Kontrafunk aktuell vom 1. November 2024
Wird Deutschland zur digitalen Kolonie – abhängig von den großen Tech-Konzernen und dem Gutdünken eines US-Präsidenten? Möglicherweise ist das schon passiert. Über digitale Souveränität sprechen wir mit dem Informatiker Prof. Harald Wehnes. Mit dem EU-Parlamentarier Prof. Hans Ludwig Neuhoff blicken wir nach Georgien: Dort ist Neuhoff als Wahlbeobachter im Einsatz gewesen, und der AfD-Politiker fürchtet nun eine von außen gesteuerte Farbrevolution. Im Gespräch mit dem Dokumentarfilmer Moritz Enders geht es um Nato-Uranmunition in Serbien, und Frank Wahlig kommentiert den Indianerstreit im Berliner Stadtschloss.
Hans Ludwig Neuhoff: EU will Georgien kapern
Harald Wehnes: Deutschland, die digitale Kolonie
Moritz Enders: „Toxic Nato“ und die Folgen des Krieges
Frank Wahlig: Lindenberg-Lieder woke
Es sind die Kleinigkeiten, das so dumm Dahergesagte oder in diesem Fall -gesungene. Das Kleine steht für das Große, welches Stück für Stück erreicht werden soll. Ein andere Nation mit neuen Traditionen. Es geht um die Transformation, die totale Veränderung unserer Gesellschaft, unseres Landes und seiner Kultur. Hier ist es nur ein Wort, das nicht gesungen wird, da ein Bild, das abgehängt wird, dort ein Begriff, der aus einem Buch gelöscht wird. Es sind die Woken, die erwachten städtischen Eliten, die werkeln wie die Zwerge im Bergwerk. Die auf Gegen-rechts-Demos mitlaufen, wie ferngesteuert. Das sind sie auch. Gemeinsam ist ihnen die Verachtung des Eigenen. Dieses Land und seine Kultur ist ihnen ein Baukasten. Die Steine werden neu zusammengefügt. Wie es ihnen und ihren Finanziers gefällt. Die Finanziers sitzen in der Regierung, fördern mit Staatsknete die Transformation der Kultur. Staatsknete, das ist das Steuergeld der Bürger, die umerzogen werden sollen. Die Finanziers sitzen auch anonym im Ausland und verteilen Agora-, Bertelsmann-, Soros- und Gates-Geld. Ihre Zeit wird knapp, das spüren sie – lange geht die Nummer nicht mehr gut. So etwas wie bürgerliche Empörung kommt auf.
Zur Sache: eigentlich eine Petitesse. Berliner Chöre haben das „Sonderzug nach Pankow“-Lied von Udo Lindenberg eingeübt. Der Song ist über vierzig Jahre alt. Erich Honecker wird darin als „Oberindianer“ angesprochen. In dem Begriff „Oberindianer“ schwinge die Gewaltgeschichte der Kolonisierung indigener Bevölkerungsgruppen mit. Das Wort werde von vielen indigenen Menschen und von vielen Besuchern als diskriminierend und rassistisch verstanden, schreibt das Humboldt-Forum in einer Stellungnahme. Anstatt „Oberindianer“ singen die Chöre jetzt ein langes I. Das tun sie tatsächlich. Ein langes I. Das ist dieselbe Geisteshaltung, die aus dem Kinderbuch „Pipi Langstrumpf“ den „Negerkönig“ gestrichen hat, die Tom Sawyer rassistisch gereinigt hat. Diese städtischen, von der Politik ausgehaltenen Eliten sind heimatlos, entwurzelt und bindungslos aber ohne Hemmungen. Nur dem Zeitgeist verpflichtet.
Das Humboldt-Forum wird von Kulturstaatsministerin Claudia Roth wesentlich finanziert. Wir bleiben der Einfachheit halber beim Humboldt-Forum, wie das wiedererrichtete Schloss in der Mitte Berlins heißt. Claudia Roth: Sie ist laut, und mit ihr zu diskutieren ist ein Wortgefecht, welches nur Claudia Roth gewinnt. Auf der Kuppel des Berliner Schlosses steht ein Kreuz. Das wollte sie weghaben. Das Kreuz stehe nicht für Weltoffenheit und Willkommenskultur, sagte sie. Um die Kuppel herum ist ein Bibelzitat eingelassen. Ohne Fernrohr ist es nicht zu lesen. Aber es steht da, wie es vor 150 Jahren da stand. Claudia Roth wollte das Bibelzitat mit einer Lasershow unkenntlich machen. Wegen Christentum und Monarchie und so. Sie wollte zerstören, kaputtmachen. „Überschreiben“ heißt das in der neuen Sprache der woken Mischpoke. Claudia Roth kann das alles fordern, weil sie zahlt das alles aus ihrem Budget. Was ihr so im Kopf herumgeht, kann sie umsetzen. Sie hat die Mitarbeiter, die politische Macht und das Geld der Steuerzahler. Die von ihr Geförderten sitzen wie fette kastrierte Kater an den Pforten der Kultur. Als ob es kein Morgen gäbe.
Es gibt ein Morgen. Die Nacht hat acht Stunden, dann folgt schon der Tag, wie Bert Brecht schrieb. Die Empörung über ein nicht gesungenes Wort ist ein Anfang. Es sind manchmal die Kleinigkeiten, die zählen. Dann folgt Kritik an den Geldgebern, in diesem Fall an der sogenannten Kulturstaatsministerin. Dann Kritik an der Regierung, die transformieren will auf jedem gesellschaftlichen Feld. Jetzt ist die Kleinigkeit schon nicht mehr klein, weil Zusammenhänge hergestellt werden. Weil deutlich wird, wie zerstört wird, was das Land ausmacht. Die Zerstörer zeigen ihr Gesicht. Die Heimatlosen, die Nutznießer der Transformation. Also: Singt nur, ihr Berliner Chöre, was politisch korrekt erscheint. Lasst hören, wie Zerstören klingt. Das lange I der Kettensäge.
