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    Montag, 4. Mai 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 4. Mai 2026

    Stefan Millius im Gespräch mit André Oksas, Jörg Urban und Michael von Prollius – Kontrafunk-Kommentar: Markus Vahlefeld

    Ein Leitfaden für das Personal der Landesverwaltung soll der AfD in Sachsen das Leben schwer machen. Deren Vorsitzender Jörg Urban spricht von diktatorischen Maßnahmen. 2025 wurde weltweit so viel für Rüstung ausgegeben wie noch nie. Der Wirtschaftshistoriker Michael von Prollius analysiert die Zahlen und die Folgen. Ein eigenes KI-Ökosystem soll die deutsche Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen. Der IT-Experte André Oksas beurteilt die Pläne und deren enge Grenzen. Und im Kommentar spricht Markus Vahlefeld Klartext über die Kunstszene, von der zwischen staatlicher Förderung und Woke-Kurs nicht mehr viel übrig geblieben ist.

    Interview 1

    Jörg Urban: Neue staatliche Schikane gegen die AfD in Sachsen

    Interview 2

    Michael von Prollius: Die weltweiten Rüstungsausgaben steigen weiter

    Interview 3

    André Oksas: Rettet die KI die deutsche Industrie?

    Kommentar

    Markus Vahlefeld: Die Kunstszene am Scheideweg

    Der sogenannte Kulturbetrieb ist in der Krise. Damit ist er beileibe nicht allein, und wie so oft sind die sich verändernden politischen Parameter der Spiegel auch für die Krise der Kultur. Um es ganz kurz zu machen: Die Besucher zeigen immer weniger Interesse an Kotspielen auf Theaterbühnen und links-woken Propagandastücken. Und die westlichen Demokratien sind – zum Glück – zu pleite, um derartigen Müll weiter finanzieren zu können. Das am 1. Mai gestartete Berliner Theatertreffen – DASSchaulaufen der Theaterszene –, musste ohne die Berliner Kultursenatorin auskommen. Sie war vorletzte Woche zurückgetreten. Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der ebenfalls erheblichen Unrat an seinen Hacken hat, blieb lieber fern, sodass die Eröffnung des Berliner Theatertreffens ganz ohne politische Begleitung stattfand. Darüber könnten Intendanten, Regisseure, Schauspieler froh sein, beklagen sie doch ständig die Einflussnahme der Politik auf ihre Kunst. Aber so einfach ist es halt auch nicht. Denn sie alle arbeiten an staatlichen Bühnen und damit im weiteren Sinne für den Staat, von dem sie finanziell abhängen. Zieht der sich nun zurück, beginnt eine Form der Unabhängigkeit, die die Kulturschaffenden so gar nicht schätzen: Arm, aber sexy soll für alle anderen gelten, nur bitte nicht für die Kultur.

    Kunst und staatliche Propaganda bildeten immer schon ein unheilvolles Amalgam. Die Kunstpolitik des Dritten Reichs war in ihrer Ausprägung die konsequenteste, vielleicht auch erfolgreichste Vereinnahmung der Kunst für politische Zwecke. Natürlich haben sich die Zeiten geändert, aber der Durchgriff der Staaten auf ihre Künstler nimmt spätestens nach dem offenkundig gewordenen Selbstzerstörungstrieb der sogenannten liberalen Demokratien an Brachialität zu. Staatliche Kunst hat seitdem die vornehmliche Aufgabe, die bestehenden Machtverhältnisse abzusichern. Seit obskure Künstlerkollektive aus Drittweltländern ganze Bundesausstellungen bespielen dürfen – wie bei der letzten Kasseler Documenta –, und die Themen Diversität, Antikolonialismus und Israel-Hass die Vorherrschaft über den Kunstbetrieb übernommen haben, vergeht kein Kunstevent, wie es neudeutsch heißt, ohne irgendeine dümmlich-politische Haltungszurschaustellung. War Kunst ehemals die Avantgarde der Moderne, ist sie heute zum Schrottplatz der staatlichen Postmoderne verkommen.

    Und nun hat es die venezianische Kunstbiennale erwischt. Sie ist die international anerkannte Staatsausstellung für Kunst, auf der Länder ihre venezianischen Pavillons mit der von staatlich finanzierten Jurys ausgesuchten Kunst ausstatten. Auf der Biennale stellt kein Künstler aus, der nicht im Verdacht stünde, von höchster staatlicher Stelle als Repräsentant des Landes ausgesucht worden zu sein. Und natürlich: Es fließt viel Geld in die Lagunenstadt. Die Entscheidung, nach der Schließung 2022 dieses Jahr den russischen Pavillon wieder zu eröffnen, traf in Rom, vor allem in Brüssel einen Nerv. Der italienische Kulturminister sagte seine Teilnahme bei der Eröffnung nächstes Wochenende ab, und Brüssel fror Millionenfördergelder ein. Der Präsident der Biennale verteidigte noch seine Entscheidung, während die Jury dann mitteilte, Russland von der Verleihung der Biennale-Löwen auszuschließen. Damit das Ganze nicht zu politisch willfährig aussah, erweiterte die Jury diesen Bann auch noch auf Israel. Die Begründung: Länder, deren führende Repräsentanten derzeit vom Internationalen Strafgerichtshof angeklagt sind, seien von Preisen ausgeschlossen. 

    Damit hat die Staatskultur ihr wahres Gesicht gezeigt und ihre hässliche Fratze offenbart: Nicht eine Jury will über große Kunst und Preise entscheiden, sie überlässt es lieber einem Den Haager Strafgericht, die ästhetischen Parameter festzulegen, die dann für eine Jury gelten sollen. Absurder kann es gar nicht mehr werden, um aufzuzeigen, dass sich künstlerische Freiheit und Staatspropaganda zueinander verhalten wie Feuer und Wasser. Vor allem aber: Mit der Entscheidung der Jury war man in Rom auch nicht zufrieden, und so trat die Jury zurück. Hat Staatspolitik die Kunst erst mal in ihrem Griff, muss Kunst nach der politischen Pfeife tanzen. Und daran hat eine Kunst- und Kulturszene, die seit Jahrzehnten schon den kunstsinnigen Bürger verachtet und sich lieber in Parteien und Behörden fett macht, nicht nur ihren erheblichen Anteil, sie ist der Deckel, der auf den Topf der Staatspropaganda so gut und lange passte. Zu hoffen, diese Zeiten seien nun vorbei, wäre verfrüht. Aber ihre Widersprüche treten so offen zutage, dass nur Blinde sie noch zu übersehen imstande sind. Mögen die Staatspropaganda und ihre Staatskunst an diesen Widersprüchen endlich zerschellen.