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    Freitag, 13. Dezember 2024, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 13. Dezember 2024

    Rommy Arndt im Gespräch mit Pierre Heumann, Udo Steinbach und Ramon Schack – Kontrafunk-Kommentar: Cora Stephan

    Was ist von den neuen Machthabern in Syrien zu halten, und wie könnte das Land den Weg zum Frieden finden? Der bekannte Islamwissenschaftler Prof. Udo Steinbach erläutert die Lage. In Georgien protestieren Tausende gegen die Regierung und für einen baldigen Beitritt zur EU. Die Hintergründe erklärt Südkaukasus-Experte Ramon Schack. Mit Benjamin Netanjahu steht erstmals ein amtierender Premierminister Israels vor Gericht, und das mitten im Krieg. Einzelheiten dazu hören Sie aus Tel Aviv von „Weltwoche“-Korrespondent Pierre Heumann. Und im Kommentar des Tages widmet sich Cora Stephan den Kathedralen Europas.

    Interview 1

    Udo Steinbach: Lage in Syrien

    Interview 2

    Ramon Schack: Massenproteste in Georgien

    Interview 3

    Pierre Heumann: Netanjahu vor Gericht

    Kommentar

    Cora Stephan: Die Kathedralen Europas

    „Wir haben wiederentdeckt, wozu große Nationen in der Lage sind: das Unmögliche zu schaffen. Diese Kathedrale ist ein glückliches Sinnbild dafür, was eine Nation sein kann und was die Welt sein sollte“, erklärte Emmanuel Macron bei der festlichen Wiedereröffnung der Kathedrale Notre-Dame de Paris nach dem schweren Brand vor fünf Jahren. „Große Nationen.“ Ach, das tut weh, dieses Pathos, das uns in Deutschland fremd geworden ist. Groß? Das mögen andere sein, nicht wir. Wir bleiben bescheiden, deshalb sieht die in sechs Jahren Bauzeit umgestaltete katholische Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin auch entsprechend aus. Ein großer leerer Raum, „weiß und luftig“, weiß auch die Orgel, Stuhlreihen wie beim Stuhlkreis und in der Mitte ein halbiertes Ei. Weiß. Der Altar! „Die Stahlkonstruktion (für die Kuppel) erinnert an den Kühlturm eines Atomkraftwerkes“, konstatiert die nüchterne Berichterstatterin. Martin Mosebach würde das die „Häresie der Formlosigkeit“ nennen, aber es geht natürlich um weit mehr, denn Klerus und Laien werden sich in dieser Kirche künftig barrierefrei auf einer Ebene versammeln. Also ein „Abbau von Grenzen“, passend zum Kirchenasyl. 

    Nicht nur bei den Protestanten gibt es also „Stricken gegen rechts“ in der Kirche. Und dazu passt kein Hinweis auf „große Nationen“. Nun, man darf Emmanuel Macron durchaus unterstellen, dass er selbst sich mit Umweg über die wiederauferstandene Kathedrale als Führer einer großen Nation präsentieren wollte, es steht ja gerade nicht ganz so gut um Frankreich. Andererseits hat er recht. Die Wiederherstellung von Notre-Dame wurde durch Spenden finanziert, Spenden der Franzosen. Schon zwei Tage nach der Katastrophe brachten Multimillionäre und Konzerne eine Milliarde Euro auf. Nebenbei: Auch zwei ungarische Kleinstädte spendeten jeweils 10.000 Euro, weil ihnen Paris vor 140 Jahren bei einem Hochwasser geholfen hatte. Macron, hochtönend: „Eine Bruderschaft derer, die auf allen Kontinenten gespendet haben, aller Religionen, aller Vermögen, die durch die Hoffnung vereint und in ihren Mauern versammelt sind.“ Doch der hohe Ton hat es womöglich getroffen. „Das ist nicht nur Stein und Holz, Notre-Dame hat Symbolik“, analysiert eine Psychologin. „Es geht um den Kern einer französischen und einer europäischen Identität, die uns allen näher ist.“ 

    Das ist der Punkt. Die gotischen Kirchen Frankreichs sind und waren stets das große Werk eines vom christlichen Glauben beflügelten Volks (das mit der Nation kam erst weit später.) Es waren die Steinmetze und Bildhauer, die Schreiner und Zimmerleute, die Maler und die Orgelbauer, die Glockengießer, die Künstler, die die Glasfenster schufen. Ganz am Rande diejenigen, die sich selbst womöglich mit solchen Bauten ein Denkmal setzen wollten, also die Kleriker, die damit das Volk ausbeuteten, wie es die linke Folklore will. „In einem Zeitraum von drei Jahrhunderten – von 1050 bis 1350 – wurden in Frankreich mehrere Millionen Tonnen Steine für den Bau von achtzig Kathedralen, 500 großen Kirchen und einigen Zehntausend Pfarrkirchen gehauen. Das bedeutet, dass im Frankreich jener drei Jahrhunderte mehr Steine hin- und hergekarrt wurden als zu irgendeiner Zeit im alten Ägypten, rechnet ein Historiker vor. Handarbeit ohne die technischen Hilfsmittel, die man heute zur Verfügung hat. 

    Warum diese Größe – näher, mein Gott, zu dir? Der Kölner Dom (Baubeginn 1248) überragte bis 1884 alle und alles. Und was die Ausmaße betrifft – ummauerte Fläche, Fassungsvolumen – ist womöglich der Petersdom die größte Kirche der Welt. Mittlerweile schickt sich die noch junge Sagrada Família in Barcelona an, am höchsten in den Himmel zu ragen. Diese Kathedralen faszinieren noch immer mehr als jeder moderne Büroturm – die ältesten Hochhäuser von Chicago vielleicht ausgenommen. Auch viele, die weder den katholischen noch den protestantischen Glaubensverwaltern trauen und auch sonst nicht sehr gläubig sind, haben Respekt vor der Leistung der Vorfahren. Doch einigen fehlt dieser Respekt und man darf vermuten, dass sie weder den christlichen Glauben respektieren noch das europäische Erbe. Zu den mittlerweile täglichen Angriffen auf Kirchen aber hat sich Emmanuel Macron nicht geäußert – aber er feiert sich in Notre-Dame. Das nehmen einige übel. Die gotischen Kathedralen sind die Verkörperung des altehrwürdigen Europa. Doch kann es sein, dass die grandiosen Kunstwerke unserer Kultur von den säkularen Europäern weniger ernst genommen werden als von jenen, die sie in Brand setzen? Fanatisierte Muslime wissen, was sie tun, wenn sie die lästigen christlichen Symbole abfackeln – oder, wie jüngst in Essen, „Allahu akbar“ rufend zu Hunderten den Weihnachtsmarkt stürmen, den manche vorauseilend bereits in „Wintermarkt“ umbenannt haben. Feigheit ist Verrat an der eigenen Kultur.