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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 2. Juni 2025

    Stefan Millius im Gespräch mit Susanne Heger, Nathan Gelbart und Alex Reichmuth – Kontrafunk-Kommentar: Alexander Meschnig

    Die Wege von Donald Trump und Elon Musk trennen sich. Was dahintersteckt, erklärt USA-Korrespondentin Susanne Heger. Ein Schweizer Dorf wird von einem Bergsturz verschüttet, und umgehend sehen sich die Warner vor dem Klimawandel in ihren Thesen bestätigt. Ob zu Recht oder nicht, analysiert der Wissenschaftsjournalist Alex Reichmuth. Israel wird derzeit von Deutschland und anderen EU-Staaten zunehmend kritischer gesehen. Mit dem Rechtsanwalt und Publizisten Nathan Gelbart sprechen wir über die Gründe und die Folgen der jüngsten Distanzierung. Und im Kommentar bewertet Alexander Meschnig das Ansinnen deutscher Politiker, der Ukraine den Marschflugkörper Taurus zur Verfügung zu stellen.

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    Winckelmann Gruppe

    Interview 1

    Susanne Heger: Trump und Musk auf getrennten Wegen

    Interview 2

    Alex Reichmuth: Die Klimathese hinter dem Bergsturz

    Interview 3

    Nathan Gelbart: Schwindende Solidarität mit Israel

    Kommentar

    Alexander Meschnig: Die Wunderwaffe Taurus und die politischen Folgen

    Bei seinem letzten Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenski in Berlin erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass die Lieferung von Taurus an die Ukraine grundsätzlich „im Bereich des Möglichen“ liege, nämlich dann, wenn Taurus ausschließlich für militärische Ziele in Russland eingesetzt werde. Taurus, lateinisch für Stier, ist ein deutscher Marschflugkörper mit einer Reichweite bis zu 500 Kilometer und hoher Präzision. Die Ukraine fordert ihn zur Zerstörung strategischer Ziele hinter der russischen Front, etwa von Nachschubwegen, Kommandostrukturen oder Brücken. Taurus ist aber auch zum Symbol für die politische Kontroverse über den Ukraine-Krieg in Deutschland geworden. Die Debatte um Taurus ist weniger eine Frage der Technik, sondern von Politik, Verantwortung und der berechtigten Angst vor einer Eskalation des Krieges. Die Befürworter betonen die militärische Notwendigkeit einer raschen Lieferung, um den Kriegsverlauf zugunsten der Ukraine zu verschieben. In ihren Augen ist die Lieferung eine moralische Verpflichtung, denn „wenn wir den Taurus nicht liefern, nehmen wir der Ukraine die Fähigkeit, sich effektiv zu verteidigen“, wie die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann gebetsmühlenartig behauptet. Die Gegner warnen dagegen vor einer Eskalationsspirale und der Verwandlung Deutschlands in eine direkte Kriegspartei, denn für die Steuerung der Taurus müsste Deutschland eigenes Personal zur Unterstützung der Zielauswahl stellen.

    Weit mehr als nur eine Waffe, steht der Taurus für die alles dominierende Frage: Wie viel militärische Unterstützung soll die Ukraine von deutscher Seite in Zukunft erhalten? In der aktuellen Debatte, befeuert durch das Hin und Her über Friedensgespräche, präsentieren Medien, Politiker und Experten den Taurus immer wieder als Schlüssel zur Kriegswende. Zugleich wird auch innenpolitisch Druck gemacht. Denn wer in dieser Frage zögert, wirkt schwach. Wer dafür ist, wirkt stark. Taurus ist so mehr ein Symbol der politischen Entschlossenheit als einer wirklichen militärischen Wende. In ihm verkörpert sich die Idee einer Art Wunderwaffe, die den Kriegsverlauf zugunsten der Ukraine verändern soll. Die strategische Wirkung des Marschflugkörpers ist aber schon einmal aufgrund der geringen Stückzahlen, derzeit sind lediglich 150 Raketen einsatzbereit, minimal. Trotzdem wird seine Bedeutung für den Krieg geradezu magisch aufgeladen, so als könne Taurus allein das Kräfteverhältnis der involvierten Parteien verschieben. Die Vorstellung einer „Wunderwaffe“ speist sich im Wesentlichen aus der politischen Unsicherheit, die technische Lösungen als attraktiv erscheinen lässt. Zugleich knüpft sie an kollektive Erinnerungen an, im Falle Deutschlands an die V2 im Zweiten Weltkrieg, von der das NS-Regime, trotz des Vormarsches der Roten Armee und der Landung der Alliierten in der Normandie, noch Ende 1944 eine Kriegswende erwartete. Ihre militärische Ineffizienz zeigte sich etwa darin, dass die V2 mehr Zwangsarbeitern, die für ihre Produktion eingesetzt wurden, das Leben gekostet hat als gegnerischen Soldaten und Zivilisten.

