Kontrafunk aktuell vom 19. Juli 2024
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In dieser Ausgabe blicken wir auf die Wiederwahl Ursula von der Leyens zur EU-Kommissions-Präsidentin. Christine Anderson, für die AfD im EU-Parlament, kritisiert die Wahl und erneuert ihren Korruptionsverdacht gegen die CDU-Politikerin. Mit dem Historiker Dr. Jörg Friedrich sprechen wir über achtzig Jahre Stauffenberg-Attentat. Der Versuch, Adolf Hitler zu töten, scheiterte. Doch die Stauffenberg-Gruppe wurde Teil eines Gründungsmythos der Bundeswehr, der bis heute aufrechterhalten wird. Im Gespräch mit Nicolaus von Schöning geht es um wilde Volten rund um das Schloss Marienburg in Niedersachsen, und Cora Stephan kommentiert die europäische Verteidigungspolitik.
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Kontrafunk im Gespräch mit Christine Anderson
Wahl oder Nichtwahl von der Leyen
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Kontrafunk im Gespräch mit Jörg Friedrich
80 Jahre Attentat auf Hitler am 20. Juli
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Kontrafunk aktuell im Gespräch mit Nicolaus von Schöning
Marienburg: Das Schloss, der Film und das Land
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Kontrafunk-Kommentar von Cora Stephan
Das erbärmliche Schauspiel der EU
Die EU ist ein Kindergarten unter der harten Hand von Nanny von der Leyen. Gut, dass die EU nicht Europa ist, man müsste sich sonst ernsthaft Sorgen machen. Tut man allerdings auch jetzt schon. Doch vielleicht müssen wir es dem Mann in Moskau einfach gönnen, dass er über diesen Hühnerhaufen lacht. Über wen er gewiss nicht gelacht hat, ist Viktor Orbán, der einzige Mann, der es geschafft hat, mit dem, dessen Namen man nicht nennen darf, zu reden. Die großmächtige EU aber verlässt sich auf eine Disziplinierungsmaßnahme, die sich „Sanktionen“ nennt. Dass die gegen Russland gerichteten Sanktionen erfolgreich eingewirkt hätten auf Putins Krieg, kann man allerdings nicht behaupten. Was, bitte, bedeutet ein Embargo auf russisches Erdöl und -gas, wenn nicht wenige Länder in Europa weiterhin Gas aus Russland beziehen? Die EU ist nicht mächtig, sie macht sich lächerlich.
Und nun bekommt es also auch Viktor Orbán mit dem Disziplinierungsstöckchen Boykott zu tun. Ursula von der Leyen, die gestern wieder zur Kommissionsvorsitzenden der EU gewählt wurde, hatte schon zuvor angekündigt, dass an informellen Ministertreffen unter ungarischer Ratspräsidentschaft keine Kommissare, sondern nur noch ranghohe Beamte teilnehmen. Sie selbst werde den traditionellen Antrittsbesuch nicht unternehmen. Das wird man in Budapest gewiss bedauern. Auch knapp 500 Abgeordnete des Europaparlaments verurteilten nun den Besuch von Viktor Orbán bei Wladimir Putin in einer Resolution, in der es zudem heißt, das Europaparlament betrachte den Besuch als „einen eklatanten Verstoß gegen die EU-Verträge“. Das müsse Konsequenzen haben – ach ja? Welche denn? Eine solche Resolution ist rechtlich nicht verbindlich. Und die Ratspräsidentschaft kann Ungarn auch nicht genommen werden.
„Was für ein kleingeistiges, erbärmliches Schauspiel der EU – zum Schaden Europas!“, schreibt Gerhard Papke, Präsident der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft. In der Tat. Orbán ist nicht als Vertreter der EU zu den Konfliktparteien gereist, sondern aus eigenem Antrieb. Aber er hat es immerhin getan, und es kommt dem normalen Bürger einigermaßen zynisch vor, dass der Versuch, das Blutvergießen zu beenden, als Illoyalität ausgelegt wird. Meinungen und Beschlüsse kann man ändern, und das wäre dringend geboten. Wie trostlos, dass man sich in der EU so wenig um eine diplomatische Lösung bemüht. Doch wie sagt Ursula von der Leyen? „Diese sogenannte Friedensmission war nichts anderes als eine Appeasement-Mission“, klar, mit Hitler hat man auch nicht verhandeln dürfen. Da haben wir es wieder. Hitler ist immer dabei.
