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    Dienstag, 9. Juni 2026, 5:05 Uhr
    Dienstag, 9. Juni 2026, 5:05 Uhr
    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk Aktuell vom 9. Juni 2026

    Marcel Joppa im Gespräch mit Friedrich Kinzlbauer, Janina Lionello und Jonas Greindberg – Kontrafunk-Kommentar: Thomas Hartung

    In Nürnberg machen Migranten offenbar gezielt junge Mädchen drogensüchtig, um sie in eine sexuelle Abhängigkeit zu zwingen. Hintergrundinformationen hat die „Nius“-Journalistin Janina Lionello. Recherchen in Österreich legen nahe, dass steuerfinanzierte NGOs gemeinsam mit Behörden und Justiz ein Asylnetzwerk gesponnen haben. Über das Thema berichtet Dr. Friedrich Kinzlbaur, ehemaliger Asylrichter am Bundesverwaltungsgericht. Der Konflikt zwischen China und Taiwan spitzt sich weiter zu. Den Stand der Lage erläutert China-Experte Jonas Greindberg. Und Dr. Thomas Hartung kommentiert den „Hitzesommer“, der uns auch im Juni als apokalyptisch und brandgefährlich verkauft wird. 

    Interview 1

    Janina Lionello: Migranten missbrauchen junge Mädchen in Nürnberg

    Interview 2

    Friedrich Kinzlbaur: Österreichisches Netzwerk um Asylbetrug

    Interview 3

    Jonas Greindberg: China und Taiwan rasseln mit dem Säbel

    Kommentar

    Thomas Hartung: Die Farce um den Hitzesommer

    Wenn irgendwann einmal Historiker die Bundesrepublik der 2020er-Jahre beschreiben, werden sie vermutlich annehmen, Deutschland sei von einer Kombination aus Wüstensturm, Heuschreckenplage und Meteoriteneinschlag heimgesucht worden. Tatsächlich geht es um einen Sommertag im Ruhrgebiet. Im nordrhein-westfälischen Recklinghausen lädt das „Hitzeaktionsbündnis“ zum öffentlichen Aktionstag. Bürger sollen sich vor einem Einkaufszentrum versammeln, Sonnenhüte aufsetzen und gemeinsam „Ein Bett im Kornfeld“ oder „An Tagen wie diesen“ singen. So möchte man auf die gesundheitlichen Folgen steigender Temperaturen aufmerksam machen. Man muss den Organisatoren zugutehalten: Wenigstens haben sie Humor. Vielleicht sogar unbeabsichtigt. Doch genau darin liegt die Pointe unserer Zeit. Früher war der Sommer eine Jahreszeit. Heute ist er ein politisches Handlungsfeld. Früher freute man sich über Sonne. Heute wird man sensibilisiert. Früher fuhr man ins Freibad. Heute zum Hitzeaktionstag. Und irgendwo zwischen Sonnencreme und Schlager-Flashmob ist aus dem Wetter eine Weltanschauung geworden. Die Taz hat dafür sogar einen Begriff gefunden: „Sommerangst“. Allein dieses Wort verdient einen Ehrenplatz im Museum deutscher Gegenwartspsychologie. Sommerangst! Man stelle sich vor, man hätte den Menschen vor fünfzig Jahren erklärt, dass ihre Enkel eines Tages Angst vor einem sonnigen Juni entwickeln würden! 

    Doch die Sommerangst erfüllt einen wichtigen Zweck. Sie verwandelt einen normalen Zustand in ein gesellschaftliches Problem. Und gesellschaftliche Probleme benötigen bekanntlich Experten, Aktionspläne, Netzwerke, Fördermittel und Bündnisse. Deshalb gibt es heute nicht einfach warmes Wetter. Es gibt Hitzeereignisse. Es gibt Hitzeschutzkonzepte. Es gibt Hitzebeauftragte. Es gibt Hitzeaktionsbündnisse. Und wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis die erste kommunale Stabsstelle für temperaturbezogene Teilhabe eingerichtet wird. Besonders faszinierend ist dabei die deutsche Liebe zum Aktionsbündnis. Für nahezu jedes Thema existiert inzwischen eine Allianz, ein Netzwerk oder ein Forum. Demokratienetzwerke retten die Demokratie. Diversitätsbeauftragte fördern Vielfalt. Nachhaltigkeitsagenturen organisieren Nachhaltigkeit. Und nun wird der Sommer professionell begleitet. Man gewinnt den Eindruck, als könne in Deutschland kein Naturphänomen mehr ohne institutionelle Betreuung stattfinden. Die eigentliche Leistung besteht nicht darin, Probleme zu lösen, sondern sie zu bewirtschaften. Denn jede Struktur benötigt einen Zweck. Und dieser Zweck muss regelmäßig neu begründet werden. Der Sommer eignet sich dafür hervorragend. Er erscheint jedes Jahr zuverlässig wieder.

    Besonders poetisch wirkt die Liedauswahl in Recklinghausen. „Ein Bett im Kornfeld“ als Beitrag zum Hitzeschutz. Jürgen Drews hätte wahrscheinlich selbst nicht geahnt, dass sein Schlager einmal Teil kommunaler Klimapolitik werden würde. Währenddessen wird die Klimakrise regelmäßig als existenzielle Herausforderung der Menschheit beschrieben. Die Welt steht angeblich am Abgrund. Kipppunkte drohen. Ökosysteme kollabieren. Und die deutsche Antwort lautet: Mitsingen. Es hat etwas zutiefst Rührendes. Andere Zivilisationen errichteten Kathedralen. Deutschland organisiert einen Flashmob. Doch vielleicht erfüllt das Ganze eine tiefere gesellschaftliche Funktion. Der moderne Mensch hat viele traditionelle Bindungen verloren. Kirchen leeren sich. Vereine schrumpfen. Familien werden kleiner. Gemeinschaft wird seltener. Der Klimadiskurs füllt diese Leerstelle zunehmend aus. Früher gab es Bittprozessionen gegen Dürre und Unwetter. Heute gibt es Hitzeaktionstage. Früher zog man mit Gesang durch die Straßen. Heute ebenfalls. Nur dass die Liturgie inzwischen von kommunalen Bündnissen organisiert wird. Und wie jede Religion kennt auch diese ihre Heiligen, ihre Propheten und ihre Bußübungen. Statt der sieben Todsünden gibt es den CO₂-Fußabdruck. Statt der Beichte die Klimabilanz. Statt der Wallfahrt den Aktionstag.

    Natürlich kann Hitze für ältere Menschen gefährlich sein. Natürlich sollte man ausreichend trinken und den Schatten aufsuchen. Vernünftige Menschen tun das seit Jahrhunderten. Doch genau deshalb wirkt die gegenwärtige Dramatisierung so eigentümlich. Sie behandelt Erwachsene wie eine Bevölkerung, die ohne pädagogische Begleitung nicht mehr zwischen Sonne und Hitzschlag unterscheiden kann. Vielleicht ist das eigentliche Problem also gar nicht die Temperatur. Vielleicht ist es die Vorstellung, dass jeder Lebensbereich politisch betreut, erklärt und moralisch aufgeladen werden muss. Der Sommer war einmal die Jahreszeit der Leichtigkeit. Heute produziert er Aktionspläne. Und während die Bürger „An Tagen wie diesen“ anstimmen, könnte man fast nostalgisch werden. Nicht wegen des Liedes. Sondern wegen einer Zeit, in der ein Sommertag einfach nur ein Sommertag war.