Kontrafunk aktuell vom 3. Oktober 2025
Heute feiern die Deutschen ihren Nationalfeiertag. Aber können die Deutschen überhaupt feiern? Haben sie Grund dazu? Über wen oder was dürfen sie sich freuen? Das diskutieren wir mit der Schriftstellerin Cora Stephan. Die liberale Muslima Seyran Ates ist ebenfalls zu Gast. Sie meint, die muslimischen Gemeinden, die zum Tag der offenen Moschee aufrufen, hätten den Tag der Deutschen Einheit gekapert. Mit Susanne Heger blicken wir auf den Shutdown und die inneren Konflikte der USA, und Markus Vahlefeld kommentiert den Fall von Jan Böhmermann.
Cora Stephan – Deutsche Legenden am Nationalfeiertag
Seyran Ates – Moscheen kapern Tag der Deutschen Einheit
Susanne Heger – Shutdown und Kriegsethos in den USA
Markus Vahlefeld – Böhmermann im Haus der Kulturen der Welt
Das Projekt „Selbstabschaffung“, das als Programm ganz offensichtlich fest in die sogenannten liberalen Demokratien eingeschrieben ist, hat seit dem merkelschen Zerstörungswerk zum Aufbau etlicher Potemkinscher Dorfattrappen geführt, an denen vorbeizufahren – und sie zu bewundern – wir alle gezwungen sind. Atomausstieg, Klimakollaps, illegale Migration, Corona – das Wissen, dass hinter den Fassaden gähnende Leere herrscht und sie nichts anderes sind als eine Aneinanderreihung Dutzender von Großlügen – dieses Wissen hat sich inzwischen herumgesprochen. Einer dieser Lügenproduzenten ist der von Hass und böswilligem Nihilismus zerfressene Jan Böhmermann. Er ist zu so etwas wie dem Sinnbild deutscher Wohlstandsverwahrlosung geworden. Dass Böhmermann von allen deutschen Großmedien zu einem Star aufgebaut wurde, gehört mit zu dem Attrappenwerk, das wir eben nicht nur zu bewundern, sondern vor allem mit Steuern und Gebührengeldern üppig zu bezahlen haben. Höhepunkt des böhmermannschen Schaffens sollte nun also eine Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin rund um den Tag der Deutschen Einheit 2025 sein. Dass die Veranstaltung zu einer peinlichen Posse wurde, hat nicht nur mit dem Schmalhannes Böhmermann zu tun, sondern vor allem damit, dass in Deutschland fast alles staatlich durchseucht ist, und man vor allem den Kunst- und Medienbetrieb fast schon korrupt nennen muss in seiner unendlichen Gier nach staatlichen Geldern. Und es flossen die letzten Jahre Milliarden in den künstlerischen Fassadenaufbau, der nichts anderes zum Ziel hatte, als die Wirklichkeit zu verfinstern.
Fast drei Jahre war die Grüne Claudia Roth als Kulturstaatsministerin der Verteilerposten für diese Gelder, und mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Betroffenheit und Rehäuglein-Überraschung brachte sie reihenweise anerkannte Kulturveranstaltungen in Verruf. Die Documenta 2023 in Kassel dürfte wohl ihr berühmtestes Abwrackprojekt gewesen sein. Und natürlich war es Claudia Roth, die nicht nur das böhmermannsche Happening ins Haus der Kulturen der Welt holte, sie hopste auch beim Eröffnungskonzert höchstselbst zum Lied „Keine Macht für niemand“ auf der Bühne herum. Dass also eine 70-jährige eher peinliche Dame aus der finanziell bestens abgesicherten herrschenden Klasse Deutschlands auf einer Bühne unter frenetischem Applaus „Keine Macht für niemand“ intonieren kann, zeigt, wie vollumfänglich die Übernahme unseres Landes durch staatlich geförderte Kunstverweser à la Claudia Roth und Jan Böhmermann gelungen ist. Inzwischen fallen die Bühnenaufbauten jedoch reihenweise um. Und das liegt auch an Israel, wofür man diesem Land allein schon deswegen dankbar sein muss. Denn Israel ist die Scheidelinie der Nihilisten. Die einen wollen aus Feigheit und Gier nach staatlichen Geldern nicht als Antisemiten gelten und passen sich mit der Faust in der Tasche der deutschen Staatsräson an, die anderen setzen ihr zivilisatorisches Zerstörungswerk einfach ungeniert fort und brüllen ihre Palästinasolidarität jedem ungefragt ins Gesicht. Und genau das wird dem Rapper Chefket unterstellt, den Böhmermann für eine Veranstaltung im Haus der Kulturen der Welt gebucht hatte, und gegen den dann der jetzige Kulturstaatsminister Wolfram Weimer intervenierte. Das Vergehen von Chefket? Er hatte ein T-Shirt getragen, das ganz Palästina ohne den Staat Israel zeigt. Das reicht der deutschen Staatsräson schon, um die Muskeln spielen zu lassen.
Böhmermann passte sich an – mit dem Chefverwalter von Steuermilliarden, Wolfram Weimer, will man es sich nicht verscherzen –, lud Chefket wieder aus, woraufhin alle anderen Künstler aus Solidarität mit Chefket oder Palästinasolidarität absagten. Nun steht das Festival mit leeren Händen da, und Böhmermann wird aus seiner eigenen Fanblase, die sich vor allem aus staatlich geförderten Links-Künstlern zusammensetzt, heftig attackiert. Die Lösung wäre dabei ganz einfach: Streicht alle Kulturgelder gnadenlos zusammen. Jetzt! Sofort! Der Staat hat in der Kultur nichts verloren. Das Geistesleben, zu dem natürlich auch die Filme, Festivals und Ausstellungen gehören, muss frei sein. Mindestens frei vom Staat. „Kein Geld für niemand“ wäre das neue „Keine Macht für niemand“, und wir alle hätten Ruhe vor den Claudia Roths, Wolfram Weimers und Jan Böhmermanns dieser Welt. Stattdessen dreht sich jetzt zwar der Wind, aber der Staat zieht sich mitnichten aus dem Kulturleben zurück. Stattdessen streicht er nur den Bühnenaufbau mit neuer Farbe. Das ist jedoch nur die Fortsetzung des Falschen und nicht die Lösung.
