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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 23. Juli 2025

    Gernot Danowski im Gespräch mit Robert Pfeffer, Lukas Huber und Thomas Eisenhuth – Kontrafunk-Kommentar: Boris Reitschuster

    In einem Ostschweizer Dorf mit nur acht Einwohnern sollen bald 150 Asylsuchende untergebracht werden. Der St. Galler Kantonsrat Lukas Huber berichtet über die politischen Hintergründe und den Widerstand. Windkraftanbieter in Österreich sind aus staatlichen Verträgen ausgestiegen, weil sie bei höheren Preisen auf dem freien Markt mehr verdienen konnten. Nachdem sie Gewinne in Millionenhöhe einfahren konnten, kehrten sie wieder zu den staatlichen Verträgen zurück. Dieses Drehtürsystem erläutert Energieunternehmer Thomas Eisenhuth. Die Unternehmensinitiative „Made for Germany“ möchte eine Wirtschaftswende in Gang setzen. Dr. Robert Pfeffer (CSU), Bezirksvorstand der Mittelstands-Union Mittelfranken, erläutert die Ziele des sogenannten Investitionsgipfels im Kanzleramt und dessen Bedeutung für den Mittelstand. Und Boris Reitschuster kommentiert das Fernbleiben von Alice Weidel von den Schlossfestspielen in Regensburg. (NACHTRAG: Dieser Kommentar ist insofern überholt, als nachträglich bekannt wurde, dass Gloria von Thurn und Taxis sehr wohl Alice Weidel privat empfangen und bewirtet hat. Boris Reitschuster hat dies auf seiner Website selbst richtiggestellt: https://reitschuster.de/post/leandros-laedt-weidel-aus-wie-es-wirklich-war/)

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    Der Sandwirt

    Interview 1

    Lukas Huber: 150 Migranten in einer 8-Seelen-Gemeinde in der Ostschweiz

    Interview 2

    Thomas Eisenhuth: Schröpfen und Abschöpfen – Windenergieverträge in Österreich

    Interview 3

    Robert Pfeffer: Der Mittelstand beim Investitionsgipfel im Kanzleramt

    Kommentar

    Boris Reitschuster: Alice Weidel kommt nicht zu den Regensburger Schlossfestspielen

    NACHTRAG: Dieser Text ist insofern überholt, als nachträglich bekannt wurde, dass Gloria von Thurn und Taxis sehr wohl Alice Weidel privat empfangen und bewirtet hat. Boris Reitschuster hat dies auf seiner Website selbst richtiggestellt: https://reitschuster.de/post/leandros-laedt-weidel-aus-wie-es-wirklich-war/

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    Die Oppositionsführerin soll ein Konzert besuchen, nicht als Rednerin, nicht als Sponsorin, nicht als Teil des Programms, einfach als Zuschauerin. Und das genügt in Deutschland 2025, um einen Skandal auszulösen. Denn Alice Weidel war es, die eingeladen war, und Vicky Leandros wollte das nicht hinnehmen. Die Fakten sind schnell erzählt. Die Sängerin – „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ – sollte bei den Schlossfestspielen von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis auftreten. Dann erfährt sie plötzlich, dass auch Alice Weidel unter den geladenen Gästen ist, und zwar nicht als Rednerin, nicht als Teil des Programms, nicht als Zuschauerin, sondern einfach als Gast. Und was macht Leandros? Sie fordert die Ausladung. Und sie bekommt ihren Willen. Die Fürstin knickt ein, Weidel wird ausgeladen. Leandros erklärt die Ausgrenzung der Oppositionsführerin allen Ernstes damit, sie stehe für Vielfalt, Toleranz und Menschenwürde. Und genau das ist das eigentlich Erschreckende, und genau deshalb muss man dieses Thema aufdröseln über den Einzelfall hinaus. Weil der Fall Leandros so symptomatisch ist, so typisch, viel absurder, als durch die Sängerin, lässt sich die Realität kaum verdrehen. Doch genau diese Absurdität, die ist bei uns inzwischen Alltag. Reihenweise werden in unserem Land unter Berufung auf „Toleranz“ Andersdenkende ausgeschlossen. Wer das tut, zeigt nicht „Haltung“, wie das im neudeutschen Politiksprachgebrauch heißt, sondern Verachtung. Verachtung für Menschen, die eine andere Meinung haben. Das ist genau das Gegenteil der Toleranz, die sich die verlogenen Toleranzritter moralbesoffen selbst bei jeder Gelegenheit bescheinigen.

