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    Mittwoch, 13. Mai 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk Aktuell vom 13. Mai 2026

    Stefan Millius im Gespräch mit Eva Wahrheim, Gerd Ganteför und Pierre Heumann – Kontrafunk-Kommentar: Oliver Stock

    Die Klimapolitik basiert auf Warnungen vor einem Horrorszenario für den Planeten, aber das entsprechende Rechenmodell wurde nun als unplausibel enttarnt. Was das bedeutet, erläutert der Experimentalphysiker Gerd Ganteför. Die EU-Außenminister haben sich auf Sanktionen gegen israelische Siedler geeinigt. Unser Israel-Korrespondent Pierre Heumann schildert die Auswirkungen und Reaktionen. Die Flugbegleiterin Eva Wahrheim berichtet von ihren Erfahrungen als Ungeimpfte in der Flugbranche in der Corona-Zeit. Und Oliver Stock kommentiert die jüngsten Entwicklungen rund um das einst von Politik und Medien gefeierte Unternehmen Biontech.

    Interview 1

    Gerd Ganteför: Die Klimaapokalypse wird verschoben

    Interview 2

    Pierre Heumann: EU-Sanktionen gegen israelische Siedler

    Interview 3

    Eva Wahrheim: Erinnerungen einer Flugbegleiterin an die Corona-Zeit

    Kommentar

    Oliver Stock: Ist Biontech am Ende?

    Biontech war einmal das deutsche Wunderunternehmen. Zwei Wissenschaftler mit türkischen Wurzeln aus Mainz, Ugur Sahin und Özlem Türeci, wurden mitten in der Pandemie zu globalen Heilsfiguren erklärt: Politiker, Talkshows und Leitmedien behandelten die Firma wie eine Mischung aus Rettungsboot, Wallfahrtsort und moralischer Anstalt. Ihr mRNA-Impfstoff galt nicht nur als medizinischer Durchbruch, sondern als Eintrittskarte zurück ins Leben. Wer skeptisch war, wurde behandelt wie ein mittelalterlicher Ketzer mit Telegram-Zugang. Die Börse rastete damals beim IPO im Jahr 2019 aus. Die Aktie schoss von unter 20 Dollar auf zeitweise mehr als 450 Dollar. Biontech wurde zum Symbol eines neuen Deutschlands: digital, wissenschaftlich, überlegen. Endlich gab es nicht nur Lastenräder und Gendersternchen, sondern Weltklasse-Technologie. Doch der Kometenaufstieg hatte von Anfang an einen Haken: Die Versprechen waren größer als die Wirklichkeit. Ja, der Impfstoff wurde in Rekordzeit entwickelt. Aber gleichzeitig wurde der Öffentlichkeit ein Bild verkauft, das heute unerträglich nach Propaganda aussieht: Die Impfung sollte Ansteckungen verhindern. Sie sollte die Pandemie stoppen. Sie sollte praktisch nebenwirkungsfrei sein. Vieles davon hielt der Realität nicht stand. Spätestens mit den Virusmutationen und den Omikron-Wellen zerfiel die Erzählung vom endgültigen Schutz. Dazu kamen Tausende Meldungen über Nebenwirkungen, Herzmuskelentzündungen, neurologische Schäden und eine wachsende Zahl von Klagen mutmaßlicher Impfgeschädigter. Die Betroffenen mussten oft erleben, wie dieselben Institutionen, die zuvor moralischen Impfdruck aufgebaut hatten, ihnen gegenüber plötzlich auf Durchzug schalteten.

    Und Biontech? Das Unternehmen hat sich professionell durch die Debatte geschwiegen. Juristisch abgesichert, oft unerreichbar wie auf einer Isolierstation. Öffentlich glattpoliert. Der Konzern verdiente Milliarden, während viele Menschen bis heute um Anerkennung ihrer gesundheitlichen Schäden kämpfen. Corona hat Biontech unermesslich reich gemacht. Aber es machte die Firma auch abhängig von einer historischen Ausnahmesituation. Denn plötzlich glaubte die halbe Welt, mRNA könne praktisch alles: Krebs heilen, Infektionskrankheiten besiegen, die Medizin neu erfinden. Der Tonfall erinnerte zeitweise eher an eine Tech-Sekte als an nüchterne Wissenschaft. Und genau dort beginnt das Problem. Die groß angekündigten Krebsdurchbrüche lassen bis heute auf sich warten. Seit Jahren hört man von personalisierten Krebsimpfstoffen und einer Revolution der Onkologie. Tatsächlich laufen Studien. Tatsächlich investiert Biontech Milliarden. Aber der marktreife große Durchbruch existiert bislang nicht. Die Realität der Krebsmedizin ist komplizierter als jede Hochglanzpräsentation auf einem Pharmakongress. Der Aktienkurs erzählt diese Geschichte brutal ehrlich. Vom Pandemie-Hype ist wenig geblieben. Anleger haben begriffen, dass Biontech bislang vor allem ein gigantischer Gewinner der Corona-Jahre war und noch kein dauerhaft etablierter Pharmariese.

    Nun folgt der nächste Paukenschlag: Sahin und Türeci planen ihren Rückzug aus dem operativen Geschäft. Sie wollen sich neuen Projekten widmen. Die Börse reagiert nervös. Verständlich. Denn bei Biontech war der Mythos der Gründer fast wichtiger als das Unternehmen selbst. Wenn die Visionäre gehen, bleibt plötzlich ein Konzern übrig, der beweisen muss, dass er mehr kann als Pandemiegeschäft. Auch der schleichende Umzug der Biontech-Forschung nach Großbritannien spricht Bände. London und Cambridge bieten schnellere Genehmigungen, aggressivere Förderpolitik und vor allem eine Kultur, die wissenschaftliches Risiko feiert statt verwaltet. Deutschland dagegen produziert erst Datenschutzfolgeabschätzungen und danach vielleicht Innovation. In dieser Situation taucht jetzt plötzlich das nächste Virusnarrativ auf: Es heißt Hanta. Wieder gibt es Warnungen. Wieder Schlagzeilen. Wieder die Idee, mRNA könne die große Antwort sein. Biontech-Konkurrent Moderna arbeitet bereits an neuen Impfstoffplattformen gegen verschiedenste Viren. Biontech könnte nachziehen. Natürlich kann man das medizinisch sinnvoll finden. Man kann aber auch den Eindruck bekommen, dass die Branche dringend eine neue große Erzählung braucht, nachdem das Corona-Geschäft implodiert ist. Die Mechanik, die jetzt bei Hanta einsetzt, wirkt unheimlich vertraut: Angst, Tempo, Technologie, Milliardenfantasien. Bisher waren es genau solche Fantasien, an denen das Schicksal von Biontech hing. Das Unternehmen war über Jahre der perfekte Profiteur einer globalen Ausnahmehysterie. Doch das ist vorbei. Jetzt entscheidet sich, ob es auch die Marathonqualitäten hat, die es braucht, um eine medizinische Revolution ins Rollen zu bringen. Der Corona-Boom war der kometenhafte Aufstieg. Jetzt aber zeigt sich, ob Biontech dauerhaft ein Planet im Pharmahimmel bleibt, oder als greller Pandemiekomet verglüht.