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    Montag, 18. August 2025, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 18. August 2025

    Gernot Danowski im Gespräch mit Erich Vad, Markus Hammer und Chaim Noll – Kontrafunk-Kommentar: Roger Letsch

    Nach dem Treffen der Präsidenten Trump und Putin in Alaska sind viele Fragen noch offen. Ob wir dem Frieden nähergekommen sind und welche Hürden noch auftreten können, erörtern wir mit Brigadegeneral a. D. Erich Vad. Der CSU-Lokalpolitiker Markus Hammer soll nach 27 Jahren aus der Partei ausgeschlossen werden, weil er eine AfD-Demonstration besucht hat. In unserer Sendung berichtet Hammer über seinen Fall und verrät, warum er die Brandmauer für gefährlich hält. In Syrien muss sich die drusische Minderheit immer wieder gegen Angriffe wehren. Der deutsch-israelische Journalist und Schriftsteller Chaim Noll erläutert, warum die Drusen gerade in Syrien so gefährdet sind. Und Roger Letsch analysiert in seinem Kommentar den historischen Satz „Wir schaffen das“. 

    Interview 1

    Erich Vad: Gipfeltreffen Trump-Putin in Alaska

    Interview 2

    Markus Hammer: Parteiausschlussverfahren wegen Teilnahme an Drag-Queen-Demo

    Interview 3

    Chaim Noll: Neue Angriffe auf die Drusen in Syrien

    Kommentar

    Roger Letsch: „Wir schaffen das!“

    „Wir schaffen das“ – drei Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel und eine ganze Dekade der Konsequenzen. Gelegenheit für die Narrativmaschine ZDF, diesen drei Worten ein dokumentarisches Denkmal zu setzen, die Leute „da draußen“ zu befragen und aus deren episodischen Schilderungen ein Fazit zu ziehen. Um es vorwegzunehmen: Die Sendung krankt am selben Präzisionsmangel wie Merkels damalige Rede. Im Leben wie im ZDF verschwimmen alle Ereignisse zu einem unbestimmten Gefühl – Asyl, Flucht, Migration, alles dasselbe. Die schönen Bilder, die guten Absichten, die schlechten Ergebnisse, und am Ende steht im Zeugnis, „wir“ haben uns bemüht. Und weil sehr viele so viel Zeit, Geld und Energie in dieses Bemühen versenkt haben, fällt Selbstkritik schwer. Aber bleiben wir im Film und in der episodischen Evidenz. Denn was wir zu sehen bekommen, sind lauter nette Leute. Die Helfer sind hilfsbereit, die Migranten der ersten Stunde perfekt integriert oder doch zumindest freundlich oder reumütig. Ist „es“ doch geschafft? Im Film lernen wir Niro kennen, der uns im schönsten Fränkisch erklärt, warum er seinen Vornamen Mohammed abgelegt, sein pädagogisches Staatsexamen gemacht hat und nun Deutsch und Musik unterrichtet. Doch auch wenn er das als Ergebnis der Hilfe vieler freundlicher Menschen darstellt, wurde ihm das alles nicht wirklich geschenkt. 

    Talent und der Wille, sich anzupassen, dürften die größere Rolle gespielt haben. Menschen wie Niro waren einst Regelfall für legale Migration: selektiv, eigenverantwortlich, ohne Willkommenskomitees am Bahnhof, getrennt vom nur temporären Asyl. Für das „Wir schaffen das“ aus dem Jahr 2015 galten diese Regeln nicht. Vielleicht ist ja der freundliche Haytam aus Salzgitter mit seinem Klamottenladen repräsentativer. Er hat keine Probleme mit der deutschen Sprache, weil er sie im Alltag kaum braucht. Alles um ihn herum ist arabisiert, die Freunde, die Nachbarn, Beamte. Er kam 2015 von Syrien nach Deutschland, weil er zwei pflegebedürftige Töchter hat. Aber die arabische Kultur sei besser, und die findet er ja nun auch in Salzgitter vor. Nein, gut integriert sei er nicht, und die in seinen Augen schlechtere deutsche Kultur lächelt zurück und pflegt seine Töchter. Merkels Paladine, die ihr „Wir schaffen das“ mit Hoffnung ausschmückten und von Wirtschaftswachstum und künftigen Rentenzahlern sprachen, lagen offensichtlich falsch. Später bei Haytham zu Hause – Frau und Töchter sind nicht da, der Abend gehört traditionell den Männern – spricht ZDF-Moderatorin Sarah Tacke den Satz, der als sarkastisches Motto über der ganzen Episode stehen könnte: „Ich versteh’ kein Wort, aber es ist sehr lustig.“

    Eine verschworene Gemeinschaft hat sich da zum Kartenspiel versammelt. Man spricht Arabisch und plaudert. Man hat einander, wozu also Integration? Man kannte sich zwar früher in der Heimat nicht, doch Mahmud erklärt: Beim Sprachkurs, in der Schule, im Integrationskurs, dort haben wir uns kennengelernt. Die Umstände fördern also die Bildung von Parallelgesellschaften, statt diese durch Integration zu verhindern. Das haben wir also geschafft. Die Jubelmeldungen sind leise geworden, aber es gibt sie auch im Film noch. Etwa aus einer Dresdner Kita. Sechzehn Kinder mit sieben Muttersprachen, fünf Betreuer sitzen mit ihnen im Kreis, Zeichensprache. In der Gruppe dürfte der Turmbau zu Babel auch mit Legosteinen zum Problem werden. „Wir versuchen unseren Wortschatz stark zu reduzieren“, berichtet Kita-Leiterin Neudecker. Erzieher, Sonderpädagogen, Sprachpädagogen, Dolmetscher für die Eltern – der Personalschlüssel ist gewaltig und die Bemühungen sicher aller Ehren wert. Doch wenn die Kinder die Kita verlassen, sprechen sie dennoch kein Deutsch. Woran es fehlt? „Wir bräuchten mehr Kinder, die Deutsch sprechen“, so Neudecker. 

    Zu wenig Muttersprachler! Das Argument der Zahl ist wieder da, als Menetekel an die Wand der Realität geworfen. Doch weil die Deutschen nicht auf Bäumen wachsen, fordert man mehr Geld, das nicht da ist, mehr Unterstützung, die nicht kommt, mehr Infrastruktur, die keiner bezahlen kann. Dem „Wir schaffen das“ gehen die deutschen Muttersprachler aus – was für ein Fazit! Welches „es“ also am Ende des Schaffens steht, ist ungewiss. Was sonst noch? Der Regensburger Hauptbahnhof verzeichnet 165 Prozent mehr Kriminalität und darf sich „gefährdetes Objekt“ nennen, was der Polizei mehr Kompetenzen gibt, berichtet das ZDF. Womit wir bei den Besuchen wären, die man für den Film nicht machte. In Mannheim, Aschaffenburg oder Berlin, bei den Überlebenden der Attentate auf Weihnachtsmärkte, bei den Hinterbliebenen der Messermorde, den Traumatisierten der Massenvergewaltigungen oder Maria Ladenburgers Angehörigen. Im Frauen-Nachttaxi von Tatort zu Tatort zu doppelt gesicherten Volksfesten mit Security und Anti-Terrorpollern – das wäre mal eine „Wir schaffen das“-Doku! Der nette Niro mit seinem fränkischen Akzent hat aus heutiger Sicht recht: Sicherheit ist ein Privileg! Vor zehn Jahren war sie noch eine Gewissheit.