Kontrafunk aktuell vom 26. März 2026
Nach vier Wochen Krieg hat der Iran eine 15-Punkte-Forderung Trumps abgelehnt. Der Nahostkorrespondent Pierre Heumann erörtert, wie wahrscheinlich jetzt noch ein Waffenstillstand ist. Während die USA im Nahen Osten gebunden sind und alle Welt in den Iran blickt, könnte Russland von dieser Situation profitieren. Welche Auswirkungen der Iran-Krieg auf den ukrainischen Kriegsschauplatz haben könnte, analysiert Russland-Kenner Alexander Rahr. Über den Vorschlag der Bundesbank, die 1- und 2-Cent-Münzen abzuschaffen und Beträge stattdessen aufzurunden, berichtet Hansjörg Stützle, Initiator einer Petition für den Erhalt des Bargelds. Und die neueste Bildgewalt, die in der großen Weltpolitik von KI-generierten Bildern ausgeht, kommentiert Markus Vahlefeld.
Pierre Heumann: Waffenstillstand im Iran?
Alexander Rahr: Die Auswirkungen des Iran-Krieges auf den Ukraine-Krieg
Hansjörg Stützle: Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen
Markus Vahlefeld: Bildgewalt durch KI
Vor einigen Tagen wurde kolportiert, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sei tot. Bei einem iranischen Raketenangriff ums Leben gekommen. Für viele war diese Meldung einfach zu schön, um sie nicht zu glauben. Auf einem Video von einer Pressekonferenz entdeckten die Wahrheitssucher dann sechs Finger an Netanjahus Hand, was in Zeiten der KI der Beweis war, dass er in Wahrheit gar nicht mehr lebe. Auf Bildern, die Netanjahu Kaffee trinkend zeigen sollten, wurden dann merkwürdige Bewegungen des Kaffees in seinem Becher entdeckt, was nur ein weiterer Hinweis darauf war, dass auch dieses Filmchen gefälscht sein musste, ergo Benjamin Netanjahu wirklich tot sei. Wirklich? Es ist das Baukastenprinzip aller Geheimdienstoperationen: Verwirrung. Ein bisschen weglassen, ein bisschen offenbare Fälschung, die die vermeintliche Wahrheit überdeckt, und schon ist diese Wahrheit in Fälschung getränkt, und niemand weiß mehr, was wahr und was unwahr ist. „Der Teufel ist nicht der Töter“, schrieb der große Philosoph Arnold Gehlen, „er ist der Verleumder.“ „Er verschüttet den letzten Ausweg aus der Verzweiflung, die Erkenntnis, er stiftet das Reich der Verrücktheit, denn es ist Wahnsinn, sich in der Lüge einzurichten“, so Arnold Gehlen.
Bilder waren immer schon die Großprojekte der Lügner. Fast kein ikonisches Bild der massenmedialen Geschichte, das nicht gefälscht oder zumindest gestaged, also bewusst gestellt wurde. Das Schwarzweißfoto vom Hissen der Sowjetflagge auf dem zerstörten Berliner Reichstag 1945 wurde eine so durchschlagende Ikone, weil dem Sowjetsoldaten nachträglich eine Uhr vom Handgelenk retuschiert worden war, die er sich bei seinem Raubzug durch Berlin angeeignet hatte. Bilder zeigen nie die Welt, wie sie ist, sondern immer nur, wie bestimmte Menschen sie gerne hätten. Keine einzige Großlüge der letzten Jahre wäre ohne Bilder zustande gekommen. Die Chemnitzer Hetzjagden 2018, die von der damaligen Bundesregierung mit Freude konstruiert wurden, gingen auf ein 19-sekündiges Video der Antifa Zeckenbiss zurück. Die Correctiv-Geheimplan-Lüge aus dem Januar 2024 wurde mit verwackelten Bildern unterfüttert, die das Geheime und Gefährliche unterstreichen sollten. Und keine große Zeitung, die 2015 nicht das Bild des toten Kleinkindes Alan Kurdi am Strand von Bodrum gezeigt hätte, um endlich, endlich die Bevölkerung dafür zu emotionalisieren, die Grenzen doch sperrangelweit für jeden aufzumachen. Und auch der aktuelle Skandal, der zur Klarnamenpflicht im Internet führen soll, hat mit Bildern und ihrem Wahrheitsgehalt zu tun.
Bilder emotionalisieren und bieten den polit-medialen Eliten Gelegenheit, federstrichartig Vorhaben durchzusetzen, die sie ohne die Bilder nie hätten durchsetzen können. Auch der Corona-Irrsinn wäre ohne die Bilder von den Militärlastern in Bergamo so nie möglich gewesen. Bilder sollen die Wahrheit zeigen, in Wahrheit tun sie es nie. Und das ist einer der großen Fortschritte, seit die künstliche Intelligenz und ihre Bildprogramme so massentauglich geworden sind. Bilder haben jeden Wert verloren, sie bieten keinerlei gesicherte Erkenntnis. Die Überflutung mit falschen Bildern und Filmen, was man inzwischen Deepfake nennt, mit sechsfingrigen Politikern oder getöteten palästinensischen Babys, hat so dermaßen zugenommen, dass das Bild endlich auf ewig zu dem geworden ist, was es immer schon war: eine Lüge, ein Ausschnitt, ein interessegeleitetes Instrument der Emotionalisierung der Massen. Wer heute noch dem Wirklichkeitsgehalt von Bildern glaubt, hat nicht nur ganz naiv das Wesen des Bildes nicht verstanden, er muss es willentlich ignorieren, er muss der Fälschung Glauben schenken wollen und die Wirklichkeit aktiv ignorieren. Und dann sind wir wieder beim Teufel, zu dessen Plan es gehört, dass sich der Mensch in der Lüge einzurichten habe.
Die KI, die künstliche Intelligenz, wirft den Menschen wieder auf das zurück, was Erkenntnis allein möglich macht: den Zweifel, das Misstrauen, die Geduld. Ob Benjamin Netanjahu noch lebt, wird also die Zukunft zeigen. Vor allem: Wer jetzt das eine oder das andere glaubt oder behauptet, erfährt viel mehr über sich selbst als über die Welt. Und das ist eine sehr gute Entwicklung.

