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    Mittwoch, 12. November 2025, 5:05 Uhr
    Mittwoch, 12. November 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 12. November 2025

    Gernot Danowski im Gespräch mit Bence Bauer, Jörg Schierholz und Olof Brunninge – Kontrafunk-Kommentar: Elisabeth Dampier

    In Deutschland und Schweden wächst die Sorge vor Clan- und Bandenkriminalität. Während Deutschland auf Prävention und Ausstieg setzt, verschärft Schweden seine Gesetze deutlich. Prof. Olof Brunninge aus Jönköping spricht über die unterschiedlichen Ansätze. Dr. Jörg Schierholz beleuchtet die Frage, wie gefährlich die zunehmende Abhängigkeit von China für die Arzneimittelversorgung ist. Ungarn sichert sich trotz EU-Sanktionen weiterhin russisches Gas – sogar mit US-Unterstützung. Bence Bauer aus Budapest schätzt die Folgen ein. Und im Kommentar von Elisabeth Dampier geht es um den Manipulationsskandal bei der BBC.

    Interview 1

    Olof Brunninge: Anti-Clan-Politik in Schweden und Deutschland

    Interview 2

    Jörg Schierholz: Europas Abhängigkeit von China und Indien bei Arzneiwirkstoffen

    Interview 3

    Bence Bauer: Russisches Öl für Ungarn

    Kommentar

    Elisabeth Dampier: Manipulationsskandal – Der tiefe Fall der BBC

    Noch immer gilt die BBC als die Mutter aller Rundfunkanstalten. Die British Broadcasting Corporation genießt international den höchsten Ruf. Ihre Programme, Serien und Filme werden weltweit ausgestrahlt und in viele Sprachen übersetzt. Ihre Nachrichten gelten als besonders vertrauenswürdig. Nach ihrem Vorbild wurde der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um eine unabhängige, gebührenfinanzierte Berichterstattung zu gewährleisten. Was beide Rundfunkanstalten in England und Deutschland mittlerweile vereint, ist die Kritik, sie berichteten nicht unabhängig und ausgewogen. Nun kam es in Großbritannien zum Eklat: Am Sonntagabend sind der Generaldirektor Tim Davie sowie Nachrichtenchefin Deborah Turness wegen tendenziöser Berichterstattung zurückgetreten. Den letzten Auslöser für die aktuelle Krise lieferte ein Beitrag zur US-Präsidentschaftswahl 2024. In der Sendung Panorama hatte die BBC zwei Aussagen von Donald Trump im Zusammenhang mit den Protesten am Kapitol zusammengeschnitten. Die Aussagen standen jedoch in keinem direkten Zusammenhang und vermittelten fälschlicherweise den Eindruck, Trump habe die Demonstrationen angestachelt. Tatsächlich war die gezeigte Rede bereits mehrere Stunden vor den Ausschreitungen aufgezeichnet worden. Inzwischen droht der US-Präsident der BBC mit einer milliardenschweren Klage, sollte der Sender die Aussagen nicht zurückziehen.

    Im Gegensatz dazu ist in Deutschland bis heute niemand als Konsequenz unausgewogener oder gar falscher Berichterstattung zurückgetreten – und das trotz zahlreicher belastender Funde, die vom ÖRR-Blog gut dokumentiert werden. Die jüngste Häufung von Skandalen bei der BBC wird nun durch ein internes Dossier untermauert, das dem Telegraph vorliegt. Das Dokument wirft schwerwiegende Fragen über die Unternehmenskultur der Sendeanstalt auf – insbesondere darüber, wie diese die journalistische Unparteilichkeit beeinflusst. Laut dem Bericht sollen Mitarbeiter und Führungskräfte, darunter auch Generaldirektor Tim Davie, Hinweise auf parteiliche Tendenzen systematisch ignoriert haben. Brisant ist dabei, dass Davie selbst als gemäßigter Tory gilt und somit zum kleinen konservativen Flügel innerhalb der BBC gezählt wird. Michael Prescott, ein externer Berater und Journalist, der das Dossier über den Bias bei der BBC verfasst hat, meldete offensichtliche Verstöße gegen die journalistische Ausgewogenheit. Er merkte an, dass es ein ähnlich kritisches Programm zur damaligen US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris hätte geben müssen. Prescott hat inzwischen seine Beraterrolle aufgegeben, da die BBC die Vorwürfe bislang zurückwies und nicht darauf reagierte.

    Prescott erklärte außerdem, dass BBC Arabic, der arabischsprachige Kanal der BBC, häufig die Sichtweise der Hamas gegenüber Israel priorisierte, selbst wenn die BBC in anderen Formaten kritisch über die Hamas berichtete. Zudem habe BBC Arabic arabischen Journalisten eine Plattform geboten, auf der offen antisemitische Aussagen gemacht wurden – etwa Juden „wie Hitler“ zu verbrennen, sie als „Teufel“ zu bezeichnen oder palästinensische Attentäter, die israelische Zivilisten ermordeten, als „Helden“ zu bezeichnen. Darüber hinaus wies Prescott darauf hin, dass einige LGBT+-Journalisten der BBC die Transgender-Debatte zensiert hätten, sodass nur transfreundliche Berichte veröffentlicht wurden. Auch BBC Verify, das eigentlich Fakten prüfen soll, habe einen unbelegten Bericht veröffentlicht, in dem behauptet wurde, Autoversicherer seien rassistisch – ein Beitrag, der später zurückgezogen werden musste. Mark Urban, ein angesehener ehemaliger BBC-Journalist, der von 1990 bis 2024 dort arbeitete, machte eine „junge, progressive Belegschaft“ für den Rückgang der Unparteilichkeit verantwortlich. Er nannte einen Fall, in dem ein transfreundlicher Produzent versucht habe, eine Interviewanfrage an J. K. Rowling zu blockieren, weil sie „problematisch“ sei.

    Trotz dieser Entwicklungen ist der Durchschnittszuschauer der BBC über 60 Jahre alt – von einer jugendlichen Zuschauerschaft kann keine Rede sein. Junge Menschen werden durch das Online-Angebot des BBC iPlayer kaum angesprochen. Internationale Streaminganbieter wie Netflix, Disney+ oder Amazon Prime sind mit ihren vielfältigen Formaten längst an der BBC vorbeigezogen. Der digitale Wandel und die sozialen Medien wurden weitgehend verpasst. Tiktok und Instagram dominieren insbesondere bei der Generation Z, während der iPlayer zudem außerhalb Großbritanniens nicht verfügbar ist. All diese Skandale verdeutlichen, dass die BBC in einer tiefen strukturellen und ideologischen Krise steckt. Wehte vor zwanzig Jahren noch ein anderer Wind in den Redaktionen, so ist heute ein klarer Linksdrall erkennbar – sowohl in der Berichterstattung als auch in der internen Kultur. In Großbritannien wird dies inzwischen auch von der Politik deutlich kritisiert und nicht einfach hingenommen, wie es in Deutschland oft der Fall ist. Hinzu kommt, dass man sich in Großbritannien von der Lizenzgebühr befreien lassen kann, wenn man den Dienst nicht nutzt. Darüber hinaus steht die BBC nun in direkter Konkurrenz zu einem neuen Akteur auf dem Markt: GB News. Dieser Sender hat mittlerweile in bestimmten Programmbereichen höhere Einschaltquoten als die BBC – trotz eines deutlich kleineren Budgets. Das wirft letztendlich, ähnlich wie in Deutschland, die Frage auf, ob ein gebührenfinanzierter nationaler Rundfunk, der zudem nicht ausgewogen und neutral berichtet, überhaupt noch zeitgemäß ist.