteuropa

    Interview 3

    Andreas Kinneging: Steuerpläne in den Niederlanden

    Kommentar

    Cora Stephan: Debatte um Abberufung der Berlinale-Chefin

    Die Ablösung nach nur zwei Jahren von Tricia Tuttle als Leiterin der Berlinale wird diskutiert, ist aber nicht entschieden. Ihr Abgang hätte auch nur einen einzigen Vorteil: Er bedeutete wahrscheinlich das faktische Ende des steuergeldgeförderten Filmfestivals. Wäre das schlimm? Eher nicht. Mit Cannes und Venedig kann Berlin schon lange nicht mehr mithalten. Im Ernst: Es ist nicht einzusehen, warum sie gehen sollte. Was Tuttle vorgeworfen wird, betrifft weit eher die Mehrheit der sogenannten Filmschaffenden: mitzumachen bei unverhohlenem Hass auf Israel und die Juden. Weil das irgendwie zur Meinungsfreiheit gehört, wie der deutsche Kulturrat meint? Aber wieso muss Kunstfreiheit mit staatlicher Kunstförderung verknüpft werden? Bei der diesjährigen Preisverleihung jedenfalls schwärmte der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib, dekoriert mit Palästinenserfeudel und Palästinafahne, es werde eines Tages ein wunderbares Filmfestival in Gaza geben – und er drohte: „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.“ Schließlich seien die Deutschen Partner des „Völkermords in Gaza“. Wie freundlich von einem Mann, der nicht nur einen von Deutschland mitfinanzierten Preis annimmt, sondern sich auch sonst als Flüchtling von einem Staat alimentieren lässt, dessen Werte und Positionen er offen ablehnt. Man möchte ihm das Auswandern nahelegen.

    Zugegeben: Tricia Tuttle hatte sich zuvor nicht geniert, mit Alkhatibs Filmcrew samt Palästina-Flagge und Kufiya zu posieren. Das Problem ist nur: dass all die Solidaritätserklärungen für sie zeigen, dass Tuttle noch nicht einmal die Spitze des Eisbergs ist. In kürzester Zeit unterschrieben um die 700 Filmschaffenden einen offenen Brief, darunter Iris Berben, Nicolette Krebitz und Tom Tykwer. Dort wird moniert: „Wenn jede Kontroverse institutionelle Konsequenzen nach sich zieht, wird aus Diskurs Kontrolle.“ Richtig. Doch geht es lediglich um eine „Kontroverse“, wenn Israel des Genozids bezichtigt wird und die Fahne einer Bewegung hochgehalten wird, die die Vernichtung Israels wünscht? Müsste dann nicht auch das Zeigen der Hakenkreuzfahne als Kontroverse verniedlicht werden? Deutlicher wird ein unter anderem von Tilda Swinton und Javier Bardem unterzeichneter offener Brief an die Berlinale. Hier wird dem Festival vorgeworfen, sich an der Zensur von Künstlern zu beteiligen, die gegen den fortdauernden Genozid Israels an den Palästinensern protestieren. Und obwohl es umfassend belegt sei, dass Israel Genozid und ethnische Säuberung beabsichtige, versorge Deutschland das Land mit Waffen zur Auslöschung der Palästinenser in Gaza. 

    Hamas-Propaganda? Aber nein. Künstlerische Freiheit. Der Brief beklagt das „institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern“. Doch warum sollte man von einem Völkermord reden, den es nicht gibt und nicht gegeben hat? Funfact am Rande: Für die Blut-und-Boden-Ideologie der Palästinenser haben ausgerechnet jene Verständnis, für die „Nation“ sonst ein Schimpfwort ist. Man kennt es, und man ist es leid. Die Kulturszene ist verbohrt und fanatisch wie eh und je. Muss man diesen Sumpf auch noch staatlich fördern, statt ihn auszutrocknen? „Die Berlinale ist kein Ort für Hetze, Drohungen und Antisemitismus. Israel-Hass darf sich dort nicht austoben, schon gar nicht mit Steuergeldern finanziert“, sagt Kulturstaatsminister Weimer. Na bitte. Genau das ist die Lösung. Staatsförderung und künstlerische Freiheit passen nicht zusammen. Die Ablösung der Intendantin Tricia Tuttle aber wäre höchstens ein Bauernopfer.