Kontrafunk aktuell vom 16. Dezember 2025
Was bedeutet die kontrovers diskutierte Wärmewende in Deutschland 2026 für den Gebäudesektor und das Portemonnaie der Bürger? Das erklärt Dr. Thomas Brändlein, Landesvorsitzender des Bayerischen Wohnungs- und Grundeigentümerverbands. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat sich von der Spitze ihrer Partei zurückgezogen. Wie deren Neuausrichtung mit neuem Namen aussieht, erläutert der stellvertretende Bundesvorsitzende Michael Lüders. In Chile hat der rechtskonservative Politiker José Antonio Kast sehr deutlich die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Welche internationalen Auswirkungen seine Wahl haben wird, berichtet unser Südamerika-Korrespondent Alex Baur. Und in ihrem Kommentar blickt Cora Stephan auf den drohenden Wehrdienst und die sogenannte Kriegstüchtigkeit.
Thomas Brändlein: Das Heizungsgesetz ist eine Illusion
Michael Lüders: Die Neuaufstellung des BSW
Alex Baur: Der neue Rechtsruck in Südamerika
Cora Stephan: Alle Mann an Deck zum Wehrdienst
Bei jungen Männern trifft die Forderung nach einer Rückkehr zur Wehrpflicht nicht gerade auf euphorische Zustimmung. Die meisten glauben – und das ganze Gerede von der „Kriegstüchtigkeit“ suggeriert das ja –, dass sie in diesem Fall demnächst bei Wind und Wetter gen Russland marschieren müssten. Was schon anderen vor ihnen misslungen ist, den Großvätern und Urgroßvätern. Und die waren alle, so will es die Legende, Nazis. Nun fürchte ich zwar, dass es kaum möglich ist, Deutschland neu zu erfinden, als Land, das nicht nur von Verbrechern besiedelt war, sondern auch von großen Gelehrten, genialen Ingenieuren, produktiven Wissenschaftlern, von denen viele jüdische Deutsche waren. Aber das war unter Kaiser Wilhelm, der ja als irgendwie seltsam gilt – und haben die Deutschen nicht 1914 den großen Krieg angezettelt? Und so weiter, und sofort. Deutschland hat besonders bei den Deutschen eine verdammt schlechte Presse. Die britische Propaganda hat hierzulande weit mehr Gläubige als im Vereinigten Königreich selbst, wonach die Deutschen „Hunnen“ und „Barbaren“ sind. Aus Deutschland ist nicht erst nach 2015 „Schland“ geworden, der Prozess war bereits länger unterwegs, befördert übrigens immer wieder von Geschichtsnarrativen aus der DDR, wo man alles, was böse war, auf Westdeutschland projizierte, dem man im Übrigen das „Wirtschaftswunder“ bitter übelnahm, also den schnellen Wiederaufbau nach dem verheerenden Krieg.
Unsere heutige Bundesregierung hat die Wunde mittlerweile geheilt: Es waren die türkischen Gastarbeiter, die Deutschland wieder aufgebaut haben, sagte Außenminister Johann Wadephul kürzlich über das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei von 1961. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre. Es waren die Vertriebenen und Geflüchteten, auch aus der DDR, die das Land wieder hochbrachten. Also: Deutsche. Aber was soll man schon von einer politmedialen Blase halten, wo man bereits beim Vorzeigen der deutschen Fahne Ausfallerscheinungen zeigt? Und von „Patriotismus“ oder „Vaterlandsliebe“ nicht reden mag? Es ist mehr als nur unglücklich, die Wiederaufnahme der Wehrpflicht mit „Kriegsfähigkeit“ zu begründen. „Verteidigungsfähigkeit“ ist nötig, weshalb man damit aufhören sollte, schlechtzumachen, was ja doch zu verteidigen wäre. Ein Land, das viele Schönheiten hat. Ein Land, das wirtschaftlich erfolgreich war, jedenfalls vor dem Missmanagement der politischen Klasse. Ein Land, das noch immer weit mehr ist als ein bloßes Siedlungsgebiet für diese und jene. Und wer vom Sozialstaat – von Bildung, Gesundheitssystem und so weiter – profitiert, sollte es nicht für unzumutbar halte, auch etwas zurückzugeben. Zumal – jetzt bitte keine Wutanfälle! – das eine oder andere durchaus für den Wehrdienst spricht, und zwar nicht nur, weil man dort den Führerschein machen kann, für PKW und LKW. In der Grundausbildung lernt man bei der Bundeswehr militärisches Basiswissen wie Waffenkunde, Schießen, Gefechtsdienst, Orientierung und Erste Hilfe, gepaart mit körperlicher Fitness und Disziplin. Insbesondere die letzten Punkte schaden auch im zivilen Leben nicht …
Der Männerbund als Mittel zur Selbstdisziplinierung des Mannes: Das war einst bei den Wikingern auf ihren Drachenbooten ebenso der Fall wie bei den Ritterheeren. Auf einem Boot kann man nichts ausdiskutieren. Und die Ritterheere erwiesen sich als probates Mittel, die „dritten Söhne“ vom Plündern und Rauben abzuhalten – jene also, die weder das Erbe antreten noch in ein kirchliches Amt wechseln konnten und sich stattdessen der ungleich schwierigeren Disziplin des Manövrierens zu Pferde widmeten. Und noch etwas, habe ich mir sagen lassen, spricht für ein bisschen Wehrdienst, die Rede ist ja gerade mal von sechs bis elf Monaten: Beim Bund lernt auch der schnöselige Abiturient Leute kennen, denen er sonst nie im Leben begegnen würde. Keine Bürohengste, sondern Leute, die auch ohne besondere Anleitung ein Gewehr auseinandernehmen können. Und vielleicht wird er danach die Lust auf ein Studium irgendeines der Orchideenfächer verlieren und etwas lernen, das gebraucht wird. Wie nennt es der Pulitzer-Preis-Träger David Mamet? Er „kannte die Welt, weil er sie angefasst hatte“. Vielleicht würden viele solcher Kenner das Land wieder auf die Beine bringen.
