Kontrafunk aktuell vom 22. Mai 2025
Dem Macher des Blogs „Anti-Spiegel“, Thomas Röper, wird russische Propaganda vorgeworfen – es wurden EU-Sanktionen gegen ihn erlassen. Damit ist eine Einreise in die EU und in sein Heimatland Deutschland nicht mehr möglich. Zudem wurden seine Vermögenswerte eingefroren. Im Interview erläutert Röper die Situation für Russland-freundliche Blogger. Neue Enthüllungen bestätigen die bereits bekannten kognitiven Probleme des amerikanischen Ex-Präsidenten Joe Biden. Wenn Biden aber jahrelang seine Amtsgeschäfte nicht führen konnte, wer hat dann die USA regiert? Roger Letsch liefert Antworten. Wir unterhalten uns mit dem Friedensforscher Prof. Werner Wintersteiner über Abrüstung und die Hoffnung auf Frieden. Und Collin McMahon kommentiert Donald Trumps Geschäfte in der Golfregion.
Thomas Röper: EU-Sanktionen gegen deutsche Blogger
Roger Letsch: Was man über Biden schon längst wusste
Werner Wintersteiner: Friedenspolitik in Europa
Collin McMahon: Katar kauft Trump
Donald Trump bereiste vergangene Woche die Golfstaaten, und wie bei ihm üblich, ging es ums große Geschäft, um den „Art of the Deal“, oder, um es landesüblich auszudrücken, um Bakschisch und türkischen Basar. Mit dem Emirat Katar vereinbarte er Deals im Wert von 243 Milliarden Dollar, darunter für 210 Boeing 787 Dreamliner für Qatar Airways, den größten Boeing-Deal für Großraumflugzeuge aller Zeiten im Wert von 96 Milliarden Dollar. Dazu schenkte Katar dem Pentagon einen Luxus-Jumbo im Wert von 400 Millionen Dollar um die alte Air Force One zu ersetzen, da Boeing offenbar nicht schnell genug liefern kann. Wer ein derartiges Geschenk nicht annehme, sei einfach dumm, so Trump, schließlich sei es umsonst. „Nichts ist umsonst“, konterten Kritiker, die sich Sorge um den wachsenden Einfluss Katars auf die US-Politik machen.
Schließlich ist Katar Hauptsitz von Hamas und Muslimbruderschaft und ein enger Verbündeter des islamischen Gottesstaates im Iran. Der Vordenker der Muslimbruderschaft, Jussuf al-Karadawi, predigte in der Al-Wahhab-Moschee in Doha, dem geistigen Zentrum des radikalen Wahhabismus, und wurde 2022 dort beerdigt. Katar finanzierte die Hamas in Gaza seit 2007 mit 1,8 Milliarden Dollar und beherbergte ihre Führungsriege in Luxushotels. Der Pro-Hamas-Fernsehsender Al Dschasira wurde mit 2 Milliarden Dollar von Katar finanziert und beschäftigte mindestens sechs Hamas-Terroristen. Die anderen Golfstaaten, Ägypten und Israel, haben Al Dschasira als Hamas-Frontorganisation verboten,Katar boykottiert und aufgefordert, ihre Länder nicht länger zu destabilisieren. Vor der Trump-Wahl gingen nur 10 Prozent der Lobbygelder aus Katar an die Republikaner; seit dem Amtswechsel hat sich das Emirat jedoch den neuen Machtverhältnissen angepasst und hofiert nun konservative Medien wie Fox News, die „New York Post“ und die „Daily Mail“.
Vergangene Woche veröffentlichten die Journalisten Frannie Block und Jay Solomon auf „The Free Press“ einen ausführlichen Bericht über die Einflusskampagne des Golfstaates, der insgesamt 100 Milliarden Dollar ausgegeben habe, um Einfluss auf Medien, Politik und Universitäten zu nehmen. Seit 2017 habe das erdgasreichste Land der Welt 225 Millionen Dollar allein für Lobbyarbeit in Washington ausgegeben, dreimal so viel wie Israel. Der US-Unterhändler für die Ukraine und den Nahen Osten, Steve Witkoff, ein New Yorker Immobilieninvestor und Golfpartner von Trump, hat vorletztes Jahr 623 Millionen Dollar von Katar bekommen, um ein in Schieflage geratenes Hotelprojekt abzustoßen. Trump-Getreue wie Justizministerin Pam Bondi, FBI-Chef Kash Patel und Stabschefin Susie Wiles hätten ebenfalls Beraterhonorare von Katar bekommen, ebenso wie konservative Meinungsmacher wie der TV-Sender Newsmax, der Radiomacher John Fredericks und Senator Lindsey Graham.
Am Wochenende ließ die konservative Zeitung „Washington Examiner“ die Bombe platzen: Der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson, einer der erfolgreichsten Podcaster der Welt seit seinem Rauswurf bei Rupert Murdoch, habe ebenfalls Geld bekommen, um im März den katarischen Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani wohlwollend zu interviewen. Seitdem Carlson sich mit 15 Millionen Dollar des Investors OmeedMalik selbstständig gemacht hat, rankten sich Gerüchte um eine mögliche Einflussnahme auf den größten konservativen Podcaster der Welt, der auch mal Wladimir Putin oder Viktor Orbán interviewt. Carlson wurde einer der prominentesten Israel-Kritiker in Trumps innerem Zirkel und lud auch Steve Witkoff ein, der die Kataris „missverstanden“ und „wirklich an Frieden interessiert“ nannte.
Im Gespräch mit seiner Kollegin Megyn Kelly Ende April hatte Carlson noch kategorisch geleugnet, Geld von Katar erhalten zu haben. Nun hat der „Washington Examiner“ Beweise vorgelegt, dass das Interview mit Al Thani mit 180.000 Dollar gekauft wurde. Carlson hat sich dazu noch nicht geäußert. Auch in Deutschland und Europa macht sich das Emirat mit seinen Milliarden Freunde, ob bei der Uefa oder im EU-Parlament. Vor allem in Deutschland hat Katar 25 Milliarden Euro investiert, um Einfluss und Wohlwollen zu kaufen. Vier EU-Abgeordnete wurden 2022 im Rahmen eines Bestechungsskandals verhaftet. Wie Insider aus Brüssel berichten, wurden die Ermittlungen rasch wieder eingestellt, als auch Mitglieder der Europäischen Volkspartei (der die CDU angehört) ins Zwielicht gerieten. Und Robert Habecks Diener 2022 wird als Unterwerfungsgeste in die Annalen der islamischen Eroberung eingehen. Trump-Vordenker Steve Bannon nannte Katar nach den neuen Enthüllungen „den Brückenkopf“ des Problems. Sie würden zusammen mit Erdogan in der Türkei die Agenda der Muslimbruderschaft verfolgen. Im Weißen Haus würde man noch nicht auf ihn hören, so Bannon, aber das könne sich ändern. Es wäre nicht das erste Mal, dass der einsame Rufer Steve Bannon recht behält.

