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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 3. Juni 2025

    Marcel Joppa im Gespräch mit Alexander King, Jonas Greindberg und Aleksandra Rybinska – Kontrafunk-Kommentar: Cora Stephan

    Bei der Präsidentschaftswahl in Polen hat der rechtskonservative, parteilose Karol Nawrocki gesiegt, und westliche Medien laufen Sturm. Was sein Sieg bedeutet, erläutert Warschau-Korrespondentin Aleksandra Rybinska. Der BSW-Politiker Dr. Alexander King will seinen Teil zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen beitragen und veröffentlicht nun zahlreiche Regierungsdokumente, Zahlen und Fakten. Worum es sich handelt, erklärt er in dieser Sendung. Dass Regierungskritiker auch schnell das Ziel von Behörden und Justiz werden können, zeigt der Fall des Youtubers Shlomo Finkelstein, der vor wenigen Tagen vorzeitig aus der Haft entlassen worden ist. Die Repressionen gegen ihn sind damit aber nicht zu Ende. Über den Fall berichtet der freie Journalist Jonas Greindberg. Und Cora Stephan fragt in ihrem Kommentar, ob Russland durch ukrainische Drohnen einen Pearl-Harbor-Moment erlebt.

    Interview 1

    Aleksandra Rybinska: Polen hat gegen die Regierung gestimmt

    Interview 2

    Jonas Greindberg: Der unglaubliche Fall des Shlomo Finkelstein

    Interview 3

    Alexander King: Neue Corona-Fakten aus Berlin

    Kommentar

    Cora Stephan: Nie mehr ohne Drohne

    Jeder Krieg führt zu einem Erkenntnisgewinn. Das ist ungemütlich, aber unausweichlich. Die Verwendung von Drohnen, wie jüngst durch die Ukraine, verändert das Kriegsgeschehen. In der „Operation Spinnennetz“, einer offenbar sorgfältig und seit Jahren geplanten Aktion – Selenski spricht von „einem Jahr, sechs Monaten und neun Tagen vom Planungsbeginn bis zur effektiven Umsetzung“ – hat der ukrainische Geheimdienst mit in Lastwagen geparkten 117 Drohnen vier russische Luftwaffenstützpunkte angegriffen und über 40 Kampf- und Aufklärungsflugzeuge zerstört. Die Ukraine brauchte dazu keine Taurus-Marschflugkörper, und die Entfernung zum Gebiet des Gegners spielte ebenfalls keine Rolle mehr. Und das alles am Vortag der Verhandlungen über ein Kriegsende? Um den Abbruch der Verhandlungen zu provozieren? Ist das jetzt der Pearl-Harbor-Moment? Fragt der eine oder andere. Zur Auffrischung des Gedächtnisses: Am 7. Dezember 1941 griffen japanische Flugzeuge die auf Pearl Harbor stationierte amerikanische Pazifikflotte an. Die Amerikaner zählten über 2400 Tote neben 18 versenkten oder beschädigten Schiffen. Das gab Aufwind für das Manhattan-Projekt, die Forschung an der Atombombe. Im August 1945 warfen amerikanische Bomber zwei der neuen Waffen über Hiroshima und Nagasaki ab. Die Folgen für die Zivilbevölkerung waren grausam. 100.000 Menschen starben sofort, sie waren die glücklicheren. 

    Stimmt der Vergleich? Soweit man weiß, trafen die ukrainischen Drohnen auf den Flugplätzen keine Menschen. Darf man das als Erfolg dieser neuen Kriegstechnik werten? Seit zwei Weltkriegen steht ja in Frage, was jahrhundertelang mehr oder weniger Geltung hatte: Der Gegner ist der „gerechte Feind“, dem Respekt gebührt. Und die Zivilbevölkerung ist zu schonen, weshalb reguläre Soldaten Uniformen tragen, die sie von den Nichtkombattanten deutlich unterscheiden. Das „Morale Bombing“ der Briten auf Deutschland im Zweiten Weltkrieg noch nach der erkennbaren Niederlage galt ausschließlich der Zivilbevölkerung und entsprach gewiss nicht der Haager Landkriegsordnung. Was also ändert sich durch die neue Waffe, die Drohnenangriffe? An der Grundkonstellation ändert sich nichts – es geht um die gewaltsame Auseinandersetzung zweier Konfliktparteien. Eine Auseinandersetzung, die seit Menschengedenken auf Männer beschränkt war. Eine Art Geschlechtervertrag und keine Aussage über den Testosteronspiegel der Kerle: Für den Erhalt der Gattung sind Frauen wichtiger als Männer. Was aber entscheidet darüber, wie gewalttätig es bei der Konfrontation zugeht? Darüber befindet Kultur, nicht Natur. Man mag es heute kaum glauben, aber in der Geschichte des Krieges wurde keineswegs stets die neueste und effizienteste Waffe begrüßt, im Gegenteil: Paradoxerweise wehrten sich Soldaten immer mal gegen Waffen, und zwar mit dem Argument, sie seien tödlich. Denn es ging um eine Entscheidung in der Schlacht, nicht um das möglichst effiziente Töten einer möglichst großen Zahl von Gegnern. Die mittelalterlichen Ritterheere lehnten Distanzwaffen ab, das gebot der Respekt vor den Gegnern, die ja selbst Angehörige der kosmopolitischen Kriegerelite waren. Im Übrigen ehrte man auch deshalb den Feind, weil man beim nächsten Mal der Unterlegene sein konnte.

    Die englischen Bogenschützen waren respektlos effizient. Der Bogen war das Synonym für die verächtlichste aller Waffen, weil, so das Lateranische Konzil von 1139, er tödlich sei. Es reichte doch, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen! Bogenschützen mussten jahrelang üben. Die Muskete war leichter zu bedienen und entschieden weniger treffsicher. Aber sie machte Krach, das diente vielleicht der Abschreckung. Dem überkommenen Verständnis von Waffen und ihrer Wirkung nach ist die Atombombe keine Waffe, denn sie unterscheidet nicht zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten und verwüstet und tötet im bis dato unvorstellbaren Maß. Mit der ferngesteuerten Drohne aber könnte man vermeiden, was beim Militär „Kollateralschaden“ heißt, also neben flächendeckender Verwüstung das unbeabsichtigte Töten von Menschen. Wäre doch prima, oder? Womöglich wird der ukrainische Angriff wegen des Einsatzes eines relativ neuen und extrem kostengünstigen Waffensystems in die Militärgeschichte eingehen. Doch für die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine bedeutet die ukrainische Aktion womöglich nichts Gutes. Die erste Gesprächsrunde dauerte gerade mal eine Stunde. Der New-Start-Vertrag zwischen den USA und Russland, den Putin zunächst ausgesetzt hat, auch wenn er behauptet, sich im Wesentlichen daran zu halten, schreibt vor, dass Bomber, die Atombomben tragen können, zur Satellitenüberwachung an definierten Orten offen stationiert sein müssen. Die Frage ist nun, ob der Angriff auf derartige Ziele ein Verstoß ist, der zu einer nuklearen Antwort berechtigt.