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    Donnerstag, 8. Januar 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 8. Januar 2026

    Rommy Arndt im Gespräch mit Marco Gallina, Bertrand Malmendier und Gerd Ganteför – Kontrafunk-Kommentar: Oliver Stock

    In vielen Klimamodellen wird bei der Berechnung der CO₂-Speicherung in den Ozeanen offenbar ignoriert, dass diese Wellen und Brandung aufweisen. Näheres berichtet der Experimentalphysiker und emeritierte Professor Gerd Ganteför. Wie schnell werden sich die USA nach dem Sturz von Präsident Maduro Zugang zu den Ölreserven Venezuelas verschaffen? Und was bedeutet die Entwicklung für Europa? Dazu eine Einschätzung des Journalisten Marco Gallina. Was wird aus den stillgelegten Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee? Ob diese irgendwann wiedereröffnet oder gar verschrottet werden, analysiert Dr. Bertrand Malmendier, Anwalt der Nord Stream 2 AG. Und im Kommentar zieht Oliver Stock Parallelen zwischen dem Unglück von Crans-Montana und der Schweizer Bank UBS.

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    Junge Freiheit – Wochenzeitung für Debatte

    Interview 1

    Gerd Ganteför: Vergessene Ozeanwellen in Klimamodellen

    Interview 2

    Marco Gallina: Europas Interessen in Venezuela

    Interview 3

    Bertrand Malmendier: Zukunft der Nord-Stream-Pipelines

    Kommentar

    Oliver Stock: Crans-Montana und UBS

    Die Schweiz lebt von ihrem Ruf: Präzision, Verlässlichkeit, Rechtsstaat. Doch dieser Ruf bekommt Risse. Nicht leise, nicht zufällig, sondern sichtbar und selbstverschuldet. Zwei Fälle stehen exemplarisch dafür: Crans-Montana und die UBS. Der eine spielt in einem Walliser Bergort, der andere im globalen Finanzsystem. Beide erzählen dieselbe Geschichte. Eine Geschichte von Wegsehen, von strukturellem Versagen und von einer Schweiz, die sich zu lange auf ihrem Mythos ausgeruht hat. Crans-Montana war einmal ein Aushängeschild. Heute ist es eine Katastrophe. Was dort über Jahre möglich war, ist kein lokales Missgeschick, sondern ein institutionelles Versagen. Was inzwischen bekannt ist, zeichnet das Bild eines Ortes, in dem kriminelle Netzwerke nicht nur existieren, sondern auch einfach geduldet werden. Immobiliengeschäfte mit mafiösem Hintergrund, undurchsichtige Geldflüsse, Akteure mit einschlägigen Verbindungen, die unbehelligt investieren, bauen und kassieren können. Crans-Montana steht damit nicht für einen Einzelfall, sondern für eine Mentalität. Man kennt sich. Man schützt sich. Man stellt keine unbequemen Fragen. Dazu kommt ein gravierendes Versagen der Bau- und Aufsichtsbehörden. Wer hinschaut, erkennt schnell, dass es nicht um ein einzelnes fehlendes Formular ging, sondern um systematische Blindheit.

    Wie konnte ein Klub betrieben werden, der baurechtlich offensichtlich nicht für große Menschenmengen ausgelegt war? Wer hat kontrolliert, ob Fluchtwege, Brandschutz und Kapazitätsgrenzen eingehalten wurden? Und wer hat weggeschaut, als dort regelmäßig deutlich mehr Menschen – auffallend viele sehr junge Menschen – eingelassen wurden, als es die Bewilligungen hergegeben haben? Noch heikler wird es bei der Rolle der Strafverfolgung. Wenn eine Staatsanwältin an einem Tisch mit jenen Aufsichtsbehörden sitzt, gegen deren Handeln oder Nichthandeln sie eigentlich ermitteln müsste, entsteht ein fataler Eindruck. Selbst wenn formal alles korrekt sein sollte, wirkt diese Nähe toxisch. Rechtsstaat lebt von Distanz, nicht von Kollegialität. Wer kontrollieren soll, darf nicht Teil desselben Systems sein, das kontrolliert werden müsste. Genau diese Durchlässigkeit zwischen Kontrolleuren, Genehmigern und Ermittlern nährt den Verdacht, dass in Crans-Montana nicht nur Fehler passiert sind, sondern dass ein Schutzraum entstanden ist, in dem Regeln verhandelbar wurden. Der Reputationsschaden ist damit größer als der Ort. Vom menschlichen Leid ganz zu schweigen. Wenn ein international bekannter Ferienort zum Symbol für lebensgefährliche, kriminelle Netzwerke wird, dann fragt der Beobachter im Ausland nicht mehr nach der Gemeindeordnung von Crans-Montana. Er fragt sich, wie belastbar die Schweizer Institutionen wirklich sind. 

    Der zweite Fall ist globaler, aber nicht minder schweizerisch. Die UBS, die größte Bank des Landes, kämpft mit einem Reputationsproblem, das sie selbst erzeugt hat: Gemäß Berichten hat die Bank vermögende Kunden aus Venezuela kurz vor dem Angriff der Vereinigten Staaten auf das Maduro-Regime zum raschen Abzug ihrer Gelder gedrängt. Die Bank schweigt dazu. Wenn sich das bewahrheitet, wird ein altes Muster sichtbar. Schweizer Banken haben über Jahrzehnte Geld angezogen, weil sie Diskretion verkauften. Diese Diskretion war kein Nebeneffekt, sie war das Produkt. Das Problem begann dort, wo die Diskretion wichtiger wurde als die Herkunft des Geldes. Die Enthüllungen der vergangenen Jahre, von «Swiss-Leaks» bis zu «Suisse Secrets», haben dieses System offengelegt. Dabei waren es keine Schweizer Behörden, die den Damm brachen. Es waren die Vereinigten Staaten. Sie zwangen die UBS schon 2009 zu Milliardenstrafen und zur Herausgabe von Kundendaten. Das war der Moment, in dem das alte Geschäftsmodell sein Ablaufdatum erreicht hatte. Venezuela ist für die UBS eine besonders toxische Altlast. Nicht weil es um Venezolaner geht, sondern weil es mal wieder um politisch exponierte Kunden, Sanktionen und Korruptionsvorwürfe geht.

    Die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS vor zwei Jahren hat dieses schwierige Erbe nicht beseitigt, sondern vergrößert. Recherchen der Korruptionswächter von Transparency International belegen, dass bei der Credit Suisse Hunderte Millionen Dollar von Personen verwaltet wurden, denen schwere Korruption im Umfeld der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft vorgeworfen wurde. Dass Konten selbst nach Schuldeingeständnissen weitergeführt worden sein sollen, ist kein Detail, sondern ein Skandal. Wenn die UBS jetzt schnell solche Risiken abbaut, dann ist das keine moralische Läuterung. Es ist schlicht betriebswirtschaftliche Schadensbegrenzung. Die Frage lautet nicht, was richtig ist, sondern, was teurer wird: die Kundenbeziehung oder der Ärger mit den Aufsichtsbehörden in den Vereinigten Staaten. Crans-Montana und die Schweizer Großbank haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. In beiden Fällen geht es um Strukturen, die zu lange geschützt wurden. Um Eliten, die glaubten, über den Regeln zu stehen. Und um eine Schweiz, die erst reagiert, wenn der Druck von außen zu groß wird. Das ist das eigentliche Reputationsproblem: nicht der einzelne Skandal, sondern das wiederkehrende Muster.