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    Montag, 19. Januar 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 19. Januar 2026

    Gernot Danowski im Gespräch mit Max Otte, Johannes Benigni und Barbara Kolm – Kontrafunk-Kommentar: Cora Stephan

    In Davos beginnt das Weltwirtschaftsforum. Der Ökonom und Publizist Max Otte beleuchtet den geplanten Auftritt von Donald Trump und die Frage, ob die Veranstaltung dadurch neue Bedeutung gewinnt. In Österreich plant die Bundesregierung eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Dr. Barbara Kolm, Nationalrätin der FPÖ, analysiert, ob Verbraucher wirklich profitieren oder neue Belastungen drohen. Vier Jahre nach Einführung der Russland-Sanktionen zieht Johannes Benigni, Energiemarktanalyst, eine wirtschaftliche Bilanz. Und Cora Stephan kommentiert den aktuellen Freiheitskampf im Iran und die historische Verantwortung europäischer Linker.

    Interview 1

    Max Otte: Trump in Davos

    Interview 2

    Barbara Kolm: Mehrwertsteuerermäßigung in Österreich

    Interview 3

    Johannes Benigni: EU-Sanktionen gegen Russland verteuern Rohstoffe und Energie

    Kommentar

    Cora Stephan: Die Linken und die Mullahs

    Wir wissen Stand heute nicht, wie es ausgehen wird im Iran, ob es dem verbrecherischen Regime gelingen wird, die Proteste in einem Blutbad niederzuschlagen. Doch die Geschichte der Okkupation Persiens durch den Islam hält eine Botschaft bereit, die man endlich zur Kenntnis nehmen muss: Es war die europäische Linke, welche die Mullahs an die Macht gebracht hat. Das Bündnis zwischen Linken und dem Islam – französisch „Islamogauchisme“ – war und ist nichts anderes als beschämend. Die Älteren, „Alt-68er“, werden sich erinnern, wie es am 2. Juni 1967 zu heftigen Protesten gegen den Besuch des persischen Operettenkönigs Schah mit seiner Farah Diba in Berlin kam, ein glamouröses Paar, stets schwärmerisch präsent in den bunten Blättern, Repräsentanten eines autoritären Regimes. Viele waren beeindruckt und beeinflusst von den Erzählungen der eloquenten Perser, die vor dem Schah nach Deutschland geflohen waren. Doch viele von ihnen, was dem damaligen Zeitgeist auch in Deutschland entsprach, waren links bis sehr links. Und so hatten etwa die Kommunisten der Tudeh-Partei Hand in Hand mit den Anhängern der Theokratie gegen den Schah demonstriert, der das Land modernisiert und zu einer festen Stütze westlicher Vorherrschaft gemacht hatte. Genau das war der Punkt, weshalb die Linken ihn nicht mochten.

    Die linke intellektuelle Elite Europas applaudierte vielmehr den Mullahs – Michel Foucault etwa, aber auch Jean-Paul Sartre. Während man das zweifellos autoritäre Regime des Schahs bekämpfte, sah man über die autoritäre (maoistische) Linke hinweg, die ganz gewiss keine Alternative bot. In Deutschland war das Beschweigen der Verbrechen unter der Herrschaft Stalins oder Maos auch eine Folge des sogenannten Historikerstreits der 1980er-Jahre mit der Betonung der Singularität der nationalsozialistischen Verbrechen als das absolut Böse. Der Verrat der Linken am Volk, das sie zu befreien behaupteten, geriet aus dem Blick. Wie um Himmels willen konnte man sich mit dem alten Bärtigen zusammentun, mit Ruhollah Khomeini, der mit einem Jumbo aus seinem französischen Exil in den Iran gebracht wurde? Mit Gandhi verglich manch einer ihn, er genoss nicht nur die Unterstützung der französischen Regierung, sondern auch irritierende Lobpreisung im linken Teil der Öffentlichkeit. Nur die italienische Journalistin und Schriftstellerin Oriana Fallaci zeigte sich wenig andachtsvoll, sie interviewte den alten Herrn und fragte ihn: „Warum zwingen Sie die Frauen, sich wie ein Bündel unter einem unbequemen und absurden Kleidungsstück zu verstecken, in dem man weder arbeiten noch sich bewegen kann?“ Doch aus der Spontiszene in Frankfurt gab es eine feministische Gegenstimme: Die Burka sei doch irgendwie eine feine Sache, weil sie die Konkurrenz unter Frauen abschaffe. Was waren das nur für bizarre Bündnisse.

    Die Aufstandsbewegung von 1978 und der Sturz von Schah Mohammad Reza Pahlavi 1979 wurde dank Frankreichs Unterstützung von Khomeini zur „islamischen Revolution“, dabei war nirgendwo im Nahen Osten die Zivilbevölkerung so säkular wie im Iran. Im Übrigen machte die Mullahherrschaft umgehend kurzen Prozess mit den linken Iranern. Möglicherweise, hoffentlich ist der „Islamogauchisme“ nachdenklichen Linken heute peinlich. Doch auch Jüngere haben bereits wieder Antworten auf das, was die Menschen meinen, die unter Lebensgefahr in den iranischen Städten demonstrieren. Denn siehe: Sie rufen doch tatsächlich nach dem Sohn des Schahs, nach Reza Pahlavi! Also ein reaktionärer Wunsch nach der Rückkehr zur Monarchie – und ist nicht Pahlavi eine Marionette der USA und Israels? Nun: Wir wissen nicht, was jeder einzelne der Demonstranten sich wünscht – außer dem Verschwinden der Mullahs und ihrer Schergen. Doch Pahlavi scheint eine verbindende Figur zu sein, auf die viele sich einigen können – das galt und gilt noch heute für einige europäische Monarchien. Und warum sollten sich Menschen, die unter Lebensgefahr gegen das Regime protestieren, hernach plötzlich einer „Marionette“ unterwerfen?

    Doch da ist er wieder, der Gegner, der Linke auf pittoreske Allianzen eingehen lässt: der Westen. Dem zieht man offenbar noch immer steinzeitliche Verhältnisse vor. Währenddessen geht das Regime im Iran weiterhin brutal gegen die Demonstranten vor. Doch Mitgefühl ist nichts, was man von Linken erwarten kann, denen der Kampf gegen „den Westen“ in Gestalt von Israel und den USA das größere Herzensanliegen ist. Es kommen einem die Tränen. Nicht nur, wenn man sieht, wie todesmutig Tausende Tag für Tag gegen das verkommene Regime protestieren. Die Zahl der Toten wird steigen, je mehr das Regime in Panik gerät. Die jüngsten Signale aus Teheran lassen eine Eskalation befürchten. Derweil fordert Donald Trump die Iraner zum Durchhalten auf. Er schreibt: „Protestiert weiter – übernehmt eure Institutionen.“ Hilfe sei unterwegs. Wirklich? Und doch: Es bleibt die Hoffnung, dass die Perser sich befreien können und dass mit dem islamischen Gottesstaat Iran auch die Geldquelle für sämtliche Terrororganisationen im Nahen Osten verschwindet.