    „Wunderwaffen“ werden militärisch oft überschätzt, sind aber symbolisch enorm wirksam. Ihr „Wert“ liegt nicht in der realen Zerstörungskraft, sondern in ihrer psychologischen und politischen Bedeutung. Meist sind sie technisch komplex und in ihrer Wirkung begrenzt. Historisch gesehen haben sie den Kriegsverlauf fast nie verändert. Sie werden aber, wie die V2 oder der Taurus, medial überhöht und suggerieren den Beteiligten einen entscheidenden „Wendepunkt“. Wunderwaffen sind mehr Projektionsflächen für Hoffnung, Angst, Macht, aber auch Ohnmacht. Der bekannteste Philosoph des Krieges, Carl von Clausewitz, beschreibt in seinem Hauptwerk „Vom Kriege“ die Eskalationsfaktoren, die einen Krieg unkontrollierbar machen, da jede Seite auf den „steigenden Einsatz“ der anderen reagiert. Im von Clausewitz so genannten absoluten Krieg gibt es keine Beschränkungen, der Einsatz von Gewalt wird immer intensiver, die Ziele unbegrenzter und die Mittel uneingeschränkter. Es gibt hier keine Regeln oder Grenzen mehr, die Spirale der Gewalt steigert sich bis zum Äußersten. Diesem absoluten Krieg steht aber der wirkliche Krieg gegenüber, denn in der Realität, das zeigt auch der Ukraine-Krieg, wirken politische, moralische und materielle Grenzen mäßigend. Dennoch trägt jeder Krieg die Möglichkeit einer Eskalation in sich, denn keine Kriegspartei kann darauf verzichten, sich derselben Mittel wie der Gegner zu bedienen.

    Die Frage der Taurus-Lieferungen an die Ukraine hat sich zu einem zentralen Thema der neuen deutschen Regierung entwickelt. Sie beeinflusst nicht nur die sicherheitspolitische Ausrichtung Deutschlands, sondern auch die innenpolitische Stabilität. Denn alle Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Deutschen (60 Prozent laut jüngsten Zahlen, in den neuen Bundesländern sogar 76 Prozent) gegen eine Lieferung von Taurus an die Ukraine sind, da eine Ausweitung des Krieges befürchtet wird. Grünen-Wähler befürworten dagegen zu 54 Prozent eine Lieferung. Stellvertretend hier Anton Hofreiter der „keinerlei Reichweitenbeschränkungen mehr für Waffen, die wir liefern“ fordert. Taurus statt Pazifismus. Man kann nur hoffen, dass beim stets schwankenden neuen Bundeskanzler die Vernunft über eine bellizistische Moral siegen wird. Dagegen spricht, dass Merz kurz nach Selenskis Besuch bei der Verleihung des Karlspreises an Ursula von der Leyen, die EU zur verstärkten Unterstützung der Ukraine aufrief. Deutschland sei bereit, „beim Nato-Gipfel im Juni weitreichende Beschlüsse“ zu fassen. Wir werden in Kürze sehen, was das konkret bedeutet.