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    Donnerstag, 18. April 2024, 10:05 Uhr
    Donnerstag, 18. April 2024, 10:05 Uhr
    (Wdh.16:05, 21:05)

    Lehrerzimmer: Schulische Corona-Maßnahmen, „Pädagogische Wende“, Lehrernetzwerk Schweiz

    Stefan Millius im Gespräch mit Joachim Bettermann und Jérôme Schwyzer – mit einem Beitrag von Christina Rüdiger
    • Im Gespräch mit Stefan Millius erklärt der Lehrer Joachim Bettermann, warum er während der Corona-Zeit die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis beantragt hatte und wie er heute auf diese belastende Zeit zurückblickt. Christina Rüdiger schildert ihre Eindrücke und Einschätzungen von der Jahrestagung der „Gesellschaft für Bildung und Wissen“ zum Thema „Die pädagogische Wende“. Der Präsident des Lehrernetzwerks Schweiz, Jérôme Schwyzer, berichtet über die Motive, die zur Gründung des neuen Lehrerverbands geführt haben und welche Aufgaben sich dieser nach der Corona-Zeit stellt.

    • Kontrafunk im Gespräch mit Joachim Bettermann

      Erfahrungen eines Lehrers in der Coronakrise

    • Kontrafunk im Gespräch mit Jérôme Schwyzer

      Gründung des neuen Verbands „Lehrernetzwerk Schweiz“

    • Christina Rüdiger

      Jahrestagung der „Gesellschaft für Bildung und Wissen“

      „Die pädagogische Wende: Über die notwendige Besinnung auf das Erziehen und Unterrichten“: Unter diesem Motto hat die „Gesellschaft für Bildung und Wissen“ am letzten Wochenende zu einer Fachtagung an die Universität Augsburg eingeladen. Über 100 Interessierte kamen. Doch warum eine „Wende“? Was läuft schief im Bildungsbereich? Warum umkehren und wohin? Wir brauchen eine Rückbesinnung, so die übereinstimmende Meinung der Wissenschaftler.

      Der Ansatz, ständig Schulstrukturen zu verändern, ist ein Irrweg. Wir müssen die Lehrerpersönlichkeit in den Fokus rücken. Sie wurde bereits aufgrund diverser Schulreformen in den letzten Jahren zum Coach und Lernbegleiter degradiert, der nicht mehr selbst unterrichtet, sondern nur Übungsblätter austeilt und den störungsfreien Ablauf des sogenannten „selbstorganisierten Lernens“ steuern soll. Mit zunehmender Digitalisierung rückt der Lehrer noch mehr in den Hintergrund des Geschehens im Klassenzimmer. 

      Er soll nur noch begleitend und stichwortgebend anwesend sein. Stattdessen haben wir es mit einer zunehmenden Fetischisierung der Technik zu tun. Dabei ist längstens bekannt, dass nur ein empathischer Lehrer, der seine Autorität mit Augenmaß einsetzt, über Fachwissen verfügt und mit seinem Humor für gute Stimmung sorgt, eine echte Beziehung zum Schüler herstellen kann. Er ist ein Garant für Lernerfolg. Es braucht Ruhe und mehr Zeit für die eigentlichen Lernprozesse. Nur so kann Freude beim Lernen entstehen. Und – ohne Freude kaum Lernerfolg. Auch das Klassengespräch, in letzter Zeit als stupider Frontalunterricht in Verruf geraten, sollte revitalisiert werden. Die einen beteiligen sich, die anderen hören zu – und alle können profitieren. 

      Am Computer ist der Schüler allein, im Kontakt mit einer Maschine, ohne menschliches Feedback. Aber nicht nur das. Er wird auch kontrolliert, er liefert Daten ab – über sein Lernverhalten, seine Leistungen, seine Konzentrationsfähigkeit. Diese algorithmischen Steuersysteme sollten mit äußerster Vorsicht im Unterricht eingesetzt werden. Denn bei den aktuellen IT-Konzepten für Bildungseinrichtungen stehen laut UNESCO-Bericht „2023 Global Education Monitor“ nicht das Lernen und der pädagogische Nutzen im Mittelpunkt, sondern wirtschaftliche Interessen der IT-Anbieter und Aspekte der Datenökonomie. Zudem: Mit Lerntools kann man vielleicht Vokabeln lernen, Grammatikstoff trainieren – aber wie soll man sich über den Helden im Drama eine Meinung bilden?

      War Galilei klug oder einfach feige, als er widerrufen hat? Wie stellt Bert Brecht das im „Leben des Galilei“ dar? Also: nicht nur automatisierte Kompetenzen erwerben! Es braucht weit mehr. Ein Lehrer kann Weichen stellen, die einen das ganze Leben begleiten. Hierzu hörten die Tagungsteilnehmer eindrückliche Beispiele. Manchmal reichen ein paar Sätze – im richtigen Moment mit echtem Gefühl gesagt, und ein schlechter Schüler beginnt zu lernen. „Du kannst so toll schreiben. Lies das vor!“ Oder „Du kannst in Mathe besser sein als die anderen. Streng dich an! Ich korrigiere dir alles.“ 

      Dieser Zuspruch hat Wunder gewirkt.  Wichtig: Neben der Ermutigung, der emotionalen Zuwendung, braucht es das Fordern. Lernen ist auch anstrengend. Aber der Erfolg nach dem Lernen, die guten Noten - sie motivieren und beflügeln. Leider konzentriert sich die Bildungspolitik nicht auf die Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit, sondern investiert Milliarden von Euro in die Akzentverschiebung von Bildung zu sogenannter digitaler Lernkultur. Ein weiteres Problem: Die Lehrer sehen sich mit einer Überfrachtung der Schule konfrontiert.

      Mit zunehmender Bürokratie müssen immer mehr Aufgaben bewältigt werden, ohne die notwendigen Ressourcen. Wen wundert es, dass sich so viele Lehrer wie noch nie frühpensionieren lassen oder sich ins Burnout verabschieden?  Der zunehmende Lehrermangel muss Sorgen bereiten. Ausfallende Stunden mit digitalen Lerneinheiten kompensieren? Das kann nicht die Lösung sein. Auf die inspirierenden Vorträge folgten angeregte Diskussionen. Ein Beispiel: Die Auswirkungen der Digitalisierung in der Praxis eines Kinder-und Jugendarztes sind gravierend. Wir müssen uns dem «Kontaktzauber der Medien» entgegenstellen. Wann zieht die Politik endlich Konsequenzen?

      Wie lange wollen wir noch zuschauen? So das Fazit des Arztes. Diese und viele weitere Voten zeigten das Ausmaß der Bildungsmisere. Eine echte Wende zurück zur Pädagogik ist dringender denn je. Darin waren sich alle einig.   Zur Tagung liegt bereits ein Kongressband mit dem gleichnamigen Titel „Die pädagogische Wende“ vor, herausgegeben von Ralf Lankau, gerade erschienen im Beltz Verlag.

    Kommentare
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    Vielen Dank an Herrn Joachim Bettermann für seinen Einsatz für die schutzlosen Schüler in der corona Zeit! Es war sehr rührend Ihnen zuzuhören.
    Gott segne Sie


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