    Wer sich Vielfalt auf die Fahnen schreibt, aber nur Gleichgesinnte duldet, der versteht weder Demokratie – und zwar in ihrem ursprünglichen Sinne, nicht in der pervertierten Bedeutung, die sich heute durchgesetzt hat – noch Anstand. Das neue moralische Deutschland zeigt sich hier in seiner ganzen Schizophrenie. Die selbsternannten Guten kämpfen gegen den Hass und hassen dabei selbst mit Inbrunst. Die selbsternannten Anständigen verteidigen das, was sie für Demokratie halten, aber nur gegen die Falschen. Die Sängerin als Zensorin, die Fürstin als Gesinnungsbeauftragte, das Publikum als gesäuberte Zone. Noch absurder als Leandros’ Begründung ist allerdings die Reaktion der Gastgeberin. Denn eingeladen hatte ja nicht die Sängerin, sondern die Fürstin. Und wer selbst einlädt, sollte auch den Mut haben, dazu zu stehen. Doch Gloria von Thurn und Taxis entschied sich nicht für ihre Gäste, sondern für die Sängerin. Ob aus Opportunismus, aus Angst vor einem Eklat oder aus purem Reflex: Am Ende bestimmte nicht mehr die Gastgeberin, wer willkommen ist, sondern die Diva. Es wäre konsequent gewesen, Leandros freundlich, aber bestimmt mitzuteilen: Wer nicht bereit ist, vor allen eingeladenen Gästen aufzutreten, darf sich gerne wieder abmelden. Aber auch diese Form von Haltung, zwar im ursprünglichen Wortsinn, nicht in der rot-grün-pervertierten Bedeutung aller Restle und Co., die scheint heute völlig aus der Mode gekommen zu sein. All das erinnert schmerzhaft an das, was ich im postsowjetischen Russland erlebt habe. Zwar herrschte dort, anders als im heutigen Deutschland, nicht durchgängig die Angst, im falschen Moment das Falsche zu sagen. Auch das vorsorgliche Distanzieren war seltener, das moralische Niederbrüllen abweichender Meinungen. Es war weniger ritualisiert. Was aber fast identisch ist und was mich bis heute verfolgt, ist die Allgegenwart der Lüge. Nicht die eine große Unwahrheit, sondern das tägliche systematische Umdeuten. Eine Sprache, die nicht mehr benennt, sondern verschleiert. Eine Wirklichkeit, die nicht mehr abgebildet, sondern ersetzt wird. All das erinnert mich eins zu eins an das, was wir heute in Deutschland erleben und was sich lange für eine Spätfolge des Sozialismus hielt. Vielleicht ist das zu eng gedacht. Wahrscheinlich ist es die Begleiterscheinung jenes Systems, das sich selbst für unfehlbar erklärt, eines jeden Systems, das sich selbst für unfehlbar erklärt. Die Allgegenwart der Lüge. Diese Art des Sprechens ist nicht nur Propaganda, sie ist ein Schutzschild, Waffe und Identitätsersatz zugleich. Sie durchdringt alles: die Nachrichten, die Schule, die Gespräche auf der Straße. Irgendwann wurde die Lüge nicht mehr das Gegenteil der Wahrheit, sondern ihre Alternative. Man weiß, dass etwas nicht stimmt in Russland und das ist ein großer Gegensatz zu Deutschland, aber man sagt es nur im Freundeskreis. Auch das ist ein Kontrast zu uns, wo sich viele ja schon fürchten, im Freundeskreis offen zu reden.

    In Russland glaubt man nicht an die offizielle Wahrheit, aber man spielt mit. Der große Unterschied zu uns ist, bei uns glauben viele daran. Es sind genau die gleichen Mechanismen, nur eben mit deutscher Gründlichkeit der Fatalität statt mit russischer Gelassenheit. Und genau das macht mir große Angst, wenn ich heute auf unser Land blicke. Auch hier wird Sprache systematisch verschoben. Kontrolle heißt jetzt Verantwortung, Gesinnungsprüfung nennt sich Zivilcourage, eine Ausladung wird zur klaren Haltung, ein Sendeverbot zum Schutz der Demokratie, eine selektive Strafverfolgung zur Stärkung des Rechtsstaats. Es ist dieselbe Technik, nur mit freundlicherer Stimme. Was mich daran besonders beunruhigt: Diese Form der Lüge, ist nicht nur auf Parteitage und Redaktionen beschränkt. Sie ist in die Alltagskultur eingesickert, in Pressemitteilungen, in Behördensprache, in Talkshows, in Schulbücher, in Werbekampagnen. Und je offensichtlicher sie wird, desto aggressiver wird sie verteidigt, als wäre das Eingeständnis eines Widerspruchs schon der erste Schritt in den Abgrund. Heute nennen wir das Cancel-Culture, manchmal auch einfach Zivilcourage, aber der Mechanismus ist derselbe wie der, den ich damals in der Postsowjetunion erlebt habe. Wer nicht ins Weltbild passt, wird ausgeladen, abgestellt, geächtet. Wer dagegen protestiert, ist automatisch verdächtig. Selbst das Publikum wird politisch vermessen. Demokratisch gewählt, reicht nicht. Falsche Partei, dann raus. Die kognitive Dissonanz ist greifbar. Auf den Demonstrationen gegen die AfD wird für Vielfalt geworben und Hass verurteilt mit Plakaten, auf denen steht: „Ganz Berlin hasst die AfD. Auf der Bühne singt Leandros für die Menschenwürde und entscheidet, wer sie verdient. Wer Alice Weidel nicht neben sich dulden will, zeigt vor allem eins, dass die eigene Überzeugung nicht stark genug ist, eine andere zu ertragen, und dass der moralische Glanz allzu oft nur die Spiegelung der eigenen Angst ist. Angst vor Abweichung, Angst vor Konsequenz, Angst davor, dass andere vielleicht doch nicht ganz so böse sind, wie man es sich einredet. Das neue Deutschland ist stolz auf seine Offenheit und schließt die Türen. Früher sagte man, die Gedanken sind frei, heute muss man hinzufügen: aber nur, solange es die richtigen sind. Es ist traurig, dass die ganze Vergangenheitsbewältigung die Deutschen in ihrer Mehrheit nicht davor bewahrt hat, wieder genau auf dieselben Mistgabeln des totalitären Denkens und des Überlegenheitsgefühls zu treten wie ihre Vorfahren. Offiziell heißt es: „Nie wieder“ und in Wahrheit: „Schon wieder“ – nur eben im neuen, besseren Kostüm.