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    Dienstag, 28. Oktober 2025, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 28. Oktober 2025

    Stefan Millius im Gespräch mit Peter Haisenko, Alex Baur und Laila Mirzo – Kontrafunk-Kommentar: Dirk Schmitz

    Was erwartet Argentinien nach dem überraschenden Sieg der Partei von Präsident Javier Milei bei den Zwischenwahlen? Einschätzungen dazu gibt es von Südamerika-Korrespondent Alex Baur. An Österreichs Schulen soll bald ein Kopftuchverbot herrschen. Im Gespräch dazu ist die Publizistin und Islamkritikerin Laila Mirzo. Die Meldungen über Luftraumverletzungen über Europa mehren sich. Der ehemalige Pilot Peter Haisenko beurteilt die Frage: Sind das geplante Manöver oder nur dramatisierende Schlagzeilen? Und im Kommentar beschäftigt sich Dirk Schmitz mit Trumps Ballsaalplänen. 

    Interview 1

    Alex Baur: Der Triumph von Argentiniens Präsident Milei und die Folgen

    Interview 2

    Laila Mirzo: Österreichs langer Kampf um ein Kopftuchverbot an Schulen

    Interview 3

    Peter Haisenko: Mehr Luftraumverletzungen oder nur mehr Schlagzeilen?

    Kommentar

    Dirk Schmitz: Trumps Ballsaalpläne – und wie harmlos sie im Vergleich sind

    Manchmal reicht ein Blick über den Atlantik, um die eigene Wirklichkeit besser zu verstehen. Donald Trump steht wieder einmal am Pranger. Diesmal wegen eines geplanten Ballsaals am Weißen Haus. Bis zu 300 Millionen Euro soll das Projekt kosten – ein gefundenes Fressen für all jene, die ihn ohnehin gerne des Größenwahns bezichtigen. Ein Ballsaal, 8000 Quadratmeter groß, größer als das Weiße Haus selbst. Ein Symbol für maßlosen Narzissmus. Nur – und das wird gern überhört – Trump zahlt selbst. Kein Cent amerikanisches Steuergeld. Unglaublich, aber wahr. Private Sponsoren finanzieren das Ganze, große US-Gesellschaften beteiligen sich. Sogar die Deutsche Telekom über ihre amerikanische Tochter. Und während wir uns noch laut empören, schauen wir auf Berlin. Dort steht ein Bauprojekt an, das Trumps Ballsaal aussehen lässt wie ein Schrebergarten-Häuschen: das neue Bundeskanzleramt. Eine Milliarde Euro Kosten. Für nur 25.000 Quadratmeter Zusatzfläche, 50.000 Quadratmeter insgesamt. Ein Kanzlerbüro – dann so groß wie das Zeil-Einkaufszentrum in Frankfurt. Finanziert von uns – den Steuerzahlern. Ursprünglich sollte es einmal günstiger werden. Dann stiegen die Kosten auf 770 Millionen – Stand 2023.

    Inzwischen redet niemand mehr gern über die aktuelle Summe. Der Betrag ist absurd: Ein Bürohaus in Berlin bei gleicher Neubaugröße würde 200 Millionen Euro kosten, im Luxussegment vielleicht 300. Das Burj Khalifa in Dubai, das höchste Gebäude der Welt – 828 Meter, 309.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche – hatte nur 1,1 Milliarden Euro gekostet. Friedrich Merz, der neue Kanzler, hat das geerbte völlig verirrte Projekt nicht gestoppt – im Gegenteil. Er hält aggressiv daran fest. Begründung: mehr Platz für mehr Effizienz. Klingt vernünftig. Bis man sich fragt, ob sich Regierungseffizienz wirklich in Quadratmetern und räumlicher Nähe zum Kanzler misst. Denn das derzeitige Kanzleramt ist schon heute eines der größten Regierungsgebäude der Welt. Doch nun muss es gleich das Doppelte sein. Zum Vergleich die Downing Street 10 in London: im Kern 550 Quadratmeter. Der Élysée-Palast in Paris: 11.000. Und Otto von Bismarcks alte Reichskanzlei: Knapp 400 Quadratmeter nutzte der Eiserne Kanzler für sich. Darauf hat er Deutschland geeinigt – und nebenbei drei Kriege geführt. Und gewonnen. Man muss also fragen: Wozu braucht ein Kanzler in unseren Zeiten nur 20 Prozent weniger Fläche als der Sonnenkönig in Versailles? Vielleicht ist es der Zeitgeist.

    Man baut größer, denkt größer, regiert aber schlechter. Kluge Rechner verglichen das Projekt mit der Neuen Reichskanzlei von 1938. Und tatsächlich: Hitlers Prachtbau kostete umgerechnet rund 400 Millionen Euro. War also halb so teuer wie das, was jetzt entsteht. Und kleiner. Weit weniger als 20.000 Quadratmeter. Der neue Kanzler wird also – man möge den Ausdruck verzeihen – eine Art „Super-Reichskanzlei 2.0“ bauen. Nur ohne Reich, ohne Macht – und ohne jedes Maß. Mit rund 900 geplanten Mitarbeitern übertrifft der Apparat die Belegschaft Hitlers im Jahr 1942 um das Doppelte. Man fragt sich: Wie viele Vorkoster braucht ein Kanzler? Und das alles, während den Bürgern gepredigt wird, sie sollten den Gürtel enger schnallen. Während Pflegeheime schließen und Rentner Flaschen sammeln. Aber für ein verdoppeltes Kanzleramt reicht’s natürlich. Denn der Maßstab, nach dem hier gebaut wird, ist kein architektonischer, sondern ein psychologischer. Er heißt: Selbstbild. 

    Merz will Größe zeigen – nicht als Politiker, sondern mit einem leeren Symbol des „Ich bin Kanzler!“. Mit einem Haus, das Macht ausstrahlen muss, weil das Vertrauen verschwunden ist. Einem Palast, damit man den Mangel an Führung nicht spürt. Und während man in Berlin über Klimaneutralität redet, entsteht ein Betonkoloss, bei dessen Bau mehr CO₂ emittiert wird, als Zehntausende Dienstwagen ausstoßen. Benziner, versteht sich. Vielleicht sollte man an den Eingang ein Schild stellen: „Hier wird gespart – wenigstens an Vernunft.“ Natürlich, es lässt sich alles pragmatisch erklären. Sicherheitsanforderungen, Raum für internationale Gipfel beim synchronen Fall in die Bedeutungslosigkeit. Trump mag Narzisst sein. Aber er zahlt seinen Ballsaal selbst. Vielleicht sollte man das künftig in den Kanzleramtsbeton gießen: Hier delegitimiert sich eine ungewollte Regierung selbst.