Kontrafunk aktuell vom 7. Mai 2026
Ein Jahr Bundeskanzler Friedrich Merz: Wie die Bilanz innerhalb der Partei ausfällt, analysiert die CDU-Bundestagsabgeordnete Saskia Ludwig. Die Journalistin Aleksandra Rybinska erklärt den aktuellen Streit in Polen um die Ernennung von sechs Verfassungsrichtern. Der Politologe Osama Kheir Mohamed berichtet, welche Macht die sudanesische Muslimbruderschaft hat und welche Rolle die Islamisten im aktuellen Krieg spielen. Und in ihrem Kommentar blickt Krisztina Könen auf die dramatischen Veränderungen, die auf die Menschen in Ungarn sehr wahrscheinlich zukommen werden, nachdem Viktor Orbán abgewählt worden ist.
Saskia Ludwig: Das erste Kanzlerjahr von Friedrich Merz
Aleksandra Rybinska: Richterernennung – Präsident Nawrocki lässt sich nicht unter Druck setzen
Osama Kheir Mohamed: Ewiger Krieg im Sudan – die Rolle der Muslimbruderschaft
Krisztina Koenen: LGBT-Aktivistin wird Bildungsministerin in Ungarn
Manchmal reißt der Schleier, den Medien, Ideologen und Politikdarsteller in der westlichen Welt über die Machtverhältnisse legen. Dann werden die wahren Akteure des Geschehens erkennbar. So geschah es kurz vor den Parlamentswahlen in Ungarn, als alle Protagonisten sichtbar wurden, die am Sturz von Viktor Orbán und der Fidesz-Partei zusammengearbeitet hatten. Da waren die Geheimdienste der Polen, der Ukrainer und anderer, die wenige Tage vor der Wahl angeblich diskreditierende Mitschnitte von Telefongesprächen zwischen dem ungarischen Außenminister und seinem russischen Kollegen aus ihren Tresoren holten. Da waren die multinationalen Konzerne, die das Geld für den kostspieligen Wahlkampf des Fidesz- und Orbán-Gegners Magyar bereitstellten. Da waren die sogenannten unabhängigen Medien, finanziert von der EU, den Organisationen des George Soros und von US amerikanischen Stiftungen der Demokraten, von denen es sich herausgestellt hatte, dass sie Zuträger und Mitarbeiter der oben genannten Geheimdienste waren. Die gleichen Kräfte stehen auch hinter den sogenannten NGO, die die EU ein Jahrzehnt lang mit Munition für die Behauptung fütterten, Ungarn sei eine Diktatur. Was dann die Grundlage dafür war, dass dem Land die ihm zustehenden Mittel entzogen werden konnten.
Und da war noch der ukrainische Staat, der gerade rechtzeitig vor der Wahl die Druschba-Pipeline, die für Ungarn lebenswichtige Ölleitung, abgestellt hatte, sie jedoch gleich nach der Wahl wieder freigab. Das russische Öl konnte wieder fließen. Nicht zu vergessen sind die sozialen Netzwerke, wo Magyar-kritische Veröffentlichungen und Personen systematisch unterdrückt und in ihren Reichweiten eingeschränkt wurden. Die Fidesz-Führung kannte zwar die einzelnen Gefährdungen, hatte aber deren Zusammenspiel nicht verstanden und lange Zeit nicht ernst genommen. Freilich, Orbán und Fidesz haben die Wahl nicht allein wegen der beispiellosen Einmischung von außen verloren. Sie haben schwerwiegende Fehler begangen. Es gab kein mitreißendes Programm, nur, dass alles bleiben sollte wie bisher. Immer stärkerer Zentralismus, die Verflechtung von Staat und Wirtschaft beförderten die Vetternwirtschaft. Schmarotzer und Glücksritter – wie Péter Magyar selbst – hefteten sich an die Partei. Ihr offen zur Schau getragenes Luxusleben erweckte große Wut bei der Mehrheit, die seit 2021 unter Inflation und wirtschaftlicher Stagnation leiden musste. Die weltpolitischen Ambitionen Orbáns erweckten den Eindruck, er missachte die Alltagssorgen der Bürger.
Angeheizt wurde der emotionale Wechselwille auch durch den seit langem schwelenden Zorn der linken globalistischen Intelligenzia, die die Nationalkonservativen immer schon verabscheut hatte und weiterhin die wichtigen Medien beherrschte. Diese Wut, die auch seine eigene war, trug Péter Magyar, das ehemalige, in Ungnade gefallene Fidesz-Mitglied, zum Wahlsieg. Er hatte es meisterhaft verstanden, die Wut täglich durch Postings und provokative Auftritte anzuheizen. Dass vieles davon Lügen waren, störte niemanden. Jetzt, nach Magyars Wahlsieg mit einer Zweidrittelmehrheit, bekommt fast jeder was er haben wollte. Der ungarische Wähler ist Orbán und Fidesz los. Die Multis bekommen mehrere Sitze im neuen Kabinett: Das Außenministerium erhält die ehemalige Führungskraft von Vodafone und LNG-Spezialistin Anita Orbán, nicht mit Viktor verwandt. Wirtschaftsminister wird István Kapitány, ehemals Chef von Shell Europa. Das Finanzministerium bekommt ein früheres Direktoriumsmitglied der Europäischen Entwicklungsbank EBRD und Führungskraft der österreichischen Erste Group. Die Budapester Schickeria bekommt eine LGBT-Aktivistin als Bildungsministerin und wird durch eine radikale Säuberungswelle im Kulturleben befriedigt. Die EU bekommt einen willigen Ministerpräsidenten, der sich nicht in den Weg eines europäischen Krieges stellt, dem Migrationspakt zustimmt und sich der Europäischen Staatsanwaltschaft unterwirft.
Sie bekommt den Eintritt in den Euro und die Beendigung der liberalen Wirtschaftspolitik, den Ausbau des Sozialstaates und ein progressives Steuersystem. Dafür gibt es das vage Versprechen, die den Ungarn zustehenden Mittel endlich freizugeben. Die Ukrainer bekommen den freien Weg in die EU-Mitgliedschaft und so viel Geld von den EU Bürgern, wie sie nur wollen. Magyar bekommt seinen Rachefeldzug, den er auch nach dem Wahlsieg ungebrochen fortsetzt. Er drohte mehrfach den gewählten Vertretern von Staatsorganen wie dem Staatspräsidenten, den Mitgliedern des Verfassungsgerichts und dem obersten Staatsanwalt, sie würden entfernt. Er forderte Polizei und Justiz auf, die Konten von sogenannten Oligarchen und Begünstigten von Fidesz unverzüglich zu sperren, diese zu verfolgen und daran zu hindern, das Land zu verlassen. Das alles ohne Anklagen und Prozesse. Dass zukünftig sein Schwager dem Justizministerium vorstehen wird, dürfte dabei hilfreich sein. Was der ungarische Wähler am Ende bekommt? LGBT für seine Kinder und Migranten in seine Nachbarschaft und ein bisschen soziale Hängematte. Das Geld der EU? Vielleicht. Die Befriedigung seines Neids und seiner Rachegelüste? Eine Zeit lang bestimmt. Wenn ihn das glücklich macht, dann ist es auch gut so.

