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    Montag, 5. Januar 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 5. Januar 2026

    Stefan Millius im Gespräch mit Laleh Hadjimohamadvali, Ulrich Vosgerau und Alex Baur – Kontrafunk-Kommentar: David Boos

    Wie geht es in Venezuela weiter nach der spektakulären Aktion der USA, die Machthaber Nicolás Maduro und seine Frau in ihre Gewalt brachten? Südamerika-Korrespondent Alex Baur beschreibt die aktuelle Lage. Dass in Deutschland die Staatsanwälte den Weisungen der Politik unterstellt sind, gibt derzeit EU-weit zu reden. Der Staatsrechtler Ulrich Vosgerau beurteilt den deutschen Sonderfall. Im Iran wächst der Widerstand gegen das Regime der Mullahs. Ob das mehr als eine kurze Protestwelle ist, analysiert die Deutsch-Iranerin Laleh Hadjimohamadvali. Und im Kommentar beleuchtet David Boos den Zusammenhang zwischen einem zerstörten Wahrzeichen von Amsterdam und alten politischen Debatten. 

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    Der Sandwirt

    Interview 1

    Alex Baur: Wie weiter in Venezuela nach dem Coup der USA?

    Interview 2

    Ulrich Vosgerau: Die Politik als Chefetage der Justiz in Deutschland

    Interview 3

    Laleh Hadjimohamadvali: Wachsender Widerstand gegen das Regime im Iran

    Kommentar

    David Boos: Die Niederlande und die politische Dimension einer Katastrophe

    Es sollte der „letzte Tanz“ werden. Es wurde die „Nacht der Schande“. Schon seit Jahren ähneln die Silvesterfeierlichkeiten in Europas Großstädten eher einem Probelauf für den Bürgerkrieg denn einem guten Rutsch ins neue Jahr. Vorbild dafür ist Amsterdam, das selbst zu Zeiten, als Menschen andernorts noch den Donauwalzer auf offener Straße tanzten, den Jahreswechsel zünftig mit brennenden Polizeiautos einläutete. Jahr für Jahr lieferten sich schon Anfang der 2000er-Jahre Marokkaner in den Außenbezirken Amsterdams zu Silvester Straßenschlachten mit der Polizei, die es kaum noch wagte, in diese Stadtteile vorzudringen. Nach Jahren hitziger Debatten um ein nationales Feuerwerksverbot, gegen das vor allem liberale und rechte Parteien stimmten, wurde dieses dann doch endgültig durchgesetzt. 2025 sollte das letzte Jahr sein, in dem Feuerwerkskörper der Kategorie F2 frei im Handel verkauft werden sollten. Man nannte es den „letzten Tanz“. Landesweit wurden Rekordsummen für Feuerwerkskörper ausgegeben, man wollte es im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal richtig krachen lassen.

    Am Neujahrstag ist die Bilanz ernüchternd. Zwei Tote durch den Umgang mit Feuerwerk, davon einer minderjährig. In Rotterdam allein wurden mehr als ein Dutzend Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper behandelt, auch hier wieder waren die meisten minderjährig. Krankenhäuser berichteten landesweit von Rekordzahlen in den Notaufnahmen, mehrere Brände durch Feuerwerke wurden im ganzen Land gemeldet. Doch kein Brand zog so viel Aufmerksamkeit auf sich wie jener der Vondelkerk in Amsterdam. Die neogotische Kreuzkirche am Rande des Vondelpark datierte aus dem 19. Jahrhundert und wurde vom berühmtesten Architekten der Niederlande, Pierre Cuypers, entworfen. Cuypers, der unter anderem auch den Amsterdamer Hauptbahnhof und das Rijksmuseum entwarf, war besonders stolz auf die Vondelkerk – die ursprünglich als Herz-Jesu-Kirche geweiht worden war – und bezeichnete sie als seinen gelungensten Sakralbau. Seine eigene Wohnung in der Vondelstraat entwarf er so, dass sie ihm einen Blick auf seine Kirche bot.

    Doch am 1. Januar um 0.50 Uhr gingen die ersten Notrufe bei der Feuerwehr ein. Augenzeugen berichteten von Feuerwerkskörpern, die den Turm getroffen hatten. Die äußerst windige Nacht trug das ihre dazu bei. Wie häufig in solchen historischen Kirchengebäuden konnte ein Glutherd in einem hölzernen Dachstuhl innerhalb kürzester Zeit eine Kaminwirkung entfalten, sodass der Turm in Windeseile lichterloh in Flammen stand. Beim Eintreffen der Feuerwehr war bereits deutlich, dass sich ein Großbrand nicht vermeiden ließ. Um 2 Uhr morgens ergingen Notsignale an Anwohner, kurze Zeit später evakuierte die Feuerwehr neunzig Haushalte in direkter Umgebung aufgrund der hohen Rauchentwicklung und Brandgefahr. Erst am Abend des 1. Januar, nach Beendigung der Räumungsarbeiten, durften die Anwohner in ihre Häuser zurückkehren. Nur wenige Stunden nach Beginn des Brandes kollabierte der Turm in das Kirchenschiff. Die Vondelkerk war nicht mehr zu retten. Die apokalyptischen Bilder der brennenden Kirche wurden zum Symbol der „Nacht der Schande“, wie die Silvesternacht von niederländischen Behörden im Nachhinein bezeichnet wurde.

    Das Schicksal der Vondelkerk steht nun in den Sternen. Nach der Profanisierung der Kirche in den 1970er-Jahren stand selbst ein Abriss zur Debatte, um stattdessen Platz für neue Bürogebäude zu schaffen. Diesem Schicksal entging die Vondelkerk, wie so viele Kirchen in den Niederlanden, durch die Umwandlung zur Kulturkirche. Seit geraumer Zeit unterstand sie dem Amsterdamer Denkmalschutz, der auch nun bereits für einen Wiederaufbau wirbt und sich dabei der Analogie zu Notre Dame von Paris bedient. Immerhin: Es war nicht der erste verheerende Brand in der Geschichte der Vondelkerk. Bereits 1904 brannte der Turm nach einem Blitzeinschlag ab und wurde von Cuypers Sohn Joseph wieder aufgebaut. Die Brandursache 2026 gilt offiziell noch als ungeklärt, doch gibt es bislang keine Hinweise auf eine absichtliche Brandstiftung.

    Was ebenso in den Sternen steht, ist die Auswirkung des Feuerwerksverbots ab 2026. Denn ein Großteil der materiellen und physischen Schäden entsteht Jahr für Jahr nicht durch die legal erhältlichen Feuerwerkskörper der Kategorie F2, sondern durch professionelle Pyrotechnik der Kategorien F3/F4, die nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind. Die berüchtigte Cobra 6 der Kategorie F4 wird von der Polizei in Sprengkraft mit einer Handgranate verglichen und ist für mehr als 50 Prozent aller schweren Handverletzungen im Zusammenhang mit Feuerwerkskörpern verantwortlich. In 80 Prozent der Fälle enden diese in Amputationen. Und die Opfer sind oftmals unbeteiligte Minderjährige. Der Vertrieb und Einsatz dieser ohnehin schon illegalen Feuerwerkskörper wird durch das landesweite Verbot erst mal nicht betroffen. Im Gegenteil, es wird sich wie in vielen anderen Debatten um die Legalisierung von Drogen zeigen, ob Verbote tatsächlich ein probates Mittel sind, um Zugang zu erschweren, oder ob damit noch mehr Menschen in die Hände illegaler Feuerwerkskörper getrieben werden. Solange sie selbst noch Hände haben …