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    Mittwoch, 18. März 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 18. März 2026

    Gernot Danowski im Gespräch mit Jörg Schierholz, Alfred Schlicht und Aleksandra Rybinska – Kontrafunk-Kommentar: Tobias Gall

    Biontech hat wie kaum ein anderes Unternehmen in der Pandemie einen rasanten Aufstieg hingelegt. Mit dem Rückzug der Gründer rücken Fragen nach der Zukunft, aber auch nach der Bilanz des Erfolgs stärker in den Fokus. Dr. Jörg Schierholz, Infektiologe und Diplom-Chemiker, schätzt die Lage ein. Unterdessen hält sich im Iran das Regime durch Revolutionsgarden und Basidsch-Milizen am Leben. Welche Rolle diese Kräfte spielen und wie stabil ihre Bindung ist, erläutert der Islamwissenschaftler und ehemalige Diplomat Alfred Schlicht. Auch in Polen spitzt sich ein Konflikt zu: Ein Präsidenten-Veto blockiert den Zugriff auf EU-Mittel und offenbart grundlegende Differenzen in der Sicherheitspolitik. Die polnische Journalistin Aleksandra Rybinska berichtet Näheres. Und abschließend beschäftigt sich Tobias Gall in seinem Kommentar mit dem Zustand der deutschen Außenpolitik.

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    Interview 1

    Jörg Schierholz: Was bleibt vom „Vorzeigeunternehmen“ Biontech?

    Interview 2

    Alfred Schlicht: Basidsch-Miliz und Revolutionsgarden: Wer kämpft im Iran?

    Interview 3

    Aleksandra Rybinska: Polens Präsident lehnt EU-Rüstungskredit ab

    Kommentar

    Tobias Gall: Verantwortungslosigkeit als außenpolitisches Prinzip

    Die deutsche Außenpolitik scheitert mal wieder an einer Bewährungsprobe: Während andere Staaten sichtbar zwischen eigenen Interessen und internationaler Verantwortung abwägen, scheint Deutschland diese grundlegende Logik internationaler Politik nie wirklich gelernt zu haben. Anlass ist die amerikanisch-israelische Iran-Intervention. Während in Washington und Jerusalem strategische Entscheidungen getroffen werden, herrscht in Deutschland vor allem eines: analytische Ratlosigkeit. Von Rot bis Blau fehlt eine klare außenpolitische Position. Die Vereinigten Staaten sind mit ihrem Aufstieg zur Weltmacht in eine Rolle hineingewachsen, die ihnen ursprünglich fremd war: die einer Macht mit globaler Verantwortung. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Amerika trotz seiner wirtschaftlichen Stärke außenpolitisch im Kern eine regionale Macht geblieben. Seitdem lassen sich in der amerikanischen Außenpolitik zwei Leitlinien erkennen: die Wahrung nationaler Interessen und zugleich die Übernahme von Verantwortung für eine internationale Ordnung. Der Kalte Krieg machte diese Doppelrolle besonders sichtbar. Er war nicht nur ein ideologischer Systemkonflikt, sondern in der politischen Praxis vor allem der Versuch, jene Staaten zu schützen, die sich der Expansion des sowjetischen Machtbereichs entziehen wollten.

    Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion endete weder die Geschichte noch die Konfliktneigung der Weltpolitik. Neue Bedrohungen traten an die Stelle. Eine der folgenreichsten war der Islamismus, dessen Zentrum seit der Revolution von 1979 im Iran entstanden ist, der bis heute eine zentrale Rolle bei der Finanzierung und Organisation des islamistischen Terrors spielt. Zugleich zeigte sich eine typisch amerikanische Tendenz: internationale Konflikte nicht nur machtpolitisch, sondern auch aus einem Verantwortungsgefühl herauslösen zu wollen. Viele Interventionen waren von der Erwartung geprägt, autoritäre Systeme durch „Nation-Building“ in demokratische Ordnungen transformieren zu können. Die Anschläge des 11. Septembers 2001 jedoch markierten hier eine Zäsur. Sie machten deutlich, dass islamistischer Terrorismus eine nur destruktive Kraft ist, die sich nicht durch institutionelle Reformprogramme entschärfen lässt. Die Lehre daraus: Militärische Interventionen können Regime stürzen, aber keine stabile politische Ordnung errichten. Das müssen letztlich die betroffenen Gesellschaften selbst bewirken. Das Spannungsverhältnis zwischen nationalen Interessen und internationaler Verantwortung wurde immer sichtbarer.

    Genau dieses Spannungsverhältnis ist dagegen der deutschen Außenpolitik weitgehend fremd geblieben. Die Bundesrepublik war im Kalten Krieg ein zurückhaltender Nato-Verbündeter. Ihre Rolle bestand vor allem darin, wirtschaftliche Stärke in politische Loyalität zu übersetzen. Dabei musste die alte Bundesrepublik selten eigene strategische Positionen entwickeln. Gerade deshalb lernte die deutsche Politik nie, nationale Interessen und internationale Verantwortung selbst abzuwägen. Sie bewegte sich im Schutzraum einer Ordnung, die von anderen Mächten gestaltet wurde. Auch nach dem Ende des Kalten Krieges änderte sich daran erstaunlich wenig. Statt eigenständige außenpolitische Maximen zu entwickeln, entwickelte sich im Inneren ein politischer Stil, der internationale Konflikte zunehmend moralisch kommentierte. So entstand eine eigentümliche Mischung aus Antiamerikanismus und moralistischer Belehrungspolitik. Während andere Staaten reale strategische Konflikte austrugen, erhob die deutsche Politik häufig den Zeigefinger – ohne deutsche Interessen klar zu formulieren. Moralische Positionen versprachen Zustimmung im Inland, strategische Überlegungen unterblieben weitestgehend.

    Eine historische Ausnahme verdient allerdings Erwähnung: Die Politik um Helmut Kohl verband bei der deutschen Wiedervereinigung nationale Interessen und internationale Verantwortung in bemerkenswerter Weise. Gerade deshalb fällt das strukturelle Defizit heute umso deutlicher auf. Im Ukraine-Krieg etwa übernahm Deutschland weitgehend die Kriegsziele der ukrainischen Regierung, ohne zugleich zu definieren, welche eigenen Interessen berührt sind und welche Verantwortung es selbst für die Stabilität Europas trägt. Während die Vereinigten Staaten mit ihrer Iran-Intervention erneut Entscheidungen treffen, in denen sich nationales Interesse und globale Verantwortung riskant verschränken, reagiert die deutsche Politik vor allem mit Kommentaren ohne klare strategische Analyse. Die deutsche Außenpolitik ist deshalb nicht nur strategisch schwach. Ihr eigentliches Problem ist ein anderes: Sie ist in einem bemerkenswerten Maße verantwortungslos geworden. Wer nie lernen musste, Interessen und Verantwortung miteinander auszubalancieren, der kann am Ende beides verlieren – die eigenen Interessen ebenso wie die Verantwortung gegenüber der Welt. Und für das eigene Publikum zieht man sich dann auf die dümmliche Selbstverständlichkeit zurück: Frieden sei besser als Krieg.