Skip to main content
Kontrafunk live hören
Kontrafunk live hören
Kontrafunk Livestream Player
die Nachrichten vom
14. Juni 2026, 15 Uhr
die Nachrichten vom
14. Juni, 10:00 Uhr
die Nachrichten vom
14. Juni 5:00 Uhr
    Mittwoch, 21. Mai 2025, 5:05 Uhr
    Mittwoch, 21. Mai 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 21. Mai 2025

    Bei den Verhandlungen mit dem Iran über ein Atomabkommen gibt es Neuigkeiten: US-Präsident Trump hat bestätigt, dass er dem Iran einen formellen Vorschlag für ein Atomabkommen vorgelegt hat. Über die Entwicklungen sprechen wir mit dem Politikwissenschaftler und freien Journalisten Alireza Mousavi. Werden Weiße in Südafrika diskriminiert? Dies erörtern wir mit Paul Venter, wissenschaftlicher Mitarbeiter im EU-Parlament. Bei den Parlamentswahlen in Portugal haben rechte Parteien stark dazugewonnen. Wie es dazu gekommen ist und was das für die politische Ausrichtung des Landes bedeutet, erklärt der in Portugal lebende deutsche Auswanderer Marcus Thor Straten.

    Interview 1

    Alireza Mousavi: Neue Entwicklungen im Atomstreit mit dem Iran

    Interview 2

    Paul Venter: Diskriminierung von Afrikanern in Südafrika

    Interview 3

    Marcus Thor Straten: Parlamentswahlen in Portugal

    Kommentar

    Markus Vahlefeld: „Die Zeit“ – Nachtreterzeitung

    Es ist ein Klassiker der Schulbuchprosa: Heinrich Bölls Geschichte der fiktiven Katharina Blum, die von der Boulevardpresse gejagt wird, da sie einen – neudeutsch – One-Night-Stand mit einem Terroristen hatte. Sie wird als Flittchen und Terrorbraut durch das mediale Dorf getrieben. Natürlich geht es in dem Buch um den Terrorismus der RAF (Rote Armee Franktion) und um die „Bild“-Zeitung, die gegen diesen Terror zu Felde zog. Am Ende erschießt in Bölls Buch „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ die Protagonistin den Reporter. Und jeder hat so ein bisschen Verständnis dafür. Dass sich seit Erscheinen des Büchleins 1974 die Zeiten geändert haben, ist klar. Deutschland leidet nicht mehr unter dem RAF-Terror. Vielleicht weil viele der heimlichen Unterstützer und Sympathisanten es in höchste Regierungsämter gebracht haben? Von Joschka Fischer und Jürgen Trittin bis zum amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der noch 2022 die Mitgründerin der RAF, Gudrun Ensslin, in die Reihe „großer Frauen der Weltgeschichte“ aufnahm.

    Die These, dass nun der RAF-Terror, seit diese Herren an der Macht sind, vom Staat ausgeht, ist natürlich vollkommen unhaltbar. Denn inzwischen lieben sie ja das Schweinesystem, das sie ehedem angetreten waren zu zerstören, und natürlich lieben sie inzwischen das deutsche Volk, das nicht aufhört, sie zu wählen. Ihre Liebe geht sogar so weit, dass sie auch nach dem jetzigen „Wochenende der Messer“ von Bielefeld über Berlin nach Halle lieber beredt schweigen und die „Omas gegen rechts“ aufmarschieren lassen, als an ihrer zerstörerischen Politik auch nur einen Deut zu ändern. Der damalige RAF-Terror gegen das Schweinesystem hat sich transformiert in den alltäglichen ethnokulturellen Terror gegen die deutsche Bevölkerung. Mit dem großen Unterschied: Wer heute diesen ethnokulturellen Terror als genau das bezeichnet, was er ist, bekommt es mit dem Verfassungsschutz und den deutschen Staatsanwälten zu tun. Und natürlich mit den deutschen Großmedien. Wofür ehedem die „Bild“-Zeitung noch angegriffen wurde, das leisten heute Organe wie Jan Böhmermann vom ZDF oder eben die Wochenzeitung „Die Zeit“.

    Sie fragte vor wenigen Tagen in einer Überschrift zu einem Artikel, den sie über das viral gegangene Sylt-Video veröffentlichte und in dem junge Menschen zu einem Gigi-D’Agostino-Hit „Deutschland den Deutschen“ sangen – vielleicht erinnern Sie sich? – Folgendes: „Bis heute ist wenig über die grölenden jungen Menschen bekannt. Wie haben sie es geschafft, aus dem Internet zu verschwinden?" So die „Zeit“. Dass sie alle ihre Jobs verloren, merkt die Autorin noch wohlwollend an, bevor sie dann enttäuscht berichtet, dass die Gesichter und die Namensnennung der Sylt-Sänger aus der Berichterstattung verschwunden sind. Bei der „Zeit“ hätte man es ganz offensichtlich lieber gesehen, wenn die Beteiligten nicht nur ihre Jobs verloren hätten, sondern dauerhaft unter voller Namensnennung an den medialen Pranger gestellt worden wären. Das ist die „verlorene Ehre der Katharina Blum“ auf links, Steinmeier-staatstragend und im Jahr 2025. Die Jan-Böhmermann-Affäre um „Clownswelt“ spielt ja in derselben Liga. Auch da war die „Zeit“ federführend mit von der Partie.

    Das Singen des abgewandelten Liedtextes auf Sylt war strafrechtlich nicht relevant, deshalb wurden die Verfahren gegen die Sänger auch alle eingestellt. Und genau diese Urteile verbieten dann auch die mediale Zurschaustellung der Klarnamen mit Bildern. Katharina Blum lässt wieder grüßen. Bei der in liberalen Kreisen so hoch angesehenen „Zeit“ ist das alles offensichtlich nicht angekommen. Hier trauert man der verbotenen Berichterstattung nach, möchte gerne Pranger und Zurschaustellung beibehalten und fragt, wie es nur dazu kommen konnte, dass die Sänger aus dem Internet verschwanden. Die Antwort ist ganz einfach, und ich verrate sie der „Zeit“: weil es rechtswidrig ist, verboten, zudem noch fragwürdig und journalistisch unethisch. Aber von einer kritischen Betrachtung der medialen Hexenjagd bei der „Zeit“ natürlich keine Spur. Heinrich Böll durfte noch davon fantasieren, dass die so ungerecht behandelte Katharina Blum den sie verfolgenden Boulevardreporter in Selbstjustiz erschoss. „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ wurde Bölls erfolgreichstes Prosawerk mit fast drei Millionen verkauften Exemplaren, jeder deutsche Gymnasiast muss es kennen. Eigentlich auch die Redakteurin von der „Zeit“, die dieses Schundstück verfasst hat. Träume ich nun davon, dass einer der Sylt-Sänger sie erschießt? Nein, ganz sicher nicht. Wovon ich aber ausgehe: Ein Roman, der ihre Ermordung herbeifantasieren würde, käme heute auf den Index, der Verfasser vielleicht vor Gericht. Die Zeiten ändern sich, und die sogenannte liberale Demokratie lässt ganz, ganz herzlich grüßen.