Es profitiert bei alledem: die Rüstungsindustrie, die mit milliardenschweren Aufträgen gefüttert wird. Die deutsche und die US-Regierung kündigten bereits am 10. Juli an, ab 2026 in Deutschland „weit reichende Waffensysteme“ zu stationieren. Diese Waffensysteme sollen nach Angaben des Wissenschaftlichen Dienstes des US-Kongresses Teil der „Multi-Domain Task Force“ der US-Armee in Wiesbaden werden. Schade, dass Trump erst im November zum neuen US-Präsidenten gewählt wird.
Doch in Deutschland kratzt das niemanden. Und kaum einer fragt, ob Deutschland womöglich ein Mitspracherecht bei solchen Entscheidungen hat. Auch wurde diese einschneidende Entscheidung nicht verknüpft mit einem Verhandlungsangebot an Russland, wie das noch beim Nato-Doppelbeschluss des Jahres 1979 der Fall war. Viktor Orbán, der Gescholtene, hat übrigens daran erinnert, dass die Nato auf Frieden verpflichtet ist. Weiß das noch jemand?
„In diesem allgemeinen Wahnsinn“, schreibt Roger Köppel in der „Weltwoche“, „wirkt Orbán wie der letzte Besonnene gegen ein Stechschrittheer von Kriegsbeduselten. […] Geistlose Moralisten mit steinernen Herzen reiten unsere Welt, Zweifel und Widerspruch überdröhnend, immer tiefer in den Abgrund.“
Gibt es keine deutsche Friedensbewegung mehr, obzwar wir schon mitten im Dritten Weltkrieg stecken? Oder hat man das in Deutschland womöglich noch nicht gemerkt? Alles Schlafwandler? Oder irre lachende Verrückte?

Auch wenn es keine vereinende Wehrmacht mehr gibt, haben doch gerade die letzten 4 Jahre gezeigt, dass dieser Apparat europaweit in großen Verwaltungen und kleinen Amtstuben durchaus vorhanden ist und viele dort immer noch davor strammzustehen scheinen.
Auch wenn bisher vielleicht kein Blut fließt, es hat genug schlimme GEWALT-tätige Vorfälle und Verhaftungen gegeben und auch die frühmorgentli chen Überfälle konnte man gerade wieder beobachten. Mir graust es...
Und das Genörgel von Cora Stefan über das angebliche Fehlen der Friedensbewegun g ist unangebracht, ungerecht und ignorant. Die Friedensbewegun g ist in D. durchaus aktiv, hat viele Anhänger (leider oftmals im Rentenalter...), klärt auf ihrer Homepage auf und veranstaltet regelmäßig größere Demonstrationen in den Großstädten. Cora Stefan kann dort gern teilnehmen!
ich kann "Kat" nur zustimmen: Die deutsche Friedens-, besser Widerstandsbewe gung lebt, wird nur totgeschwiegen.
Wie in vielen anderen Städten in Deutschland gehen wir hier in Nordhessen seit mittlerweile vier (!) Jahren jeden Mondtag in Rotenburg an der Fulda und jeden Donnerstag in Bebra, jeweils ab 18.00 Uhr vom Rathausplatz aus spazieren und schmettern unseren Protest frohen Mutes ins Land hinaus. Kommen Sie doch einmal oder gehen Sie woanders mit! Ich hoffe, Sie leiden nicht an leider auch in widerständigen Kreisen verbreitetem Intellektuellen -Dünkel?
Mit freundlichem Gruß
Jupp Koschinsky
Aus diesem Grund habe ich an Cora Stefans Kommentar überhaupt nichts auszusetzen. Im Gegenteil. Die starken regionalen Stimmen des Aufbegehrens darüberhinaus in allen Ehren! Nur das Entsetzen in der Breite bleibt eben aus.
Erwähnen können hätte sie die Veranstaltungen aber in der Tat.
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