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    Freitag, 19. Dezember 2025, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 19. Dezember 2025

    Andreas Peter im Gespräch mit Klaus Ernst, Dirk Maxeiner und Philipp Gut – Kontrafunk-Kommentar: Norbert Bolz

    Feigheit gegenüber der EU? Der Journalist Philipp Gut über die nationale Sicherheitsstrategie der Schweiz und warum die Regierung in Bern den von der EU sanktionierten Ex-Geheimdienst-Offizier Jacques Baud im Regen stehen lässt. Nichts als Propaganda? Der Mitherausgeber des Blogs „Achse des Guten“, Dirk Maxeiner, erläutert, warum ihn die groß propagierte Rolle rückwärts der EU für ihr Verbrennerverbot nicht überzeugt. Hat die Linkspartei ein Antisemitismus-Problem? Klaus Ernst, ehemaliger Bundesvorsitzender der Linkspartei und heutiger Funktionär des BSW, berichtet von seinen Erfahrungen. Und Norbert Bolz kommentiert die Außenpolitik des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz.

    Interview 1

    Philipp Gut: Opfert Bern den von der EU sanktionierten Ex-Geheimdienst-Offizier Jacques Baud einer neuen Sicherheitsstrategie?

    Interview 2

    Dirk Maxeiner: Das angebliche Aus vom Verbrenner-Aus der EU ist nicht überzeugend

    Interview 3

    Klaus Ernst: Das Problem mit antisemitischen Positionen in Teilen der Linkspartei ist auch nicht größer als in anderen Parteien

    Kommentar

    Norbert Bolz: Friedrich Merz nutzt Außenpolitik als Flucht vor der Innenpolitik

    Friedrich Merz hat von denen, die ihn zwar kritisch sehen, es aber doch gut mit ihm meinen, den Titel „Außenkanzler“ bekommen. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass er zwar innenpolitisch noch keine Erfolge aufzuweisen hat, aber außenpolitisch eine gute Figur macht. Wenn man das etwas weniger freundlich formuliert, dann kann man von einer Flucht in die Außenpolitik sprechen. Merz möchte als Führer Europas wahrgenommen werden, und deshalb inszeniert er sich als Schlüsselfigur bei der Beendigung des Ukraine-Kriegs. So hatte er gerade Zelensky und die Verhandlungsführer der USA, Rütte von der Nato und die Spitzen der Europäischen Union nach Berlin eingeladen, nahm aber an den entscheidenden Gesprächen selbst gar nicht teil. Während Donald Trump den Europäern wenigstens noch das gute Gefühl vermittelt, mitreden zu können, verspottet Putin sie nur noch.

    Wir haben es hier mit einer kostspieligen Fassadenarchitektur zu tun – man könnte auch sagen: mit Potemkinschen Dörfern. Damit soll die tiefe Krise Europas verdeckt werden. Vor allem die sogenannte E3 steckt in der Krise, also England, Frankreich und Deutschland. Ihre Regierungen haben katastrophale Popularitätswerte. Und das gilt vor allem auch für die persönlichen Beliebtheitswerte von Starmer, Macron und Merz. Man sieht sie in den letzten Wochen regelmäßig vereint im Fernsehen. Aber was sie in Wirklichkeit vereint, ist ihre Unbeliebtheit und ihre Erfolglosigkeit. Ratlos stehen sie dem wirtschaftlichen Niedergang ihrer Länder und den verheerenden Folgen der Massenmigration gegenüber. Wenn man innenpolitisch in einer Sackgasse steckt und nicht den Mut aufbringt, umzukehren, rettet man sich in die Beschwörung eines Ausnahmezustands. Damit fasziniert man die Bürger und schwächt ihre politische Urteilskraft. Wir haben das beim Thema Klima jetzt schon mehrfach erlebt, am spektakulärsten aber beim Thema Corona. Wenn man die Menschen in Panik versetzt, lassen sie fast alles mit sich machen. Und jetzt haben wir es mit dem Urphänomen aller Ausnahmezustände zu tun: dem Krieg.

    Was man uns einbläut, ist, dass es sich beim Ukraine-Krieg um einen Krieg vor unsere Haustür handelt, und dass der Schurke Putin demnächst dann auch Europa und die NATO angreifen wird. Akzeptiert man dieses Schreckensszenario, dann gibt es für die Europäer nur noch die strikte Ausrichtung auf Kriegswirtschaft und Aufrüstung. Ärgernisse wie Wirtschaftskrise und Massenmigration treten da in den Hintergrund. Die zündende Formel könnte man in Anlehnung an den ehemaligen Verteidigungsminister Peter Struck prägen, der 2002 unser militärisches Engagement in Afghanistan mit dem Satz rechtfertigte: Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt. Heute heißt es dann entsprechend: Unsere Freiheit wird am Donbass verteidigt. Friedrich Merz ist der politische Führer in dieser Simulation einer europäischen Großmacht. Bei Lichte betrachtet, haben wir es mit einer unheiligen Allianz von Minderwertigkeitskomplex und Größenwahn zu tun, der immer tiefer in eine moralische Infantilisierung führt. Europa ist lediglich die Großmacht des Moralismus, die sich sehenden Auges gegen die USA, Russland und Israel isoliert. Und es sind gerade Spitzenpolitiker der Union, die diese Parallelwelt „Unsereuropa“ geschaffen haben – nämlich Ursula von der Leyen, Manfred Weber und Friedrich Merz. Wer das von außen betrachtet, kommt entweder auf die Diagnose Putins, die da lautet: westliche Dekadenz. Oder zu dem Urteil von Vance und Trump, nämlich: Selbstmord Europas.