Kontrafunk aktuell vom 11. November 2024
In der „Sonntagsrunde“ wurde ein viral gegangenes Video von Donald Trump thematisiert, in dem er ankündigt, sich für die freie Rede einzusetzen. Diese Botschaft des neuen US-Präsidenten war jedoch nicht aktuell. Hören Sie gleich zu Beginn eine Klarstellung von Kontrafunk-Chef Burkhard Müller-Ullrich.
Ist Trump Fluch oder Segen für die deutsche Wirtschaft? Darüber sprechen wir mit Oliver Stock, Herausgeber der Wirtschaftszeitschrift „Business Punk“. Die Auswirkungen der US-Wahl waren auch in der letzten Woche auf dem Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft zu spüren. Findet die EU durch Druck von außen wieder einen gemeinsamen Nenner? Das fragen wir Bence Bauer, Leiter des Deutsch-Ungarischen Instituts. In Amsterdam wurden nach einem Fußballspiel Fans des israelischen Vereins Maccabi Tel Aviv von radikalen Moslems durch die Stadt gejagt. Ist damit eine neue Grenze überschritten worden, und hat der Vorfall Auswirkungen auf die Politik in den Niederlanden? Unser Gast zu diesem Thema ist der Journalist Christoph Lövenich. Und im Kommentar von Frank Wahlig dreht sich alles um die Vertrauensfrage von Kanzler Olaf Scholz.
Burkhard Müller-Ullrich: Richtigstellung zur Sonntagsrunde
Oliver Stock: Folgen von Trumps Sieg für europäische Wirtschaft
Bence Bauer: Nach der Tagung der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Budapest
Christoph Lövenich: Judenhatz in Amsterdam
Frank Wahlig: Ampel und Hütchenspieler
Der kleine Mann zeigt die Zähne – ganz freundlich –, der kleine Mann beißt, noch im Untergang schnappen die Kiefer. Die ARD-Sendung „Miosga“ stellt das Forum. Wie passend – nach den Wasserleichen im Tatort. Da führt sich der Kanzler auf. Die Sendung macht Quote, das ist die öffentlich-rechtliche Währung, und der Mann tut was für all das Mögen, welches ihm die Öffentlich-Rechtlichen entgegenbringen. Gerade in Zeiten wie diesen zeigen schwer Angeschlagene, die ARD und der Nochkanzler, dass Leben in ihnen ist. Der Plan von Scholz könnte also aufgehen. In der TV-Arena lässt die Moderatorin ihn gewähren. Scholz führt sich auf zwischen staatstragend und gefährlich. In Zeiten wie diesen, flüstern Rumpfregierung und gefällige Medien, müsse die Opposition staatstragend sein – und die FDP ersetzen. Erfüllungsgehilfe bei der großen Transformation. Es war doch nicht alles schlecht in den letzten Jahren. Die Union feilscht mit dem Kanzler um dessen Rücktritt. Der Preis: ein Bürokratieentlastungsgesetz. Hört sich gut an: Entlastungen für Bürger und Wirtschaft. Hauptsächlich aber wird der Nochkanzler entlastet. Denn die Akten zu dem größten Steuervergehen der Republik könnten dann geschreddert werden. Die Verwicklungen von Scholz darin interessieren dann nicht mehr.
Der mögliche Dreck am Stecken von Scholz und anderen wird abgewaschen. Um den sogenannten Cum-Ex-Skandal dem Vergessen anheimzugeben, ist das Bürokratieentlastungsgesetz der Schlüssel. Den Preis hat Scholz für sein Abdanken gefordert. Nennt sich „Zusammenarbeit zwischen Demokraten in Sachfragen“, nützt aber vor allem ihm selbst. Die Union überlegt, diesen Preis zu zahlen, wegen „staatstragend“ und „Verantwortung“ und „Zeiten wie diesen“. Scholz dürfte kein Verhandlungspartner mehr sein, für niemanden. Der Mann hat fertig, ist im Untergang gefährlich. Scholz ist für einen wie Merz viel zu slick. Ist bereit zu übelster Nachrede, zu politischer Rache. Wie ein Scholz die FDP vom Hof gejagt hat … alle Achtung. Eine Machtmaschine, die noch einmal aufdreht, bevor der Kolbenfresser eintritt. Scholz ist ein Argument, der Restampel bei nichts zu helfen, ihr demokratisch das Schmiermittel abzudrehen. Ein anderes Argument ist der unterschwellige Antisemitismus der Parteikader. Was ist ein Provinzpolitiker wie Höcke von der AfD, mit seinem ihm unterstellten Antisemitismus gegen eine SPD-Spitzenpolitikerin wie Aydan Özoguz mit ihrem offen zur Schau gestellten Hass auf Israel. Sie kokettiert regelrecht damit und kommt damit durch. Solchen Funktionären zu helfen, verbietet sich.
Wer für rasche Neuwahlen ist, für ein Verschrotten der Ampel, gilt als Nazi, so geschehen in der aktuellen Stunde des Bundestages. Schon klar, wenn einem nichts mehr einfällt. Der Nationalsozialismus ist zum Steinbruch für die Furcht vor demokratischer Veränderung geworden. Und wenn dieses Argument nicht zählt, dann eben der Papiermangel, um ausreichend Wahlzettel zu drucken. Dahinter steckt die berechtigte Angst, die Brandmauer könnte bei bestimmten Themen löchrig werden und schließlich fallen. Dahinter steckt die Furcht einer Absage für eine zukünftige Koalition. Scholz gibt den Respektkanzler im Fernsehen, der Handelnder ist und nicht Getriebener. Es ist gleich, ob bestimmte Gesetzte aufgeschoben werden. Es gibt nichts, das umgesetzt werden müsste. Zum Wohle des Landes erst recht nicht. Zum Wohle von Scholz selbst vielleicht. Mag der Parteikader Anfälle von Nationalbewusstsein bekommen. SPD-Chefin Esken ist so eine, die plötzlich an Deutschland denkt, dabei geht es bloß um die Macht ihrer SPD. Das Erpressungspotenzial der Resteampel ist gering. Eigentlich. Ein Friedrich Merz müsste nur nein sagen. Er müsste etwas wagen. Den Schneid haben, die Sache in die Hand zu nehmen … mit wem auch immer. Damit wäre das Kräfteverhältnis umgedreht. Merz und seine Union haben nicht die Größe und den Mut eigene Gesetze einzubringen und durchzusetzen. Merz wartet ab aus Furcht vor dem Beifall der falschen Seite. Gerade in Zeiten wie diesen hätte die die Union nur den Beifall der SPD zu fürchten. Und im Fernsehen macht der Kanzler doch einen so biederen und freundlichen Eindruck. Scholz hat mit dem Wahlkampf begonnen, das Fernsehen liefert die Bühne dazu. Die Moderatorin ist freundlich – die Kiefer können ganz schnell zuschnappen.

