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    Mittwoch, 11. Dezember 2024, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 11. Dezember 2024

    Es war ein Laborunfall und keine Fledermaus: Ein US-Ausschuss hat die Freisetzung des Virus Sars-CoV-2 akribisch untersucht. Der Physiker Roland Wiesendanger hat die These des Unfalls in einem chinesischen Labor schon vor vier Jahren vertreten. Was bezweckt Israel mit der Offensive in Syrien nach dem Sturz des Assad-Regimes, und wie steht die eigene Bevölkerung dazu? Einschätzungen gibt es von Nathan Gelbart, Rechtsanwalt in Berlin und Tel Aviv. Ein „Energieeffizienzgesetz“ soll in Deutschland bis 2030 zu massiven Energiespareffekten führen. Unternehmen fürchten einen Schaden für den Wirtschaftsstandort. Alexander Eisenkopf, Professor für Wirtschafts- und Verkehrspolitik, hat sich mit den möglichen Folgen beschäftigt. Und in seinem Kommentar beleuchtet Markus Vahlefeld das neue Selbstverständnis von Nachrichtenagenturen.

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    Wissensmanufaktur – Kühn durch die Zeitenwende

    Interview 1

    Roland Wiesendanger: Laborunfall ohne Fledermäuse

    Interview 2

    Nathan Gelbart: Welchen Plan verfolgt Israel in Syrien?

    Interview 3

    Alexander Eisenkopf: Was das Energieeffizienzgesetz aus Deutschland macht

    Kommentar

    Markus Vahlefeld: Nachrichtenagenturen als Regierungslautsprecher

    In Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, war die Welt groß und märchenhaft. Dann wurde sie entdeckt, vermessen und kartografiert, was den großen Soziologen Max Weber zu dem Urteil der „Entzauberung der Welt“ führte. Heute, so kann man konstatieren, ist die Welt wieder groß und märchenhaft, und man könnte fast zu dem Schluss gelangen, die Aufgabe der Medien sei es, die Welt wieder zu verzaubern. Und damit meine ich gar nicht einen Claas Relotius, der für die „Spiegel“-Redaktion, etliche Preiskommitees und natürlich für den Oberlehrer-„Spiegel“-Leser Reportagen verfasste, an denen wirklich alles gelogen war. Er schrieb sie, weil es einen Bedarf nach seinen Lügen gab. Und sie zeigten eine linke Welt aus Wille und Vorstellung. Dem großen Weltentdecker Alexander von Humboldt wird der Satz zugeschrieben: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung derer, welche sich die Welt nie angeschaut haben.“

    Hand aufs Herz! Wer hat vor wenigen Tagen überhaupt nur daran gedacht, die Herrschaft Assads in Syrien sei nur noch im einstelligen Tagesbereich zu bemessen? Kamen Krieg und Sturz in Syrien so überraschend, dass es wirklich niemand vorhersehen konnte? Oder leben wir an den Zitzen einer Medienillusion, die uns die Welt nur scheibchenweise zumuten will? Vor allen Dingen: Die Medien bringen uns eine Welt nahe, die so nicht ist, wie sie es gerne hätten. Ein schönes Beispiel war vor wenigen Tagen die DPA-Meldung über einen Satz, den die Frau Außenministerin, Annalena Baerbock, auf der OSZE-Konferenz gesagt hatte. Dort schleuderte sie dem russischen Außenminister Lawrow entgegen, er könne sich selbst etwas vormachen, aber nicht den 1,3 Milliarden Menschen in Europa. ARD und ZDF griffen diesen Satz aus guter Gesinnung und Frauenpower auf und bauten daraus ein Bildchen, das sie landauf, landab vor sich hertrugen. Irgendwann kam einem Großkopferten bei der DPA in den Sinn, dass, egal wie man’s dreht und wendet, Europa nicht mehr als 750 Millionen Einwohner hat. Das Zitat war also ein klassischer Baerbock wie schon die 360-Grad-Wende. Was aber machte die DPA? Sie änderte flugs das Zitat, das nun lautete, dass Lawrow den 1,3 Milliarden Menschen in der OSZE nichts vormachen könne. So habe es die Außenministerin ja gemeint.

    Die DPA machte sich also zum amtlichen Verlautbarer des Außenministeriums, was mit der Millionenförderung, die die DPA seit 2021 von der Bundesregierung erhalten hat, natürlich nichts zu tun hat. Wörtliche Zitate zu ändern, weil man weiß, wie es jemand gemeint haben könnte, ist alles, aber kein Journalismus. Das ist unanständig und widerspricht allen Selbstverpflichtungsregeln und der Medienethik, die ja dazu dienen soll, Fake News von richtigen Meldungen unterscheiden zu können. Eine weitere Säule der Medien wird momentan ebenfalls geschleift: der Quellenschutz. „Apollo News“ deckte auf, dass zwei Journalisten vom öffentlich-rechtlichen MDR eine Beschwerde über den Leiter des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, an ebendiesen Stephan Kramer weitertrugen und ihre Quelle offenbarten. Nun ist Stephan Kramer für eine gewisse schmutzige Besessenheit mit der AfD bekannt. Auf ihn gehen die meisten Verleumdungen zurück, die die AfD als „gesichert rechtsextrem“ einstufen sollen. Eine Befähigung zum Richteramt, wie die Thüringische Verfassung zwingend vorschreibt, hat er auch nicht, aber er ist ein treuer Diener des Ministerpräsidenten und ewigen Kämpfers gegen „rechts“, Bodo Ramelow, den ich gerne U-Boot-Kommunist nennen würde, aber nicht weiß, ob das nicht schon justiziabel ist.

    Und genau dieser Kampf gegen „rechts“ muss reichen, damit Journalisten den Quellenschutz aufgeben und alles verraten, was ihren Berufsstand zu dem machte, was man die vierte Gewalt im Staate nannte. Und wie es um die steht, erkennt man auch daran, dass bisher kein einziges konzernabhängiges Medium diesen Skandal um Stephan Kramer und den deutschen öffentlich-rechtlichen Journalismus aufgegriffen hat. Der Kampf gegen „rechts“ ist eben wichtiger, und das mutet schon fast wie eine Verschwörung an. Dabei sind die Inhalte selbstredend austauschbar durch „Kampf gegen Putin“ oder gerne auch „Kampf gegen den Klimakollaps“. So wurde auch der letzte Woche erfolgte Staatsstreich in Rumänien von den meisten konzernabhängigen Medien einfach weggeschulterzuckt. Putin habe über Tiktok immerhin die Wahl beeinflusst. Beweise? I wo, werden überschätzt. Die offizielle Verlautbarung muss reichen, und der Kampf gegen das Böse ist eben wichtiger als ordentlicher Journalismus. Wenn der Journalismus die vierte Gewalt im Staate war, dann kann man nur froh sein, dass digitale Plattformen wie X und viele andere konzernunabhängige Medien inzwischen zur fünften Gewalt avanciert sind. Ob Syrien, ob Rumänien, ob Baerbock, die relevanten Informationen finde ich schon lange nicht mehr bei den großen Konzernmedien. Sie möchten mir die Welt in ihrem Sinne verzaubern, aber solange die konzernunabhängigen Medien nicht verboten sind, werden die Lügner mit ihren Märchen nicht durchkommen.