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    Mittwoch, 28. Mai 2025, 5:05 Uhr
    Mittwoch, 28. Mai 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 28. Mai 2025

    Wie ist der Beschluss eines Pandemievertrages durch die WHO zu bewerten? Die Schweizer Anwältin Andrea Staubli analysiert das Dokument für uns. Der Thyssenkrupp-Konzern soll zerschlagen werden. Ursachen und Hintergründe erläutert der nordrhein-westfälische Unternehmer Hans-Bernd Pillkahn. Eine Bremer Initiative möchte mit einer Veranstaltungsreihe die Aufarbeitung der Corona-Politik voranbringen und sieht sich mit Sabotage und Gewalt konfrontiert. Der Bremer Arzt und Mitorganisator Jürgen Borchert gibt einen Einblick. Und Katharina Schmieder kommentiert die diesjährige Republica-Konferenz in Berlin, die sich analogen Krisen, Katastrophen und Kriegen widmet.

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    Interview 1

    Andrea Staubli: Wie die WHO beim Pandemievertrag trickst

    Interview 2

    Hans-Bernd Pillkahn: Die Zerschlagung von Thyssenkrupp

    Interview 3

    Jürgen Borchert: Wird in Bremen die Corona-Aufarbeitung systematisch sabotiert?

    Kommentar

    Katharina Schmieder: Die Digitalmesse Republica

    Die Republica beschreibt sich als eine Konferenz für die digitale Gesellschaft. Das jährliche Spektakel in Berlin ist das größte seiner Art in Europa. Doch wer sich dieses Jahr über digitale Trends informieren will, braucht Nerven aus Stahl. Den Auftakt moderiert Nils Bokelberg, einst Gesicht des Musiksenders Viva. Zur Feier des Tages sind seine Nägel rot lackiert. Man ist stolz, dass die Republica mit „Flinta only“-Toiletten ausgestattet ist und für den Notfall stehen „Awareness-Teams“ bereit. Für die seelische Balance bieten die Veranstalter Meditation, Yoga und „Breathwork“ an. Der WDR bespielt seine eigene Bühne: das Europa-Forum. „Monitor“-Mann Restle, ein Vorzeigeexemplar des öffentlich-rechtlichen Haltungsjournalismus, ist im Gespräch mit der Historikerin Hedwig Richter. Restle beschwört düstere Zeiten herauf. Der Faschismus stünde vor der Tür. Drunter geht es nicht. Die Historikerin will Restle beschwichtigen, dass es heute keineswegs so sei wie damals in der Weimarer Republik. Und auch Richters Exkurs in die Demokratietheorie will Restle nicht davon abbringen, dass der Faschismus am Horizont aufziehe. In den USA ist es Trump, in Europa bricht die Dystopie über Ungarn herein, und Ostdeutschland ist ohnehin verloren. Restle spricht wörtlich von einer „Remigrationsdebatte“, die geführt würde. Potsdam hat Spuren hinterlassen.

    Auf einer anderen Bühne predigt Markus Beckedahl: grünes Parteibuch, Digitalexperte des ZDF, Chefredakteur bei Netzpolitik.org und einer der Initiatoren der Republica. Er spricht vom „digitalen Faschismus“. Es sind die Tech-Milliardäre, die das Gemeinwohl gefährden und die Demokratien mutwillig zerstören. Trump sei rechtsradikal, der Putsch würde mittels digitaler Anwendungen in den USA durchgeführt. Die Software Palantir würde dazu genutzt, um wortwörtlich „Deportationslisten“ zu erstellen. Die Trump-Administration sei zutiefst korrupt, da Jeff Bezos 40 Millionen Dollar gezahlt habe, um die Lebensgeschichte von Melania Trump bei Amazon Prime zu bringen. Zuckerberg sei ein „Fan Boy“ von Trump und als Zeichen seiner Unterwerfung habe er „Community Notes“ bei Meta eingeführt und die Faktenchecker rausgeschmissen. Der unbarmherzigste Sensenmann der westlichen Welt sei jedoch Elon Musk, verkündet Beckedahl. Das Unheil, das Musk über die Welt bringt, manifestiere sich vor allem am Twitter-Algorithmus. Musk soll die Ingenieure bei Twitter angewiesen haben, dass seine Posts maximale Reichweite erzielen. Und die seiner ideologischen Buddys. Beckedahl verortet darin eine hochtoxische Manipulation, die das Zeug dazu hat, die menschliche Zivilisation unwiederbringlich zu schreddern. 

    Und weil auf der Republica Politik gemacht wird, gibt Kanzler Merz dem WDR eine Audienz. Im Gefälligkeitsinterview mit Markus Preiß vom ARD-Hauptstadtstudio illustriert Merz, dass es um Deutschlands Führungsrolle ginge und wie er das jetzt alles so einfädelt. Von der Jugend fordere er Einsicht, dass eine Wehrpflicht nun mal ein einwandfreier Deal sei. Immerhin gibt’s für so ein bisschen Freiheitsentzug ein klasse Angebot von diesem deutschen Staat. Zu den Highlights dieses All-inclusive-Pakets äußert er sich nicht. Um Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit geht es auch bei dem WDR-Talk für das junge Publikum. Und weil man immer noch auf einer Digitalmesse ist, nennt der WDR diese Podiumsdiskussion „Call of Duty“. Früher diagnostizierten Experten dem Ego-Shooter-Kriegsspiel „Call of Duty“ allerlei Radikalisierungspotenzial. Das Spiel war schuld, wenn ein Jugendlicher Amok lief und eine Schneise der Verwüstung hinterließ. Als 2019 der Attentäter von Halle seinen Anschlag live streamte, analysierte die deutsche Presse, dass das eben mit Ego-Shootern zu tun habe und Gaming eine „Pipeline nach rechts“ sei. 

    In Zeiten der Zeitenwende mausert sich „Call of Duty“ zu einem passablen Motto, um jetzt über die Wehrpflicht zu diskutieren. Das Gespräch moderiert ÖRR-Youngstar Victoria Reichelt, die eine launige Anekdote zum Titel „Call of Duty“ anbringt: Sie habe im „Späti ihres Vertrauens“ Unterlagen zur Sendung ausgedruckt. Dort sei sie angesprochen worden, ob sie das Spiel „Call of Duty“ zocken würde, was sie verneinte. Es bleibt mehr als fragwürdig, dass Kriegstüchtigkeit mittels „Gamification“ jungen Leuten schmackhaft gemacht werden soll. Kiezgeschichten aus dem Späti taugen nicht dazu, diesen Umstand zu kaschieren. Wer meint, dass es auf der Republica um Influencer auf Instagram, KI-Trends für die Wirtschaft oder den Dauerbrenner „Nutzerdaten im Netz“ gehen würde, der irrt. Es geht um Krisen, um Katastrophen und um Kriege. Auf der Republica steht die Welt am Abgrund. Jetzt wird klar, warum es „Awareness-Teams“ und „Breathwork“-Übungen braucht, um die Republica zu überstehen.