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    Freitag, 9. Januar 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 9. Januar 2026

    Benjamin Gollme im Gespräch mit Dirk Pohlmann, Alexander King und Horst Lüning – Kontrafunk-Kommentar: Burkhard Müller-Ullrich

    Berlins Regierende Bürgermeister haben sich schon einiges erlaubt. Man denke nur an das Desaster mit dem Großflughafen BER. Aber Tennis spielen während einer Katastrophenlage? Mit Alexander King, Landesvorsitzender des BSW, unterhalten wir uns über den derzeitigen CDU-Bürgermeister der Hauptstadt, Kai Wegner, der in der Kritik steht. Der Journalist und Dokumentarfilmer Dirk Pohlmann hat Grönland immer wieder bereist, berichtet von seinen Erfahrungen und gibt eine Einschätzung zu den Ambitionen der USA. Im Gespräch mit dem Unternehmer Horst Lüning geht es um den Silberpreis und die dahinterstehende Geopolitik, und Burkhard Müller-Ullrich widerspricht im Kommentar des Tages dem Ruf nach Brandschutz nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana.

    Interview 1

    Alexander King: Kai Wegner ist angezählt

    Interview 2

    Dirk Pohlmann: Trump und Grönland

    Interview 3

    Horst Lüning: Silberpreis und Geopolitik

    Kommentar

    Burkhard Müller-Ullrich: Der Ruf nach Brandschutz

    Man kann sich den Schrecken ausmalen, aber man möchte es nicht tun: den Schock, wenn Eltern am Neujahrstag erfahren, dass ihr Kind von einer fröhlichen Silvesterfeier nie mehr heimkehren wird. Man kann sich den Horror vorstellen, der um sich greift, wenn die Feiernden erkennen, dass ihre Kollegen im selben Keller bereits lichterloh brennen. Dieser Rohstoff aus fiebrigen Imaginationen treibt natürlich die Medien an, tagelang. Was soll man tun? Auch wir haben uns diese Frage gestellt. Aus Ehrfurcht und Trauer schweigen? Oder nach Maßnahmen rufen, so wie das nach jeder Katastrophe Usus ist? Aber sind nicht die markigen Kommentare, die sich um das Hauptwort Verantwortung ranken, genauso billig und sinnlos wie die Fernfuchteleien der Brandexperten, die unsere Fassungslosigkeit durch Rationalität und Aufklärungsgesten lindern sollen? Natürlich muss jetzt wie nach jeder Katastrophe Erkenntnisarbeit geleistet werden. Bei jedem Flugzeugunglück wird so lange nach Ursachen und Abläufen geforscht, bis man exakt die Lehren daraus ziehen kann, die sicherstellen, dass sich Gleiches niemals wiederholt. Und natürlich ist es verständlich und gerechtfertigt, diesen Anspruch auch jetzt zu erheben, nachdem vierzig junge Leben durch eine Verkettung von unsäglichen Fehlern ausgelöscht wurden.

    Doch was folgt daraus konkret? Man weiß inzwischen, dass der Brandschutz in jener Bar in Crans-Montana sträflich vernachlässigt wurde – erst durch den Besitzer, dann durch die Behörden. Bekannt ist mittlerweile auch, dass dort um Mitternacht Jugendliche unter 16 Jahren saßen, die da gemäß Gesetzeslage nicht hätten sein und schon gar keinen Alkohol trinken dürfen. Wir können davon ausgehen, dass so etwas ab morgen nicht mehr vorkommt. Denn ab morgen werden alle Bars der Schweiz kontrolliert, die Hälfte wegen festgestellter Mängel geschlossen, geplante Eröffnungen verschoben oder abgesagt, Geschäftspläne ruiniert, Bauanträge abgelehnt, weil Brandschutz heutzutage ein Hebel ist, mit dem man alles verhindern und unterbinden kann. Selbstverständlich ist Brandschutz wichtig, und selbstverständlich hätte diese Bar nicht zugelassen werden dürfen. Aber wenn man ganz strikt alle sich dauernd verändernden Brandschutzbestimmungen erfüllen wollte, dann dürfte man kein Gebäude mehr betreten. Kein Theater, kein Hotel, keinen Versammlungsraum – jeder Experte findet irgendwo einen Grund, warum die Freigabe leider, leider nicht gegeben werden kann. 

    Ab morgen wird sich auch kein Wirt mehr getrauen, einem jugendlichen Gast, der nicht nachweisen kann, älter als 16 zu sein, nach 22 Uhr ein Bier auszuschenken. Auch Jugendschutz ist wichtig, ohne Frage. Aber noch wichtiger ist, dass jenes soziale Gewebe, aus dem unsere Lebenswelt besteht, auf Augenmaß beruht. Augenmaß heißt allerdings, die Gesetzesparagrafen und sämtliche in Behördenbüros und Verwaltungsköpfen ausgebrüteten Bestimmungen einer selbständigen und freien menschlichen Beurteilung zu unterwerfen. Genau diese Bereitschaft geht jetzt verloren, weil jetzt – verständlicherweise! – Konsequenzen gefordert werden. Der Jakobinismus der Medien sorgt schon dafür. Gespeist wird diese Dynamik aus der Trauer und Verzweiflung aller Menschen, denen das Unglück nahegeht oder medial nahegebracht wird. Da entsteht seelische Energie, die in Empörung umschlägt: Es werden Schuldige gebraucht: ein Barbesitzer mit Milieu-Vorgeschichte, ein sichtlich überforderter Gemeindepräsident, der Kanton Wallis mit seinen Korruptionsstrukturen – alles richtig, aber alles vergebens, weil der verzweifelte Ruf nach mehr staatlicher Aufsicht nichts besser macht. 

    Es ist erst fünf Jahre her, dass wir lernen mussten, wozu Behörden und Beamte imstande sind, wenn sie wirklich Schutzmaßnahmen durchsetzen wollen – nicht Brand-, sondern Virenschutz war die Devise. Das Betreten irgendwelcher Bars war damals streng verboten. Wer sich damals illegal und klandestin versammelte, tat dies tunlichst in Kellerräumen, um nicht entdeckt zu werden. Wäre dort ein Feuer ausgebrochen, hätten manche Medien geschrieben, die Menschen seien zu Recht verbrannt. Der Ruf nach mehr Staat und mehr Schutz endet immer beim Staatsschutz. Es gibt nur einen Weg in die Freiheit: Jeder muss auf sich selber aufpassen. Bei Wunderkerzen unter Schaumstoffpolstern muss der Gefahreninstinkt anschlagen. Das ist die eigentliche Lehre von Crans-Montana.