Kontrafunk aktuell vom 27. März 2026
Im Zuge des Iran-Kriegs steigen die Energiepreise, und geopolitische Abhängigkeiten, etwa bei Gaslieferungen, verschärfen sich. Über die aktuelle Lage, historische Parallelen und mögliche Entwicklungen informiert der Ökonom Prof. Thomas Mayer. Im EU-Parlament hat sich eine neue Mehrheit für eine Verschärfung der Asylpolitik gefunden: Ausreisepflichtige Migranten sollen in sogenannte Return Hubs verbracht werden. Näheres berichtet die EU-Abgeordnete Mary Khan. Nach einem aufsehenerregenden Fall von Identitätsmissbrauch und Deepfakes gewinnt die Debatte über Klarnamenpflicht und digitale Identität neue Dynamik. Der Informatiker Prof. Harald Wehnes erläutert, ob es um notwendige Gesetzesänderungen oder den Beginn einer Kampagne gegen Anonymität im Netz geht. Und Cora Stephan beschäftigt sich im Kommentar mit der Gleichmacherei in der Schule.
Thomas Mayer: Steigende Energiepreise und die globalen Folgen des Iran-Kriegs
Mary Khan: Neue EU-Asylpolitik und Streit um „Return Hubs“
Harald Wehnes: Klarnamenpflicht und die Zukunft der Anonymität im Netz
Cora Stephan: Gleichmacherei in der Schule
Deutschland ist ein Land der Vielfalt, der Diversität, der Buntheit, also der Verschiedenheit. Das ist schön! Doch das gilt nicht überall. Zum Beispiel nicht in unseren Schulen. Dort ist die große Gleichmacherei unterwegs, alle sollen nicht nur die gleichen Chancen, sondern auch noch das gleich gute Ergebnis haben, niemand soll zurückbleiben, keiner wird zurückgelassen. Weshalb es selbst im Sport keine Wettkämpfe und keine Konkurrenz mehr geben darf. Heute heißt das „Wettbewerbe“, ganz ohne Siege, damit niemand gekränkt ist. Und damit niemand gekränkt ist, wird auch der Notendurchschnitt immer besser. Spitzenreiter ist trotz eher mittelmäßiger Schülerleistungen schon seit langer Zeit das Land Thüringen. Im Jahr 2024 hatten dort mehr als 40 Prozent aller Abiturienten auf ihren Zeugnissen eine Eins vor dem Komma. Und das eröffnet bekanntlich den Zugang zum Studium. Man kann nur hoffen, dass viele der Einserabiturienten sich vorsichtshalber bei den „Gender Studies“ anmelden, dafür muss man keine komplizierten Sachen beherrschen. Unsere Bildungsspezialisten stellen sich Kinder offenbar wie Gefäße vor, in die man Wissen hineinschüttet, woraufhin das Gleiche herauskommt, egal, ob das Kind einen Migrationsvordergrund oder eine Lernbehinderung hat. Alle sind inkludiert. Das Motto: Kinder werden nicht mit unterschiedlichen Begabungen geboren, und falls doch, so muss die Schule für den Ausgleich sorgen.
Damit ist sie überfordert. Etwa, wenn Kinder mit Migrationshintergrund ohne ausreichende Deutschkenntnisse die Klassen dominieren. Kinder lernen auch von Kindern – was vor allem für die Sprache gilt. Wenn es aber schon daran mangelt, werden die Anforderungen kontinuierlich gesenkt. Kurz: Aus dem Wunsch nach Chancengleichheit ist inzwischen der Wunsch nach Gleichheit im Ergebnis geworden. Und tatsächlich: Die Bildungsgleichheit in Deutschland hat zugenommen – es gibt mehr Gleichheit durch schlechtere Leistungen. Bildungsgleichheit wird durch eine Absenkung des Leistungsniveaus erkauft. „Je geringer das geforderte Leistungsniveau eines Schulsystems ist, desto leichter können die leistungsschwachen Schüler mithalten und desto mehr bleiben zugleich die leistungsstarken unter ihren Möglichkeiten.“ Noch mehr Gleichheit ist nur noch mit weniger Leistung im Bildungssystem möglich. Denn mehr Leistung erzeugt zwangsläufig mehr Ungleichheit. Eines der Resultate: Während 1960 gerade mal 6 Prozent eines Jahrgangs Abitur machten, sind es heute um die 50 Prozent. Doch zu viele Studenten bringen die Voraussetzungen für ein Studium nicht mit. Während das Handwerk, wo man übrigens gut verdienen kann, Nachwuchssorgen hat, müssen viele überflüssige Hochschulabsolventen beim Staat unterkriechen – als Beauftragte für dieses oder jenes. Das tut der deutschen Wirtschaft nicht gut, zumal die ausländischen Fachkräfte, die man deshalb glaubt, einladen zu müssen, meist alles andere als vom Fach sind.
In einem furiosen Essay – Titel: „Tyrannei der Gleichheit“ – zerlegen der ehemalige Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Mathias Brodkorb, und Klaus Zierer, einst Lehrer und heute Professor für Schulpädagogik, das Gleichheitscredo der Gläubigen. Skandal: Die Autoren erwähnen sogar das Wort „Gen“ – dass es eine natürliche Ungleichheit durch unterschiedliche Begabungen geben könnte, dürfte all jene alarmieren, die davon ausgehen, dass höhere Bildung jedem Kind gelingen kann. Doch weil das soziale Umfeld und die eigenen Gene Grenzen setzen, ist nicht alles, was der Mensch sich wünscht, auch möglich. Das ist die Lotterie des Lebens. Und der Hauptgewinn ist nicht das Studium.
