Kontrafunk aktuell vom 20. Juni 2025
Israel bombardiert den Iran, um eine nukleare Bewaffnung des Landes zu verhindern. Doch wie weit sind die Mullahs von der Atombombe entfernt? Hören Sie eine Einschätzung des Kernphysikers und Buchautors Dr. Hans Hofmann-Reinecke. Wie der Krieg zwischen Israel und dem Iran weltweit wahrgenommen wird, behandelt Ines Taraschonnek im Kommentar des Tages. Fünf Jahre nach Beginn der Corona-Zeit wird in Deutschland wieder über die exorbitanten Ausgaben des damaligen Gesundheitsministers Jens Spahn für Maskenbeschaffungen diskutiert. Wird die Affäre für ihn Konsequenzen haben? Dazu ein Gespräch mit Rechtsanwalt Dr. Manfred Kölsch. Der „Kampf gegen rechts“ ist inzwischen zu einer Hysterie geworden, und er soll vor allem davon ablenken, wer in Europa wirklich Demokratie und Freiheit bedroht. Diese Ansicht erläutert der österreichische Autor und Verleger Werner Reichel.
Hans Hofmann-Reinecke: Irans Atomprogramm
Manfred Kölsch: Jens Spahns Maskenaffäre
Werner Reichel: „Kampf gegen rechts“
Ines Taraschonneck: Weltkrieg oder Weltfrieden?
Dass es im Nahen Osten brennt, fühlt sich an wie ein nie zu Ende gehendes Déjà-vu. Was sich ebenso nie zu ändern scheint, ist, dass die Menschen weltweit unverzüglich und hoch emotionalisiert Partei ergreifen. Wie wirkmächtig der an einen pawlowschen Reflex erinnernde psychologische Mechanismus funktioniert, zeigt der aktuelle Krieg zwischen Israel und dem Iran. Dabei argumentieren die Verteidiger des Iran, der Angriff Israels sei völkerrechtswidrig und unprovoziert. Immerhin habe Teheran seit Jahren keinen Krieg begonnen, und der Vorwurf, die Mullahs würden den Bau einer Atombombe anstreben, sei eine ähnliche Lüge wie seinerzeit jene über die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein. Die Israel-Fraktion hingegen bestreitet dies und rechtfertigt den Angriff als Präventivschlag. Der Iran habe schließlich und tatsächlich kurz davor gestanden, eine atomwaffenfähige Infrastruktur zu vollenden. Welche Seite hat recht? Fest steht, dass iranische Abgeordnete erst im Oktober letzten Jahres die atomare Bewaffnung des Landes gefordert haben. Fest steht auch, dass es vor wenigen Wochen aus dem iranischen Parlament tönte, mit der vorhandenen Technologie sei es dem Land nun jederzeit problemlos möglich, Nuklearwaffen zu bauen.
Darüber hinaus war es nie ein Geheimnis, dass der Plan, Israel auszuradieren, schon lange ganz oben auf der Wunschliste des Mullah-Regimes rangierte. Und ebenso bekannt ist, dass Teheran islamistische Terrororganisationen unterstützt, darunter sogar die sunnitische Muslimbruderschaft, die laut einem kürzlich an die Öffentlichkeit gelangten Bericht des französischen Innenministeriums seit Jahren westeuropäische Länder infiltriert. Also ist Israel der Held? Wer darauf eine ehrliche Antwort geben will, kann die jahrzehntelange Unterdrückung der Palästinenser ebenso wenig ignorieren wie die damit im Zusammenhang stehende aggressive israelische Siedlungspolitik. Das offene Bekenntnis zu einem „Groß-Israel“ hat immer wieder für internationale Kritik gesorgt. Nicht nur, dass Premierminister Benjamin Netanjahu 2023 auf der UN-Vollversammlung eine Israel-Karte samt Gazastreifen und Westjordanland präsentierte. Auch die Anfang des Jahres vom israelischen Außenministerium veröffentlichte Landkarte, mit der Teile Jordaniens, Syriens und des Libanon beansprucht wurden, versetzte insbesondere die arabische Welt in Aufruhr. Nicht verdrängt werden darf zudem, wie Netanjahu das israelische Volk während der Corona-Krise an die Pharmaindustrie verkaufte. Schon 2021 brüstete er sich in einem Interview, Pfizer-Chef Albert Bourla damit beeindruckt zu haben, dass sich das Land aufgrund seines digitalisierten Gesundheitssystems als perfektes Versuchslabor für Covid-Vakzine eigne.
Und dann ist da noch Israels Atomwaffenbesitz. Dieser wird bis heute nicht offiziell eingeräumt, wenngleich ein israelischer Nuklearwissenschaftler dem Geraune um die Existenz eines geheimen Atomprogramms schon 1986 mit konkreten Details ein Ende setzte. Sollte dem Land jemals der Untergang drohen, könnte Israel die sogenannte Samson-Option erwägen. Dabei würde die nukleare Selbstauslöschung die gesamte Region mit in den Abgrund reißen. Alles in allem wohl nicht so ganz der Stoff für eine tadellose Heldengeschichte. Und dennoch. Auch wenn es den moralischen Kompass triggert, dürfte Netanjahu der Welt und womöglich auch dem iranischen Volk gerade einen Dienst erweisen. Der allseits herbeigesehnte Weltfrieden wäre mit einer Atombombe in den Händen eines psychopathischen iranischen Regimes trotz aller Bemühungen Moskaus für sehr lange Zeit nur eine Fata Morgana geblieben. Und für das iranische Volk könnte sich jetzt die Gelegenheit bieten, gegen das Mullah-Regime aufzubegehren. Die These, dass dies eines der Motive für Israels Angriff war, wird nicht zuletzt durch Netanjahus jüngste Äußerungen gestützt. Wäre es wünschenswert, die Welt würde sich an die Star-Trek-Sternenflotten-Direktive der Nichteinmischung halten und die Völker ihren eigenen Weg zur Befreiung finden lassen? Definitiv.
Andererseits stellt sich dann aber grundsätzlich die Frage, wie genau sich Menschen innerhalb eines bewaffneten und repressiven Regimes ohne äußere Unterstützung erfolgreich zur Wehr setzen sollen. Für den Nahen Osten bleibt derweil zu konstatieren, dass der Weg für die Abraham-Verträge und damit für die Befriedung der Region erst dann wirklich frei sein wird, wenn die Ayatollah-Herrschaft in Teheran endet. Gleichzeitig hat Netanjahus Israel fast nebenbei und dennoch unübersehbar das Ende des historisch bedingten Glaubenssatzes seiner moralischen Unangreifbarkeit eingeläutet. Sowohl außen- als auch innenpolitisch befindet sich das Land inzwischen in einer tiefen Krise. Doch über die Zukunft Israels wird das israelische Volk entscheiden. Nicht die deutsche Staatsräson und auch nicht die weltweite jüdische Gemeinde, deren Mitglieder, wie der israelische Historiker Shlomo Sand einst kommentierte, zwar nicht in Israel leben, sich jedoch das Recht auf Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes herausnehmen, indem sie es quasi als Zweitwohnsitz beanspruchen. Und der Rest der Welt? Der sollte sich endlich daran erinnern, dass die wahren Gegner der Idee vom Weltfrieden noch nie durch die Haltungsbekundungen einer größtmöglichen Anzahl emotional manipulierter und damit mental kompromittierter Menschen gestoppt wurden.

